Aussie42
20.04.2017 | 22:13 21

Sorry, der Weltkrieg wurde gerade abgesagt.

US-Generale üben Frieden. Flottenkonzentration, kriegslüsterne Sprüche, ne dicke Berta auf Afghanistan, Tomahawks am Guertel. China bei Fuss. Krieg! Krieg! April! April! Die Welt bangt umsonst.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Aussie42

Keine Sorge liebe Weltgemeinschaft. Trump sitzt auf dem Trockenen und pfeift La Paloma! In Syrien hat er noch knapp die Kurve gekriegt, weil er eine zuvor geraeumte Luftwaffen Basis bombadieren durfte..
Empoerung, Empoerung mehr nicht. Der Schaden konvergierte gegen Null. Doch Trump hat jetzt das Image des Draufhauers. Grossartig!

Weiterspielen auf Level zwei!

Xi hat Trump beim Weltbesten-SchokoKuchen-Vertilgen heftig gelobt und ganz diplomatisch ins Seegebiet vor Nordkorea eingeladen. Der Gastgeber hat das mit vollem Mund als Unterstuetzung interpretiert und einen Flottenaufmarsch befohlen. Xi laechelte chinesich. Altgediente US-Generale rochen den Braten und verabredeten sich zum BBQ.

Wie weiland die Armada schippert die US-Navy an die Koreanische Kueste, sagt Trump's Pressesprecher am naechsten Tag.

Nordkorea wird demnaechst einen thermonuklearen Krieg anfangen sagt der Aussenminister NK's. Aufregung und Sorgen around the world.

"Die Armada ist unterwegs?" fragt Trump. " Jawoll, ist unterwegs", sagt, der Pazifik-Admiral, "Ostern ist die USS Carl Vinson strike-group vor Ort! Aye, Aye Sir!" Gleich darauf schickt der gleiche Pazifik-Admiral die USS Carl Vinson plus Anhang Volldampf voraus vor Ort nach Nord-West-Australien zum Manoever mit den Aussis. War schon lange vereinbart.

Kurz vor Ostern wird das USS Dickschiff vor Java gesichtet. Ein Selfie des Potts landet bei CNN und der NYT .

"Sorry, Kommunikationsfehler," sagen Mattis und das Pentagon. "Morgen fahren wir aber ganz bestimmt nach Korea."

Ende April werden die Boote ankommen schaetzt CNN. Dann ist die Krise vorbei kalkuliert das Pentagon.

Derweilen vor Ort.

Generale diskutieren den Abschuss von Raketen aus NK, um dem Kim Jong-un mal zu zeigen, wo der Bartel den Most holt. Geht natuerlich. Leider explodierte die Osterrakete NKs bereits kurz nach dem Start. SK-Hacker solln daran gedreht haben, heisst es. Abzuschiessen gabs nichts.

Das Abschuss-Risiko waere auch zu hoch, sagen einige Strategen. NK ist ja so unberechenbar.

Ausserdem, sagen andere Strategen, wenn unser Abwehrraketen daneben schiessen, ist das Debakel doch riesig. Ja, stimmt eigentlich, meint ein General.

Ein anderer erklaert, wir kennen auch nicht alle Abschussrampen. Ja, ja, sagen alle im Chor und die Raketen kommen manchmal ganz, ganz ueberraschend.

Das schoene US-Feuerwerk, wie neulich vor Syrien wird damit unwahrscheinlicher.

Xi laechelt.

Was ist los bei den Ober-GI's?

Es scheint das Pentagon demonstriert dem Praesidenten: wir koennen auch anders!

Waere nicht das erste Mal.

Dem Oberleutnant Kennedy haben die Generale den Atomkrieg verweigert, sodass er in der Tuerkei die US-Raketen abraeumen musste. Das hat wieder anderen nicht gepasst und so weiter.

Carter's Befreiung der Iran-Gefangenen scheiterte klaeglich in der Wueste. Mehr als eine Amtzeit hatte er nicht, der liebe Carter mit den langen Zaehnen.

Und jetzt Trump und sein Chaos. Generale moegen sowas gar nicht. Zumindest den Haarschnitt koennte sich Trump beim Vorgaenger abgucken, verdammt noch mal. Vor Syrien waren die Russen so freundlich, nicht auf den 36 Tomahawk-Blindgaengern rumzuhacken. Noch so eine Blamage wollen sich die Lametta-Traeger nicht leisten.

Dazu passt ein ein Artikle in "Slate" aus der letzten Woche, indem vordergruendig eine "Fast-nuklear-Krieg" im Jahre 1983 (Reagan-Aera) analysiert wird, den ein amerikanischer Geheimdienstler damals verhindert habe.

Interessant ist, dass fast ausschliesslich russische Dokumente zitiert werden und Trump explizit mit Reagan verglichen, tendenziell gleichgesetzt wird.

Slate ist eines der liberalsten online-magazine der USA. Die Autoren sind US Militaer-Historiker. Die Botschaft des Beitrages fuer Russland und China ist m.E. eindeutig.

Die US-Geheimdienste sind sich bewusst, dass auch Trump ein geopolitischer Abenteurer ist, wie damals Reagan. Sie werden dagegen halten. Beispiele: das Carrier "Misverstaendnis" und die Raketen-Abschuss-Debatte.

Hoffen wir mal, dass diese Interpretation zutrifft. Es waere uns zu wuenschen.

Ach uebrigens, der Dow Jones und der Nasdaq haben nach ihrer "Talfahrt" gerade wieder um 1% "zugenommen". Die Jungs haben doch immer ein gutes Naeschen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (21)

Joachim Petrick 21.04.2017 | 12:23

Etwas Wasser in den Wein

ich tue mich mit diesem sarkastisch lakonisch whiskeyrauchigen Offiziers Casino Ton on the Rocks ein wenig schwer, bleibt es doch gehupft, wie gesprungen und gesungen, gleich ob geschossen, nicht geschossen, wird, der militärisch-industrielle Komplex der USA deiht und wächst zu Lasten der eigenen Bevölkerung der 99 % und anderer Länder, diese totzurüsten, demnächst auch noch verstärkt mit deutschen Mitteln

Aussie42 21.04.2017 | 12:53

Kann ich mir vorstellen, dass Du eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema meines Beitrages eher angemessen findest.
(Alc ist nichts fuer mich, nur als Info.)

Deine Einschaetzung der des militaerisch-industrielle Komplex der USA moechte ich bezweifeln. Ob der Bereich derzeit waechst (im Vergleich zu den vergangenen Jahren oder nicht, kann ich nicht sagen. Allerdings habe ich nicht den Eindruck. Die Kuerzungen in der 2. Obama-Zeit waren sicher mehr 54 Milliarden, die Trump jetzt dem Militaer zugeschanzt hat. Und die Haushalts-Kredit-Obergrnze hat der Kongress auch noch nicht erhoeht.

Ob die USA noch irgend ein Land "totruesten" koennen wie im Kalten Krieg, muss man bezweifeln. Sicher nicht Russen, Chinesen oder Europaer. Vielleicht Papua Neuginea.

Wenn man das amerikanische Militaer etwas genauer ansieht, "koennen" die nicht mehr viel (im Vergleich zu den 80er und 90er Jahren). Kein Personal, veraltetes Geraet, kaum einsatzfaehige strategische Kapazitaeten. Es wird wohl derzeit versucht, das alles gleichzeit zu modernisieren. Das Geld dafuer reicht aber nicht. (Die Bundeswehr ist uebrigens in der gleichen Situation. Bedingt einsatzbereit!)

Noch ein Wort zu NK, das ich im Artikel nicht untergebracht habe.
Nordkorea mit Cyberangriffen lahmzulegen, wird wohl derzeit versucht (darum die gescheiterte Rakete). Vor allem von SK. Fuer seine Drohkulissen braucht Jong-un Computer. Ohne grosse Rechner funktioniert kein Kernkraftwerk, kein Atom-Test, keine Rakete. Und die Computer NK's sind alt. Diese Dinger zu hacken ist nicht sonderlich schwierig. Das waere die "eleganteste" und preiswerteste Loesung. China spielt bestimmt mit.


Joachim Petrick 21.04.2017 | 13:35

Bei einem Militärbudget von gegenwärtig an die 700 Milliarden $/anno, angesichts einer Staatsverschuldung von 20 Bllionen $, machen 50 Milliarden mehr oder weniger schon gar nichts mehr aus.

Ansonsten Dank für Deine interessanten Erläuterungen.

Jeder Dollar fürs Militär fehlt für Entwicklung, Welthungerhilfe, Forschung, fehlt amerikaniischen Studenten aus ihrer Schuldenfalle fremdfinanzierter Studienzeit zu verhelfen, den Zugang zum Studium wieder gebührenfrei zu machen

Aussie42 21.04.2017 | 14:01

Jeder Dollar fürs Militär fehlt für Entwicklung, Welthungerhilfe, Forschung, fehlt amerikaniischen Studenten aus ihrer Schuldenfalle fremdfinanzierter Studienzeit zu verhelfen, den Zugang zum Studium wieder gebührenfrei zu machen.

Das ist in allen Laendern so. Geld fuers Militaer ist immer rausgeschmissen. Ressourcen sichern kann man ja auch mit Diplomatie und ein bisschen Bestechung. Die Chinesen machen das im Augenblick perfekt.

Die Amis haben eben von GB die Rolle als Weltmacht uebernommen und kleben daran bis heute, obwohl sie sich das laengst nicht mehr leisten (wie GB nach 2.WK). Im Grunde will heute kein Land mehr Weltmacht sein (ausser vielleicht Papua Neuguinea). Die Amis haben das nur immer noch nicht begriffen.

Aussie42 22.04.2017 | 00:47

der militärisch-industrielle Komplex der USA deiht und wächst zu Lasten der eigenen Bevölkerung

Das hatte @Joachim Petrick geschrieben. "Gewachsen" ist der US-Militaerhaushalt eben nicht (soweit es Zahlen dazu gibt), sondern 2015 (letzte Zahl) um 1.5% geringer geworden. (lt. Sipri)

Dass die USA wenig Entwicklungsliste leisten ist klar. Die rechnen eben Waffenlieferungen auch zur Entwicklungshilfe.

Definitionen, Definitionen.