Buddhisten sterben leichter!

TodesAngst Tod ist so notwendig wie Sex, sonst gaeb's uns naemlich nicht. Vor dem ersten Mal ist's dennoch vielen unheimlich. Kommt daher die TodesAngst? Was meinen die Religionen?
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(Achtung, Ironie! Im folgenden Text gibt's Formulierungen, die Glaeubige verstoeren koennten.)

Muslime haben den modernen "Tod auf Knopfdruck" erfunden. Darueber und ueber muslimische Sitten und Gebraeuche im Allgemeinen wird hier gar nichts gesagt. Die moegen das nicht. Tschuess Leute und Salem Maleikum.

Bei Mitmenschen juedischen Glaubens kann man als Goi, insbesondere als Deutscher Goi, nur in den Fettpoetten rumtrampeln. Darum verlasse ich schnellstens den juedischen Sterbeacker.

In China stellt man die Bilder der gerade Gestorbenen vorn auf den Hausalter. Dafuer wird die hintere Reihe alter Bilder ins Vergessen gekippt. Gegen Todesangst verwendet der Chinese Akkupunktur. Nix fuer mich.

Bei den Indern wird gar nicht gestorben, sondern nur reinkarniert. Meist als eine eher simple Species, Wurm, Ameise oder so. Bis der Gestorbene wieder als Mensch auftaucht, dauert es ewig. Trotzdem herrscht in Indien ein ziemliches Gedraengel. Das ham die nun von ihren Reinkarnationen. Indien ist klar off-topic.

Todesangst gehoert offensichtlich nicht zum Weltkulturerbe, muss man nach diesem knappen Ueberblik festhalten.

Bekannt und gefuerchtet ist Todesangst vor allem im christlichen Kulturkreis.
Im ersten Jahrhundert waren sie noch unauffaellige Sektierer in der Levante, inzwischen haben sich Christen weltweit verbreitet und in viele Unter-Sekten aufgespalten. Allen gemeinsam ist nur noch das Logo, das an eine antiken Hinrichtungsmethode erinnert. Jeder christliche Tod ist darum, grob gesprochen, ein persoenlicher Karfreitag. Man kennt das. Regen. Aldi zu. Beethoven im Radio. Hoffnungslos.

Anschliessend geniessen die christlichen Toten eine gewisse Ruhe ("Ruhe sanft"), aber nicht bis in alle Ewigkeit. Eines schoenen Tages muessen alle raus aus dem gemuetlichen Eichensarg. Das Juengsten Gericht findet statt, das ueber Fegefeuer und Hoelle oder Himmel mit Engel entscheidet. Da wird kurzer Prozess gemacht. Einzelrichter, keine Beweisaufnahme, keine Verteidigung, keine Berufung. Resozialisierung ausgeschlossen. (Sowas gibts heute nur noch in Nordkorea.)

Verstaendlich, dass die Christen vor dem Tod und dem Hinterher eine Heidenangst haben und alles tun, um das Sterben hinauszuschieben. Bezahlte Messen und Ablasszahlungen waren in der Vergangenheit beliebt. Bei Pest und Hungersnoeten haben sie allerdings versagt. Darum wurde im letzten Jahrhundert die Intensivmedizin erfunden. Heute kann sich jeder Christ in ein kuenstliches Koma versetzt lassen und so den Tod beliebig lange vor sich herschieben. Dieses Modell ist inzwischen so erfolgreich, dass es auch von Ex-Christen, Agnostikern und Mitgliedern anderer Religionen genutzt wird.
Nicht von Buddhisten.

Die haben naemlich nur eine sehr moderate Todesangst. Das zeigen u.a. ihre folkloristisch gefaerbten Sterberitualen.

Tote Tibet-Buddhisten beispielsweise, werden tagelang beklingelt und umraeuchert, ehe man sie fuer tot erklaeren kann. Diesen Job machen hochspezialisierte Moenche. Die Hinterblieben sind dabei und wollen verstaendlicherweise was erleben fuer ihr Geld.

Bei den Chan-Buddhisten degegen setzen sich die Koenner zum Sterben aufs Meditationskissen und zack sind sie tot. Sollten die Angehoerigen dann mit Heulen und Zaehneklappern regieren, wird der Tote kurzfristig wieder lebendig und staucht die Trauergemeinde kurz zusammen. Danach ist der Chan-Buddhist wieder friedlich und tot.

Woher kommt die spielerich-buddhistische Gelassenheit gegenueber dem Tod?

Wichtig ist die Erziehung. Schon den jungen Buddhisten wird naemlich das Leben madig gemacht. Leben heisst Leiden und das kommt davon, dass man immer alles haben will. Haben, haben haben. Lass das, haemmert man schon Kindern ein. Klamotten und Kippen, den Super-Bananendrink und die knackigen Pommes sind unwichtig. Nach 12 Uhr mittags soll man ohnehin nichts mehr essen.

("Welcher Mensch steht denn schon Samstag vormittag auf, wenns nicht sein muss? Deswegen das ganze Wochenende hungern, also das kanns doch wohl nicht sein!" maulen heute die Buddhistischen Teenager.)

Die Buddhistischen Botschaft vergrault zwar den Nachwuchs, doch aeltere Buddhisten fuehlen sich damit prima. Leben, was ist das schon? Nichts als Sorgen und Leiden. (In Sanskrit: Dukka, dukka, dukka.) Die Welt koennte trotzdem schoen sein, koennte in einer moralischen Balance sein, meint der Buddhist, wenn moeglichst alle Menschen auf der Welt (zumindest die meisten) meditieren wuerden. Tun sie aber nicht, sondern kaufen diagonal-160cm Fernseher, glotzen Tatort und essen dazu Nuesse und Chips. Abends ab 21.15. Dukka, dukka, dukka.

Und dabei hat der Buddha jedem Menschen, selbst den Tatort-Junkies, ne Buddhanatur vermacht. Aber die wollen davon nichts wissen, sondern nur den Moerder rauskriegen. OK. Dann muessen sie eben im christlichen Koma jahrelang dahindaemmern. Bitteschoen.

Der Buddhist ist anders. An den Hunger am Nachmittag ist er von kleinauf gewoehnt. Der Tod schreckt nicht. Sich selbst abfackeln? Warum nicht? Damit tut man ja niemand was zu Leide.
Sich von der Staatsmacht drangsalieren lassen? Wenn denen sonst nichts anderes einfaellt? Solln se doch..
Buddhisten koennen das Leben nicht ganz ernst nehmen. Alles nur Illusion und Traum. Ausser der Buddhanatur, die ist jedoch fuer Aussenstehende schwer zu verstehen ist. Ich versuchs trotzdem mal.

Fuer Buddhisten ist die Welt, einschliesslich der Menschen, ein einziges Ganzes, die Buddhanatur. Nichts kann herausfallen, nichts kommt hinzu. Alles hat seinen Anteil an der Buddhanatur. Geburt und Tod sind darum nur die Umwandlung von einem Teil des Ganzen in einen anderen. Darum ist der Tod ein voellig normaler Uebergang, wie das gefrieren von Wasser oder das wachsen eines Kuerbis aus dem Kompost. Furchtet sich der Kompost, Kuerbis zu werden? Furchtet sich das Wasser, als Eiswuerfel im Whiskey zu landen?

Fuer Christen ist diese Einheit der Welt unvorstellbar. Erstens weil Gott tagelang die Einzelteile der Welt aus dem Chaos gefischt und zusammengesetzt hat. Und zweitens weil Gott den Mensch zum Boss der Schoepfung gemacht hat. Mit Tod und juengstem Gericht als Altersvorsorge.

Buddhisten brauchen brauchen keinen Gott, denn die Welt ist aus einem Guss. Da wandern mal ein paar Atome hierhin oder dorthin. Solln se doch.

Nicht schlecht, das Buddhistische Modell. Koennte man sich als Nicht-Buddhist nicht paar Scheiben vom leichten Tod der Buddhisten abschneiden?

Naja. Wenn man Gott und das juengste Gericht nicht braucht, wenn einem Tod, Sterben und kuenstliche Koma egal sind, wenn man die Seele aufgeben kann und stattdessen die Ganzheit der Welt akzeptiert, wenn man auf den christlichen Masochismus verzichtet, auf ein langes Leben und alle Egel einschliesslich Himmel, koennte es klappen. (Sicher habe ich was wichtiges vergessen.) Achja, ein bisschen Meditieren kann auf keinen Fall schaden, wenn man ein leichteres Sterben anstrebt.

Eine story zum Schluss . (Vegetarier, Veganer, Ohren zuhalten!)

Der Buddha ist an verdorbenem Schweinefleisch gestorben, heisst es in der Mahavagga. Er wusste vorher was ihm blueht und hat's seinen Leuten auch gesagt.
Die haben den Buddha sofort bestuermt, mit dem Schweinsbraten noch ein paar Tage zu warten. Die Truppe war naemlich gerade auf einer Wanderung und gar nicht weit von einer groesseren Stadt entfernt. Dort haette er sehr viel mehr Zuschauer beim Sterben, haben seine Anhaenger gemeint. Als er das hoerte, hat der Buddha sofort ins Kottelett gebissen und ist tot umgefallen.

Offensichtlich wollte er seinen Leuten den Karfreitag ersparen.

07:12 26.04.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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