DJ Holzbank

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RE: Ein letzter Dienst | 13.11.2019 | 00:22

Entschuldigung, aber was ist denn das für eine gewundene Übung in politischer Arschkriecherei? Hatten sich die ostdeutschen Journalisten nicht 1989 so rührend geschworen, die "Schere im Kopf" ad acta zu legen, Herr Herden?

Stattdessen darf man nun solche Sätze lesen: "Es hat insofern etwas von Ehrenrettung, wenn sich Morales durch einen Staatsstreich aus dem Amt gedrängt fühlt. Da ihm Armee und Polizei als dem legalen Präsidenten die Gefolgschaft verweigert haben, scheint das ein durchaus zutreffendes Urteil sein."

Der einfühlsame Herr Herden diagnostiziert also beim bolivianischen Präsidenten, der gerade eine Wahl gewann, immerhin das Gefühl aus dem Amt gedrängt zu werden, nachdem die Polizei den rechten Mob, der Häuser seiner Regierungsmitglieder und Wahllokale angriff, gewähren lies und ihn anschließend die Armeeführung zum Rücktritt aufforderte, als er dem Wunsch der OAS nachkommend Neuwahlen ausrief.

Wer sich je fragte, was man eigentlich beim Journalismus-Studium lernt, hat hier ein Beispiel vor sich. Man lernt die Tatsachen so zuzubereiten und zu servieren, dass sie in empfindlichen Mägen nicht zu Verdauungsproblemen führen.

Das untrügliche Gefühl, aus dem Amt gedrängt zu werden, befiel merkwürdigerweise auch den bolivianischen Vizepräsidenten, den Präsidenten des bolivianischen Unterhauses und die Senatspräsidentin, die allesamt der Partei von Evo Morales MAS angehören und laut bolivianischer Verfassung im Falle seines Rücktritts seine Nachfolge hätten antreten sollen.

FrauJeanine Anez, der zweiten Vizepräsidentin des Senats, blieb dieses Gefühl erspart, was den Vorteil hat, dass die Neuwahlen, so sie denn irgendwann kommen, unter der Präsidentschaft einer Vertreterin der bolivianischen Oligarchie durchgeführt werden können.

Herr Herden, was meint ihr geschultes Einfühlungsvermögen wohl zu der Frage, ob die soeben aufgezählten, außer Landes gedrängten Politiker der MAS an den nächsten bolivianischen Wahlen teilnehmen können? Ich weiß, ich beliebe zu scherzen.

RE: Das wahre Erbe | 18.12.2013 | 03:16

@achimradelt

Die "voluntaristische Romantik im Stile der Trotzkis, Lenins" bestand gerade darin, zu registrieren, dass die provisorische Regierung der sich aufdrängenen, antifeudalen Forderung nach Enteignung des Großgrundbesitzes nicht nachkommen würde.

Weshalb die bürgerliche Phase des russischen Revolution auch derartig schnell der Vergangenheit angehörte.

Zuletzt wurde der konstituierenden Versammlung im Januar 1918 die Möglichkeit unterbreitet, die Realitäten - das "Dekret über das Land" - anzuerkennen. Umsonst.

Aber subsummieren Sie diese Ereignisse ruhig "antitotalitaristisch", solange Ihnen dieser Feldherrenhügel noch zur Vefügung steht.

RE: Das wahre Erbe | 17.12.2013 | 21:57

Wie kann man die Möglichkeiten alternativer politischer Entwicklungen im Post-Apartheid-Südafrika diskutieren und die Ermordung Chris Hanis im April 1993 unterschlagen? Das ist ein wenig so, als würde man bei einer Diskussion der Ergebnisse der Novemberrevolution die Ermordung Luxemburgs unter den Tisch fallen lassen.

Hani, Chef der SACP und Stabschef der schwarzen Guerilla, war der Sprecher desjenigen Flügels, der in der Apartheid nicht nur eine Verletzung der Menschenrechte sah, sondern vielmehr eine besonders widerwärtige Form der Organisation von Ausbeutung. Mit seinem Tod wurde dieser Flügel seines Kopfes beraubt. Die Forderungen nach einer Landreform beispielsweise sind dennoch bis heute nicht verstummt.

RE: Der Balken im eigenen Auge | 24.09.2011 | 19:15

"Fundamentalisten" unter sich?

Der Artikel bezieht sich auf dies und das, um Papst und Kirche Widersprüche nachzuweisen und sie offenbar auf diese Weise, so verstehe ich es jedenfalls, als Diskussionsteilnehmer zu delegitimieren.
Kein Wort zur aktuellen Rede, die sich doch offenbar um Legalität vs. Legitimität drehte. Ein bekanntes Problem (Problem!), wofür der Papst eine wenig überraschende Lösung aus dem Ärmel zog. Gott nämlich.
Gut.

Aber dann liest man zwischendurch auch solche Sätze:
"Es gibt keinen naturgesetzfreien Raum in der Welt."
Und ergänzt fast instinktiv: "Zero tolerance!"

Und liest den Artikel noch einmal, und findet die neue "feste Burg" in jeder Pore: Das Naturgesetz.
Schicksalhaft, wie Gott in vielen Interpretationen.

Woher kommt eigentlich diese Neigung, "klar Schiff" zu machen, die dominierende Position stets bis ins Absurde zu verlängern?
Ist dem Autor klar, daß er ontologisch argumentiert? Obwohl seine Gewährsmänner, Wissenschaftstheoretikern zufolge, eine (offene) Methodik nutzen, um prognostizierbare Aspekte der Natur zu erfassen?

Besonders schön ist der Schluß des Artikels.
Da spannt der Naturalist Urban den christlichen Fundamentalisten (so würde man heute sagen) Luther als Zeugen gegen den Papst ein. :)
Den Mann also, von dem verbürgt ist: "Die Vernunft ist die höchste Hur, die der Teufel hat."
Wohl bekomm's.