Entwicklungshife dringend gebraucht

Indien - entzaubert. Der Corona-Virus hat Indien als Entwicklungsland entlarvt, das sich als high-tech Power mit Super-Computern, Atomraketen und Weltraum-Technik verkleidet hatte.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Indien braucht dringend Entwicklungshilfe aus aller Welt, um seine Bevoelkerung von eineinhalb Milliarden Menschen vor dem Virus retten zu koennen.

Normalerweise reichen die Kapazitaet des indischen Gesundheitssystem - mit Beziehungen und Korruption geschmiert - fuer die zahlungsfaehige Kundschaft. Waehrend der ersten Covid-Welle gab's zusaetzliche Betten in Hilfskrankenhaeuser. Die politische Klasse hat sich hinterher auf die Schultern geklopft.

Jetzt, in der zweiten Virus Welle, ist die Zahl der Infizierten, Erkrankten und Toten, exponentiell gestiegen. Alle drei Tage gibt's weitere 1 Mio Infizierte und weitere 10.000 Tote. Die Hilfskrankenhaeuser sind laengst abgebaut. Personal, Betten, Sauerstoff, Ventilatoren, Impfstoffe, Schutzbekleidung etc. fehlen. Viel zu wenig Hilfe kommt per Spenden-Fracht aus aller Welt.

Es voellig absurd, dass Impfstoffe, die in Indien hergestellt werden, fehlen, obwohl Modi einen Exportstop angeordnet hatte. Die indische Pharma-Industrie behauptet, die Inder haetten zu spaet geordert. In Wahrheit zocken die indischen Bosse, wie ihre Kollegen in Europa und den USA, um die besten Preise.

Es wird von Tag zu Tag schlimmer. Inzwischen gibt es sogar zu wenig Plaetze, um die einigermassen wohlhabenden Toten auf dem traditionellen Scheiterhaufen zu verbrennen. (Wir erinnern uns: Ganz frueher wurde erwartet, dass die Ehefrau des Verblichenen in die Flammen springt.)


Kleiner Einschub:
Zahlen ueber Infizierte und Toten in der armen Bevoelkerung gibt es kaum. Die Bewohner der Slums, versuchen wie immer, sich ins medizinische System der Mittelschicht einzuschmuggeln.
Als medizinische Versorgung auf dem Land gibt's allenfalls Krankenschwestern.

Die Mehrheit der armen Inder muss weiterarbeiten, als Dienstboten, Wachpersonal, Muellsortierer, als Hilfskraefte im Handel, als Kulis (Tageloehner) in der Landwirtschaft. Viele sind bei Kredit-Haien verschuldet und leben von der Hand in den Mund.
Der Virus ist nur eine zusaetzliche Belastung.
Ende des Einschubs.

Haette die gesundheitliche Versorgung der Mittelschicht, wie in der ersten Welle, einigermassen geklappt, haette Indien seine fake-Fassade als high-tech Industrieland halten koennen. Jetzt ist der Lack ab und selbst die Priviligierten kritisieren Modis chaotisches Krisenmanagement. Modi weiss nicht weiter.

Die Regierung hat ohnehin genug Probleme. Modi wird seit vielen Monaten heftig kritisiert, weil er Indien neo-konservativ "modernisieren" will.

Es gab gewaltaetige Proteste in den Millionenstaedten und Grundbesitzer haben mit Landmaschinen die Innenstadt von Delhi blockiert.

Auf Druck der USA soll Indiens dezentralisierter Gross- und Einzelhandel, die finanzielle Basis der Mittelschicht, fuer internationalen Handelsketten geoeffnet werden.

Bisher waren Indiens Haendler gegen die internationale Konkurrenz abgeschirmt. Walmart, Aldi und Lidle etc. konnten in Indien (bisher) keine Filialen eroeffnen. Man konnte einen Apple im Internet bestellen. Abholen und bezahlen muss man bei einem indischen Haendler.

Verstaendlich, dass die Gross- und Einzelhaendler Modis "Modernisierung" mit allen Mitteln bekaempfen.

Ein weiterer Aspekt, der Modis Autoritaet untergraebt, ist der gegenwaertige Verlust des internationalen Ansehens und der politischen Glaubwuerdigkeit. Das ist fuer die extrem national-bewussten Inder besonders beschaemend. Im Vergleich mit China erscheint Indien jetzt als chaotischer failed state. Der Versuch der USA, Indien und dessen Quad Verbuendeten als "Bollwerk" gegen China aufzubauen ist klaeglich gescheitert.

Jetzt hat Modis kaum noch politische Optionen. Nachdem er die Test-Wahl in West Bengal verloren hat und weiteren Wahlen im Herbst bevorstehen, stehen er und die Hindu-Nationalisten mit dem Ruecken zur Wand. Was wird er tun?

Er koennte natuerlich stoisch versuchen, die Pandemie auszusitzen. Sehr riskant. Diverse indische Regierungschefs wurden aus dem Amt geschossen. Selbst Ghandi ist bei einem Attentat gestorben.

Denkbar waere, dass er einen Krieg anzettelt, um von der Innenpolitik abzulenken. Eine international beliebte Methode. Nur, welches Land koennten Indien angreifen?

Eine anderer Weg waere, das Kriegsrecht (state of emergency) auszuloesen. Das ist in der indischen Verfassung explizit vorgesehen, damit die Regierung auf einen inneren oder aeusseren Notstand effektiv reagieren kann. Einen hochrangigen Richter, der das Kriegsrecht juristisch absegnet, wird Modi bestimmt finden. Dieser Schritt ist fuer ihn sehr verfuehrerisch.

Indira Ghandi, die 1975-77 mit Kriegsrecht regierte, wird in der indischen Bevoelkerung noch immer verehrt. Damals wurde die Korruption bekaempft, das Leben der einfachen Menschen wurde besser und die Zuege waren puenktlich.
Dieses Narrativ koennte Modi nutzen und hoffen, mit einem innenpolitischen Befreiungs-Schlag, seine Kritiker ruhig zu stellen.

Indira hatte damals fast alle Oppositionspolitiker sofort verhaften lassen.....

PS.

Indian bashing a la Australia. Alle eingebuergerten Inder, die gegenwaertig in Indien sind, duerfen nicht nach Hause kommen. Wer's trotzdem versucht, wird mit Gefaengnis oder einer Geldbusse von 62.000 AU$ bestraft .... verfuegte vorgestern der australische PM.

02:02 04.05.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

Kommentare 2