Mogelpackung Willkommenskultur

Flüchtlingsproblem Dass diese Republik ein "Rassismus Problem" hat, ist nicht (mehr) die Frage. Darüber wurde und wird in den diversen Talkshows abendfüllend diskutiert.
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Mein Freund Heiner Lindgens hatte gestern auf Facebook einen guten und auf den Punkt gebrachten Beitrag zum Thema Flüchtlinge und der Mogelpackung Willkommenskultur geschrieben. Mit seinem ausdrücklichen Einverständnis veröffentliche ich hier diesen Artikel.

Die "Flüchtlingswelle" hat dieses Land unsanft aus dem Dornröschen-Schlaf geweckt. Erschrocken stellten nun Politiker fest, dass diese Menschen integriert werden müssen. Auch die Flüchtlinge brauchen bezahlbaren Wohnraum, brauchen eine Perspektive. Panik machte sich breit. Die Folge war und sind Sonntagsreden und gleichzeitig die Verschärfung des Asylrechts. Es soll für jeden was dabei sein.

Verpackt wurde dieser blindwütige Aktionismus in eine Mogelpackung mit der Bezeichnung "Willkommenskultur". Heftig wurde darüber gestritten, ob dieses Land eine Obergrenze benötige. Dabei blieb die "Ursachenforschung" auf der Strecke.

Stillschweigend akzeptierte eine Mehrheit, den massiven Sozialabbau. Steigendes Armutsrisiko in einem der reichsten Staaten dieser Erde, war für die meisten kein Problem. Wer, dank Job und niedriger Zinsen, im Eigenheim mit Vorgarten, 1,5 Kinder und dem obligatorischen deutschen Gartenzwerg residiert, interessiert sich nicht für die alleinerziehende Mutter, die am Stadtrand in einem Ghetto leben muss.

Für das unbeschwerte gute Gewissen dieser "Leistungsgesellschaft" sorgen Armenspeisungen und Flaschenpfand. Wer abgehängt ist, ist selber schuld.

Die "schwarze Null" wird wie eine Monstranz von neoliberalen Politikern vor sich hergetragen und gleichzeitig machen sich neue "Flüchtlinge" mit dicken Brieftaschen ungeschoren vom Acker. Es geht ums Geld! Steuergeld. Was dringend benötigt wird. Es ist noch gar nicht so lange her, da saß dieser deutsche Michel vor seinem Farbbildschirm mit einer Ferrari-Flagge in der Hand und bejubelte das deutsche "Rennass" Michael Schumacher, wie er in Höchstgeschwindigkeit" mit seiner Kohle Richtung Schweiz davon fuhr.

Es ging uns doch gut! Die Erwerbslosenzahlen sanken, dank Leiharbeit und Niedriglohnsektor, die Auftragsbücher der Rüstungskonzerne waren prall gefüllt und unsere Regierung reiste als Handels-Vertreter mit einem dicken Warenkatalog durch die Weltgeschichte.

Alles ist gut. Bis an dem Tag wo sich die ersten Menschen auf dem Weg machten, die auch mit Hilfe deutscher Rüstungsgüter aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Das Elend war nicht weit genug entfernt. Es steht plötzlich vor unserer Pforte.

Nein, so geht das nicht! Wir haben zu wenig Wohnraum, entsprechende Arbeitsplätze haben wir auch nicht und außerdem kostet uns das alles unser Geld.

Wir haben den Überblick verloren! Die einseitige Politik der letzten Jahre zu Gunsten der Vermögenden, hat dieses Land gespalten. Die Flüchtlinge haben dieses Dilemma nur offen gelegt.

17:43 06.06.2016
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Geschrieben von

Harald Müller

Harald Müller, Jahrgang 1949, Mitglied bei Reporter ohne Grenzen. Ich schreibe auf meiner Homepage Kommentare zu aktuellen politischen Ereignissen.
Harald Müller

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