Mona, Tasmanien und die Kreuzfahrerinnen

Sex, Tod in Hobart. Das Museum der alten und neuen Kunst in Hobart, Tasmanien, die kaprizioese Sammlung eines erfolgreichen Spielers am Ende der Welt, umkreist Sex und Tod. Reicht das, ...
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http://mona-vt.artpro.net.au/data/media/2008_116_20110117133553_lg.jpg…. fragten sich Museums- und Tourismus-Experten bei der Eroeffnung 2011, um dauerhaft Besucherinnen ins Mona zu locken?

Scheinbarer Abschweifung zu den Kreuzfahrerinnen.

Immer mehr Schiffe und Passagiere sind auf Kreuzfahrt. Und Australien ist ein “Muss” geworden, wenn's auf der Nordhalbkugel friert.

Jeden Morgen schweben die fuenfstoeckingen Wohnblocks in den Hafen von Sydney. Oft muss einer draussen auf Rede bleiben, und die Passagiere werden, wie damals vor Helgoland, mit Schaluppen an Land gebracht. Dann Tagesprogramm in Sydney: Opernhaus, Harbourbridge, Lammbraten, Stoffkangaroohs.

Und weiter, weiter nach Sueden, Pinguine, Seeelephanten, Wale, die Antarktis. Der letzte eisfreie Hafen auf dieser KreuzTour ist Hobart. Und Hobart ist Mona. Da sind wir wieder.

Es trifft sich gut, dass auch die groessten Poette direkt im Hafen ankern koennen. Immer nur einer, aber immerhin, nicht auf Reede.

Morgens auf der Mona-Faehre redet der Kaept'n ueber Lautsprecher und schaetzt, die “Southern Sea”, an der wir gerade vorbei tuckern, sei etwa vier Mal so gross wie die Titanic. Ich gucke mich um.

Keine Reaktion der Kreuzfahrerinnen von der "Southern Sea", die in ihren Tisch-Gruppen aus dem Speisesaal froehlich plappernd zusammensitzen.

Es kommen sogar Schiffe, die sind 10mal so gross wie die Titanic, legt der Kapitaen nach. Nichts.

Nach der zweiten Bruecke tuckert die Faehre nicht mehr, sodern rauscht katamaranisch flott ans MuseumsUfer.

Dort ist alles wie bei Wikipedia vorhergesagt: die steile Steintreppe, oben Empfang und Kanalisierung der Besucherinnen. Rucksack abgeben, das “O” entgegennehmen, den Plan, die kurze Erklaerung, das headset und dann zum runden Fahrstuhl und flott runter ins dritte Untergeschoss.

Zweite Abschweifung: das “O”.

Vor zwei Jahren wars noch ne Attraktion. Jetzt? Schon nach dem dritten Blick auf den screeen gibts keine Fragen mehr. Das GPS updaten und schon zeigt das “O” Titel und Kuenstler des Objekts, vor dem ich gerade stehe. Und wenn ich will kann ich mir auch noch ne Erlaeuterung zeigen lassen. Alles klar? Natuerlich.

Und so wandern die Kreuzfahrerinnen und alle anderen mit starrem Blick auf ihre kleinen screens durch die halbdunklen Raeume.

Mona, ein Gesamtkunstwerk, wie's die schlauen Kunst-Expertinnen bei der Eroeffnung 2011 gleich bemerkt haben, reproduziert auf einem Mini-screen mit Datenbank. Und wo gucken die Besucherinnen hin? Natuerlich auf das “O”, wo jedes Objekt mit Sex und Tod erklaert wird. Prima. Die Realitaet ist auch zu verwirrend.

Wuerde man hochgucken, waere von Sex nicht viel zu sehen, ausser den kleinen erigierten Pimmeln und Kunst-pornos, auf denen man fast nix erkennen kann. Macht nichts. Sex findet ohnehin im Kopf statt.

Und so wandern die Kreuzfahrerinnen und andere Besucherinnen, darunter auch quengelnde Kinder, durch die endlosen Katakomben von Mona. Irgendwann ist das Interesse an den Bildschirmen erlahmt. Sie baumeln nur noch vor den Baeuchen beim mueden Herumschreiten. Bis der Aufzug erreicht wird und die Cafeteria. Pause in der der Tischgruppe.

Und wieder zurueck zur Kunst. Den Todesraum besichtigen, immer nur zu zweit. Einen Galgen mit echter Schlinge gibts, dazu schwarzes Wasser, morgens und abends, Trittsteine. Nach drei Minuten macht man die Zelle frei fuer die wartenden Kandidaten. Und auf zur cloaca, der Verdauungsapparatur. Es ist gerade zwei. Prima, jetzt muesste das Wuerstchen fallen. Tatsaechlich.

Nach drei Stunden: das war's dann. Erschoepft schlurfen die Kreuzfahrerinnen und die anderen wieder an Bord der Faehre nach Hobart.

Diesmal erklaert der Kaept'n gar nichts.

Nur in den Tisch-Gruppen ueberzeugt man sich gegenseitig, dass das doch eine wunderbare Tagestour war. Mal was ganz anderes.

Und so passt alles wieder prima zusammen. Die Kreuzfahrerinnen, Mona, das Museum am Ende der Welt, der Sex und der Tod.

Und was is mit der Kunst? Besuchen Sie M(o)na. Es l(o)hnt allein sch(o)n wegen der agyptischen Sark(o)phage.

Beinah haette ich's vergessen, es gibt noch eine weitere MonaReproduktion: Alle Objekte die man auf dem screen gesehen hat, werden gesammelt und jeder Besucherin per e-mail in windeseile nachgeschickt

07:00 20.03.2013
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Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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