Die Verwirrspiele der USA in Arabien.

Krieg am Golf? Wieder mal versucht Mohammed bin-Salman Westasien aufzumischen. Durch eine Blockade Qatars, stellvertretend für den Erzfeind Iran. Wie im Yemen. Und was machen die USA?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Prinz Mohammed bin-Salam al-Saud, Stellvertreter des Kronprinzen und Verteidigungsminister sowie der 20 Jahre aelter Adel bin Ahmed al-Jubeir, Karrierediplomat und Aussenminster regieren derzeit das Koenigreich Saudi Arabien (KSA). Beide sind korrupte "Bullies" und kennen das "Geschaeft" seit Jahren. Sie sind mit Ihrem Stellvertreter-Krieg im Jemen gescheitert. Statt ihr Kriegsziel, die Schaedigung Irans zu erreichen, haben sie lediglich eine Cholera-Epidemie ausgeloest, die derzeit ca. 10.000 Menschen erfasst hat. Schlecht gelaufen.

Um von diesem Debakel abzulenken, versuchen die "Bullies" derzeit, Qatar wirtschaftlich zu ruinieren. Das klappt aber nicht, weil die Tuerkei und der Iran dem Emir aus der Patsche helfen. Die einen mit Soldaten, die anderen mit Nachschub fuers Kuehlregal.

Und die Russen auf ihren Kriegschiffe im Golf nicken freundlich.

Die Saudis wollen, dass al Jazeera abgeschaltet wird, weil der Sender unliebsame Nachrichten verbreitet und in der Bevoelkerung am Golf zu populaer ist. Ausserdem sollen die Qataris die Foerderung von Muslim Brotherhood und Hamas einstellen. Der Emir stellt sich taub.

Die Spannung steigt. Herr Gabriel, Deutschland, fuerchtet einen neuen Golf-Krieg. Frau Merkel warnt und mahnt.
Kuwait vermittelt.
Die Russen sagen: vertragt euch.

Kriegsgefahr? Wer gegen wen? Golfkriege haben bisher nur die USA angefangen.
Wollen die Sauds nur Qatar besiegen oder eigentlich gleich gegen Iran losschlagen?

Frueher waere in einer aehnlichen Situation der US-Aussenminister angereist und haette per Shuttle-Diplomatie allen Beteiligten mit der pax americana gedroht.

Diesmal ist's anders. Trump unterstuetzt die Saudis und Tillerson die Qataris. Zum ersten Mal in der ca. 50jaehrigen Dauerkrise in Westasien, wissen die dicken Onkels aus Amiland nicht, wo's lang geht.

Das beunruhigt vor allem Gen. Mattis, denn in Qatar hat er seine groesste US-Luftwaffenbasis in der Region mit 10.000 GI's!

Drei moegliche Szenarien wie's weitergehen koennte.

1. Szenario: Trump will einen Krieg gegen Iran und schickt zunaechst die Saudis nach vorn, an die Front. Wie bin-Salman und al-Jubeir, wuerde auch Trump gern von Problemen abzulenken. Das verbindet.

Sobald Iran Qatar auch militaerisch unterstuetzt, koennten KSA und USA losschlagen. Unterstuetzung des weltweiten Terrors kappen, ist ein prima Kriegsgrund.

Leider wissen die Pentagon-Generale seit Jahren, dass sie (trotz aller Draengelei Israels) einen konventionellen Krieg gegen den Iran nicht gewinnen koennen. Das wurde x-mal durchgespielt. Lediglich Luftkrieg, Drohnen und special forces wie in Syrien, damit koennen die USA den Iran nicht beeindrucken.

Hoffen wir also, dass Trump nicht dumm genug ist, um ein solches Iran-Abenteuer zu riskieren. Darum scheidet die Kriegs-Interpretation m.E. aus, trotz aller Kriegsgesaenge der Prinzen-Mischpoke..

2. Szenario: Viel Laerm um Krach. Arabische Basaris streiten sich mal wieder um den Bart des Propheten. Die hoehren auch wieder auf.

Diese Interpretation hat einen gewissen Charm u.a. weil's ohne Tote abgehen koennte. Ein bisschen Vermittlung waere natuerlich erforderlich. Darum reissen sich derzeit die Diplomaten in Europa.

Doch viele Potentaten am Golf finanzieren irgendwelche Milizen, Freiheitskaempfer, Terroristen, etc. Das sind sture Leute, die sich schnell einmischen koennten und dann waere Buerger-Krieg am Golf.

3. Szenario. Die USA/CIA lassen die Saudis gewaehren, um die gesamte arabische Halbinsel zu destabilisieren. Modell Lybien. Das Oel fliesst weiter (zu steigenden Preisen) und die diskreten Waffenverkaeufer haben Konjunktur.

Die langsame Ausweitungen der gegenwaertigen Spannungen ist nicht unwahrscheinlich, denn an solche Kriege hat sich die Welt inzwischen gewoehnt. Doch die Aristokraten am Golf sind an einem (Buerger-) Krieg vermutlich wenig interessiert.

Viele dieser Kollegen haben Untertanen, die anderen Sorten des Islam anhaengen. Darum gibts immer mal wieder Proteste, Aufstaende. Das populaere Al-Jazeere Programm abzuklemmen wuerde die Bevoelkerung am Golf zusaetzlich verbittern.

Da die Potentaten am Golf knapp bei Kasse sind, koennen sie sich Blackwater&Co und aehnlich US-Friedensstifter nicht leisten. Fuer den qatarische Fussball-Emir mit dem dicken Konto waere ein Krieg zudem geschaeftsschaedigend. Anderen Scheichs geht's aehnlich. Die wichigsten Bosse in Weiss und Gold, so kann man annehmen, setzen daher auf Verhandlungen.


Fazit: Vermutlich haben sich bin-Salman und al-Jubir mal wieder verzockt. Hoffen wir, dass die Bullies das bald einsehen. Dann endet die Krise mit wortreichen Deklarationen. Sonst nur noch Spesen.

Ansonsten: Die Krise macht sichtbar, dass das weltweite Aus-Agieren der innenpolitischen Spannungen in den USA verstoerende weltpolitische Effekte hat, vermutlich nicht nur am Golf.

05:12 12.06.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

Kommentare 6