Ist Trump der amerikanische Jelzin?

Trump-Versteher. Derzeit wird jede neue Trump-Eskapade in den Medien auf zukünftige Bedeutungen abgeklopft. Die politische Vorgeschichte des "Faszinosums" T. wird hingegen kaum beachtet.
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Will man Trump zu verstehen, muss man das politische Vermaechtnis seiner beiden Vorgaenger einbeziehen. Das hat ihn schliesslich ins Amt gebrachte.

Kurze Rueckblende.

Bush jr. hatte mit seinen eigenmaechtigen Interventionen in Mittel- und Westasien die demokratische Glaubwuerdigkeit der USA und ihrer Verbuendeten international beschaedigt. Globalisierung und Finanzkrise haben dann das Vertrauen der Mittelschicht in den amerikanischen Traum dann endgueltig zerstoert.

Obama wurde zum weltweit bewunderten Hoffnungstraeger, der das Vertrauen der Buerger wieder herstellen sollte. Yes, we can!
Er konnte es nicht, sondern scheiterte an den Reaktionaeren im Kongress und in der Bevoelkerung. Die Zivilgesellschaft war in der Minderheit. Viele konservative US-Buerger wollten die Rueckkehr zu den Traumbildern der Vergangenheit. Am Ende war die Frustration vieler Amerikaner groesser als zu Beginn von Obamas Amtszeit.

Trump wurde populaer, weil er allen alles versprach, vor allem die Entmachtung des Establishments. Ausgebuffte Geschaeftsleute und nicht die Politikerkaste wuerden Amerika wieder gross machen. Genau dieses Konzept setzt Trump derzeit um.

Deja-vue.

Das knappe Resumee von 16 Jahren US-Politik, erinnert an die letzten beiden Jahrzehnte der UdSSR. Die Parallelen sind auffaellig.
In der spaeten Breschniew-Aera war das Land autoritaer erstarrt und die Bevoelkerung, vor allem wegen des jahrelangen Krieges in Mittelasien unzufrieden.

Gorbatschow, ein Hoffnungs- und Nobelpreistraeger wie Obama, wollte das Land reformieren und modernisieren. Doch nur die Intellektuellen begeisterten sich fuer Glasnost und Peristroika. Die Mehrheit wollte Frieden und mehr Konsum. Gorbatschows Veraenderungen scheiterten letzlich am Widerstand der Reaktionaeren im Politbuero und im ZK.

Jelzin wurde populaer, weil er vielen viel versprach und vor allem mit dem grossen Geld kooperierte. Dieses Konzept hat er entschlossen umgesetzt, um die UdSSR aufzuloesen.

Konsequenzen.

Zweifellos ist der Vergleich UdSSR - USA sehr grob, vielleicht sogar falsch, vor allem weil die politische Macht in der SU anders legitimiert war als in den USA.
Legitimitaet spielt jedoch eine untergeordnete Rolle, wenn es um aussen- und innenpolitische Macht-Verschiebungen geht.
Signalisiert also Trump das nahe Ende der Weltmacht USA?
Ist Trump der amerikanische Jelzin?

Diese und aehnliche Fragen sind (natuerlich) mit einem entschiedenen Jain zu beantworten.

Einige Einschaetzungen sind dennoch moeglich.

Jelzin hatte die UdSSR innenpolitisch aufgeloest und die weltpolitischen Einflusszonen aufgegeben. Trump hat anderes vor. Das Ergebnis koennte jedoch aehnlich sein.

Die US-Innenpolitik hat sich nach dem erbitterten Wahlkampf noch nicht konsolidiert. Beinah taeglich werden neue Anti-Trump-Strategien diskutiert und geistern durch die sozialen Medien. Wie oft in solchen widerspruechlichen Prozessen, wird im Ergebnis alles beim Alten bleiben. Die USA waren immer schon diffuses Land mit vielen politischen Schattierungen, die bisher alle ihren Platz finden konnten. Warum soll das jetzt anders sein?

In der Aussenpolitik dagegen wird sich viel aendern. Augenscheinlich beschleunigt sich die Erosion der Weltmacht USA in Asien und Europa.

Seit gut zwei Jahren ist die US-Politik in Westasien unentscheiden und widerspruechlich.

Im Ergebnis dominiert inzwischen Russland die Region.
Die Tuerkei, seit Jahrzehnten ein strategischer Eckpfeiler der USA, ist zum Partner Russlands geworden.

Eine Loesung fuer Syrien beispielsweise, soll demnaechst zwischen Russland, Tuerkei und Iran in Astana (Kasachstan) verhandelt werden.

Die Suedflanke der Nato ist durch die deutsche Sparpolitik geschwaecht. Die USA konnten das nicht verhindern.
In Mitteleuropa nimmt der Einfluss autoritaerer Regime zu, die massiv aber konsequenzenlos die Unterstuetzung der USA fordern.

Obama meint noch, er koenne auf die "Hackerangriffe Putins" mit einer Politik der Staerke reagieren. Doch selbst der Amerika Korrespondent der SZ , Johannes Kuhn verweist auf die zunehmenden Zweifel in den USA an der eigenen Staerke.

Die Schwaeche der USA ist auch eine Folge der zu aufwendigen Modernisierung der Streitkraefte. Ein Beispiel ist der F-35 Bomber, dessen Entwicklung Trump bereits gestoppt hat.

Einige weitere Beispiele.

1. Flugzeugtraeger, nutzlose, teure Waffensysteme des Kalten Krieges, sind nur noch repraesentative Spielzeuge fuer Admirale.

1a. Russland hat mit der Reise der klapperigen "Admiral Kusnezov" vor den Kuesten der Nato ironisch demonstriert, dass ihm diese "Waffe" egal ist.

2. Die strategischen B-52 Bomber sind permanent modernisierte Maschinen aus den 60er Jahren.

2a. Russland hat ueber der Ostsee mit Fluegen seiner propellergetrieben strategischen Bomber ("Baer") aus den 70er Jahren, drastisch demonstriert, dass es auf diese Systeme keinen Wert legt.

3. Die nuklearen Verbaende der USA verwenden hardware und Software aus den 80er Jahren und duerften laengst gehackt und kaum noch einsatzfaehig sein.

4. Selbst die Drohnen Flotte ist aeusserst verwundbar. Diese Systeme stuerzen in grosser Zahl ab oder werden von der chinesischen Marine aus dem Wasser gefischt. Selbst ein Deutscher, der Herr Stroebele, Mitglied des Geheimdienstausschusses des Bundestages, kann den US-Drohnen-Port Ramstein bei mit einer Stafanzeige bedrohen!

5. Der Rueckstand der USA ist am deutlichsten in der Weltraumtechnologie. Als Ersatz der Shuttleflotte sollte eine private Firma bis 2014 ein Nachfolgesystem einsatzfaehig uebergeben. Dieser Shuttle ist bis heute nicht einsatzbereit, sodass die USA von russischen Systemen abhaengig sind, um die ISS zu versorgen.

Einzig auf den Finanzmaerkten ist die Dominanz der USA noch immer umgebrochen. Das ist jedoch einen Position ohne Zukunft.


Fazit.

Selbst wenn es Trump gelingen sollte, einen innenpolitischen Konsens herzustellen, die weltpolitische Dominanz der USA ist kaum mehr zurueckzugewinnen. Und militaerisch sind die USA nach 25 Jahren Krieg in Asien ausgebrannt.
Der in den USA ohnehin starke Isolationismus koennte das Land als kleinster gemeinsamer Nenner einigen.

Das Ende der Weltmacht USA waere damit besiegelt.
Europa schlaeft derweilen. Nur Frau Merkel ist alarmiert und schickt ihren treuen Knappen Heusgen nach New York.



08:54 18.12.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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