Sport verwechselt Körper nicht

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An Leib und Seele gesund

Der Sommer ist da, die Begeeisterung kommt. Die körperbetonte Jahreszeit lässt den Sport sprießen, und abgesehen von eklantanten Selbsversuchen in brühender Hitze gibt es ja noch die Bildschirme, der direkte Weg zum sog. medialen Großereignis.

Nun sind die Wirren um den Menschenhandel Transfermakt im Fußball abgeschlossen, wo Körper hin und her gereicht werden wie einstweilen die Sticker von Panini, sind Sammlungen abgschlossen oder werden noch aufgefüllt, da rollt der Ball auch wieder daheim. Dazu gibt es Rautenrouten auf Taktiktafeln, Analysen per Auge und Video und überhaupt sehr viel Überraschung im Verlauf von 90 Minuten. Kontingenz auf dem grünen Rasen.

Zudem die Leichtathletik-WM mit neuen Weltrekorden, großen Gesten und Sprüchen, noch größeren Leibern und überhaupt Superlative. Wenn dann immer schneller, höher weiter gesprungen, gerannt, geworfen und gekämpft wird, da blüht das Herz auf, pumpt nochmal ein paar Stöße Adrenalin und Sauerstoff durch den Apparat und wir alle, wi Menschen, freuen uns unserer selber, unserer Leiber, unserer Möglichkeiten.

Dass der Sport den Körper in Maschinen verwandelt hat, ihm den letzten Hauch des Organischen entzieht und ihn auf "Hochtouren" laufen lässt, ist ein hinlänglich vertretener Standpunkt. Doping ist der Kaffee des Leistungssportlers. Die körperfremde Substanz assimiliert den Körper: Leistung, Effektivität, Funktionstüchtigkeit sind gefordert. Der Sport entkörpert den Körper, entmenschlicht den Menschen.

Von daher die große Verwunderung: Was feiern wir Menschen dort eigentlich. Menschen? Maschinen? Möglichkeiten? Wenn im Zusammenhang mit Wundersprintern aus dem Nichts von "Phantastischem" gesprochen wird, wo bleibt da die Sphäre des Natürlichen? Ist es die Medizintechnik, die am Ende siegt, oder ist es der Sportsgeist?

Überhaupt, wo steckt eigentlich dieser Sportsgeist? In einem Sportkörper? Arbeiten die überhaupt noch zusammen? Ist der Leistungssport, die Meisterschale, die Goldmedallie, die Trophäe des Puren Willens? Oder ist das nur eine abgeschmackte Vision des Abendlandes? Du musst nur an dich glauben.

Der Sportler, wie er im Fernsehen auftritt, ja vermittelt wird, ist er Andere, ist kein Ich und kein Du, er ist einfach nicht wie Wir. Er ist zu bestaunen, zu bewundern, aber ist er auch zu bemitleiden? Spürt er Schmerzen? Was tut ihm weh, wenn er verliert: Sein Körper odersein Stolz? Wie verdient er seinen Erfolg? Kann man sich noch mit ihm freuen?

Das Doping des Vereinssports Fußball ist Geld, das zwar keine Tore schießt, aber schießen lässt. Es ist wie Öl im Getriebe der Gesellschaftsmaschine: Es läuft wie geschmiert. Werkself, Mäzen-Elf, Scheich-Elf, Öl-Elf. Meine Elf, deine Elf? Das Doping des Hochleistngssports (im Gegensatz zum Profi-Sport, den Professionalität meint Managerqualität und damit Ökonomisierung) sind die kleinen, weißen Pillen und Pulver. Wenngleich die Sphären nicht so leicht zu trennen sind.

Vir diesem Hintergrund fragt sich doch: Was ist dann noch Erfolg im Sport? Was ist ein "verdienter" Sieg? Wer verdient hier was für und mit wem?

Euphorie und Begeisterung sind im Allgemeinen Fanqualitäten, ebenso Leidenschaft und Loyalität. Und vielleicht ist es ja wie mit der Kunst, die begeistert. "Das kann ich auch" zählt dann nicht mehr.

Du kannst es eben nicht.

15:28 18.08.2009
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Geschrieben von

holstebro

Sagen Sie, sind Sie nicht der.. nein? Sie sehen ganz anders aus, also im Fernsehen...
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