Sanktionen sind moralische richtig aber teuer - Die Revanche der Betroffenen ist billiger

Perspektivenwechsel. Die USA und Europa "bezahlen" die Sanktionen gegen Russland und China derzeit mit Null-Wachstum, 7-8% Inflation und drohender Rezession. Haben Russland und China die Krise im Westen verschärft, um sich für die Sanktionen zu revanchieren?

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Russland und China reagieren normalerweise nicht auf Sanktionen des Westens. Das hat sich geaendert .

Gegenwaertigen revanchieren sich dieser beiden Grossmaechte fuer die vielen Sanktionen des Westen. Es ist keine blind-wuetiges Zurueckschlagen, sondern eine Revanche, die kuehl kalkuliert ist. Das zeigt sich insbesondere im Krieg gegen die Ukraine, der die oekonomische Krise des Westens ausgeloest hat.

Fuer Russland war der Einmarsch in die Ukraine militaerisch risikolos.

Die Nato hatte ihre Land-Streitkraefte zu einer "Einsatzarmee" umgeruestet, die "aus dem Stand heraus" weltweit Kriege fuehren kann. Dafuer sind nur leicht bewaffnete, motorisierte Infantrie-Einheiten erforderlich. Panzerdivisionen oder Artillerie-Regimenter, die in der Ukraine haetten militaerisch eingreifen koennen, hat die Nato seit ca. 2015 nicht mehr. Die russische Armee konnte daher in der Ukraine herumfahren und musste sich nicht beeilen.

Fuer die USA und die EU dagegen war es moralisch unumgaenglich, den Widerstand der Ukraine sofort materiell (Waffenlieferungen), politisch (neue Sanktionen) und finanziell zu unterstuetzen. Genuetzt hat das bisher wenig.

Dennoch muessen die westlichen Regierungen, unter dem moralischen Druck der Medien und trotz steigender Inflation und bevorstehender Wirtschaftskrise, immer groessere Summen bereitstellen, u.a. um den finanziellen Bankrott der Ukraine zu verhindern.

Russland beobachtet das aufgeregte "Hin und her" der westlichen Polit-MoralistInnen sicher mit Genugtuung.

Auch China hat einen Weg gefunden, um sich fuer die jahrelange Sanktionspolitik der USA - etwas unauffaelliger als Russland - zu "revanchieren".

Bekanntlich war die Ursache fast aller oekonomischen Probleme im Westen waehrend der Covid-Epidemie, die Unterbrechung der "Lieferketten", d.h. die Stoerung der globalisierten Weltwirtschaft. Materielle Ursache war das Fehlen von Containern, die in den blockierten chinesischen Haefen auf Schiffen und an Land herumstanden.

Diese Probleme werde sich 2022 normalisiert, verkuendeten die westlichen Banken Ende letzten Jahres.

Durch den erneuten lockdown in Shanghai stauen sich aber weiterhin die Container-Schiffe in diesem groessten chinesischen Hafen und es bleibt alles beim Alten.

Sicher, auch China haette die westliche Corona-Strategie "mit dem Virus leben", uebernehmen koennen. Die chinesische Gesundheitspolitik, blieb aber stoerrisch bei ihrem Ziel der Ausrottung des Virus.

Diese kalkulierte "Revanche" Chinas trifft realpolitisch vor allem US-Konzernen, deren Bosse jahrelang Sanktionen gegen China begruesst hatten.

Fazit

Die Differenzen zwischen den Grossmaechten sind offensichtlich eskaliert. Frau Merkel war noch in der Lage, diese Konflikte realpolitisch zu "bearbeiten", indem sie Russland und China in langfristige Kooperationsprojekte mit Europa einbinden konnte. Diese Politik wurde von den USA permanent attackiert, weil Merkel die Konflikte zwischen den Grossmaechten entspannen wollte.

Merkels NachfolgerInnen betreiben statt Realpolitik, mit dem Beifall der Medien, moralische Politik. Diese Moral hat einen hohen Preis.

Russland und China haben durch ihre kuehl kalkulierte "Revanche-Politik" das uebliche Kraeftemessen der Grossmaechte verschaerft.

Vorallem fuer die Verbundete der USA in Europa sind die wachsenden oekonomischen Probleme der US-Oligarchie hochgefaehrlich. Die USA haben naemlich versprochen, wie weiland im Kalten Krieg, die Nato-Staaten bereits am ersten Tag eines "heissen" Krieges, mit nuklearen Waffen zu "verteidigen".

Gegenwaertig muss man hoffen, dass der innenpolitische Zerfallsprozess der USA auch die militaerischen Entscheidungsprozesse bald laehmen wird.

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Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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