"Böses Donald" - (k)ein Grund zur Hysterie?

Wir sind Teufel. Diabolus, dessen Job es ist, die Welt aufzumischen, produziert derzeit das Hoellen-Spektakel: "Böses Donald". Eine Comedy mit hohen Einschaltquoten. Schön schrecklich.
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Die weltweite Trump-Hysterie der politischen Kaste, der Medien und Analysten, der Zivilgesellschaft und ihrer sozialen Netzwerke ist beschaemend laecherlich.

Alle fuerchten das Schlimmste. Der Ku-Klux-Klan beispielsweise, hofft verzweifelt, dass ihr Sympathisant Trump sich an seine rechten Wahlkampf-Versprechen erinnert. Sicher ist das nicht.
Derzeit ist nichts sicher.
Der weisse Rauch der US-Wahl vor drei Wochen signalisierte: habemus presidentus electus. Und jetzt sind wir Trump, der Teufel. Scheisse.

Als Sofortmassnahme hat Franciscus uebrigens siebzehn neue Kardinaele ernannt, darunter Bischof Joseph Tobin, der sich bereits mit dem Unterteufel Pence angelegt hatte!
Auf den Vatikan ist noch immer Verlass!

Die weltweite Angst vor seinem unberechenbaren (ja, so ist der Teufel) Nachfolger im Amt, hat Obama zu einer hektischen Welttournee getrieben. Die Highlighs: ein tete a tete im Berliner Separee mit Ms. Merkel, ein Selfie mit Malcolm Turnbull in Australien, eine kurze Besichtigung des Unterteufels in spe, V. Putin. Danach die noble Obama-Versicherung: alles bleibt wie es ist, dafuer werde ich sorgen, ihr lieben Rechtglaeubigen.

Obamas europaeischen Mitdemokraten waren und sind davon nicht ueberzeugt und ueben im Chor exorzistische Beschwoerungen: Die Nato ist unverzichtbar, die westliche Wertegemeinschaft ist jetzt besonders zuverlaessing, der europaeische Markt ist fuer die USA unverzichtbar, Populisten duerfen in Europa nicht an die Macht kommen usw.

Die Israelis dagegen sind vergleichsweise ungeruehrt. Der juedische Satan ist eher son Staatsanwalt Gottes, der anklagen darf, sonst nix.

Die Muslimen sind uebergluecklich, denn ihr Teufel sammelt mit goettlicher Genehmigung bis zum juengsten Gericht die Seelen "schlechter", unglaeubiger Menschen ein.

Die atheistisch-intellektuelle Hysteriker-Fraktion der Gutwilligen, Nachdenklichen, Gebildeten und ihre Interpreten etc. sind ziemlich aufgeschmissen. Trump hat noch kein Buch geschrieben!
Dennoch ist es fuer alle, die Denken koennen, sonnenklar: Trump ist ein frauenfeindlicher Rassist, hasst insbesondere Muslime, Mexikaner und den Welthandel, liebt Waffen, das Militaer und sich selbst. Das Chaos droht.

Jetzt mal zwei Schritte zuruecktreten.

Wer ist Mr. Trump?

Erstens ist er ein Immobilien-Spekulant. Im Laufe seiner Karriere ist er mehrfach auf die Fresse gefallen ist, mehrfach auch nicht. Seine Milliarden hat er also gewonnen, nicht erarbeitet.
Arbeiten scheint nicht "sein Ding" sein. Der Zeitplan fuer Uebergabe der Immobilie "Weisses Hauses" ist bereits Makulatur.

Zweitens ist er ein politischer Anfaenger, der nichts dazu lernen will, nicht zuhoeren kann, nicht mal dem CIA oder dem Aussenministerium. Innnen- wie aussenpolitisch hat er's aber mit ausgebufften Profis zu tun

Sein Team kann ihm auch nicht helfen. Bei der Auswahl war Ueberzeugung offensichtlich wichtiger, als politische Erfahrung: ein Haudegen fuer die Verteidigung, ein Investmentbanker fuer Finanzen, eine pensionierte College-Direktorin fuer Erziehung, ein Abtreibungsgegner fuer Gesundheit. Und als Berater hat er seine Familie engagiert.

Prognose: Trump wird permanent auf die Fresse fliegen..

Drittens ist er ein Narzist mit Tourette Syndrom:

Einerseits will er seinem jeweiligen Publikum gefallen.

Andererseits kann er Wutausbruechen und Beschimpfungen nicht unterdruecken.

Fuer die Rolle US-Praesident braucht er eine daempfenden Dauer-Medikation, um einigermassen kontrolliert zu erscheinen.

(Post-faktisch ist er uebrigens auch noch.)

Viertens versucht er, die Kriege der Vergangenheit nachtraeglich zu gewinnen. (Damit waere sogar der richtige Teufel ueberfordert.)

Den Effekt zeigte bereits seine Taiwan-Provokation, die China ungeruehrt "abtropfen" laesst.Wichtiger sind die unbeabsichtigten Nebenwirkungen. Die Verbuendeten der USA in Ostasien sind durch Trumps Alleingang alarmiert und zweifeln an dessen Verlaesslichkeit.

Ueber seine anderen aussenpolitischen Vorhaben: Iran (Abkommen kuendigen), Afghanistan (mehr Soldaten schicken), China (Taiwan anerkennen) werden die Polit-Profis nur duenn laecheln und die Verbuendeten die Haende ringen.

All in all: Donald Trump ist nicht normal und Praesident kann er auch nicht,

Er ist aber eine ideale Projektionsflaeche fuer Alarmisten und Dramatisten. So ein Trump-Teufel macht macht Auflage. Er ist ein Faszinosum fuer die Zuschauer an den Bildschirmen. Wunderbar. Die Journalisten aller Couleur trump-eten das Ende Welt herbei, sind permanent ausser Atem und kassieren.

Keine Panik. Die Rettung ist nah.

Am 20. Jaenner wird "das Donald" mit dem Teufels-Syndrom in die Hochsicherheitsklinik "Weisses Haus" verschoben. Im "West Wing" wird die fuersorgliche Rundum-Betreuung organisiert. (Neue Staffel ab Herbst 2017! Vormerken!) Umsorgt von ca.1000 Waertern, darf der Teufels-Patient 24/7 mit ganz vielen Telefonen und Computern spielen, mit MitarbeiterInnen quatschen, rumschnauzen und rumheulen, sowie mit seiner Frau und den Kindern spielen. Soviel er will. Live ins Fernseh darf er auch ab und zu. Fuer Termine ausser Haus gibt's Doppelgaenger. Darum muss er sich nicht kuemmern.

Die Republikanische Mehrheit im Kongress wird "das Donald" im "WH" schmoren lassen. Er hat schon zu viele "Debatten" gestoert.
Das US-Militaer kann ihn nicht raushauen. Mit Drohnen ist das nicht zu machen und die US-Army ist bekanntlich weltweit auf Demontage.

Werden diese Vorsichtsmassnahmen ausreichen? Er hat schliesslich viele Erwartungen geweckt, die er nicht erfuellen kann. Was wird in den USA passieren? Wer kann das schon wissen. Ist auch egal.

Und der Rest der Welt?

Europa wird sich ab Weihnachten national "neu erfinden" muessen (fuer geschenkt gibt's nichts) oder sich 2017 an seinen Widerspruechen kaputtreden. Amerika weit weg.

Russland und China nutzen schon jetzt ihre neue Beinfreiheit, in Syrien, im suedchinesischen Meer usw.

Zum Glueck ist die Globalisierung bereits passe. Wirtschaftlich muss die Welt sich ohnehin voellig neu, d.h. ohne die USA organisieren.

Buendnispolitisch wird uns demnaechst der Lieblingsfeind bzw. der Lieblingsfeind der vergangenen 100 Jahre abhanden kommen. Schlimm vorallem fuer alle.

Kurz, die Welt muss einen neuen Konsens finden. Es wird einige Zeit dauern, bis sich die neue Weltordnung zurecht ruckelt. Die BRICS-Staaten koennten sich evtl. als neue Machtzentren herausmendeln. Wer weiss.

Wo bleibt der Teufel?

Wir sind an einem beaengstigenden internationalen Veraenderungs-Prozess beteiligt und Trump ist der change-agent. Die gegenwaertige (Teufels-)Hysterie, die sich auf "boeses Donald" fokussiert, ist daher gut zu verstehen.

Was aber sagte Goethe ueber den Teufel: ....das ist die Kraft, die stets das Boese will und doch das Gute schafft.

00:07 05.12.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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