Was ist los in Deutschland?

Koalitionsspiele. Eine Woche nach der Wahl und keine Regierung. Parteien wollen sich endlos Zeit lassen, spekulieren Journalisten. Was ist los in Deutschland? Eine Erklaerung von unten.
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Warum geht's denn nicht voran mit dem Koalieren und Regieren?
Wurde etwa die Frage "Waehlen oder nicht oder doch?" wiederbelebt? Nee. Warum auch? Schliesslich wurden die Umfragen von Forsa etc. durch die Wahl ziemlich gut bestaetigt.
OK. Lucky Lucke, der Eurofresser, ist nicht drin im warmen Parlament und die Partei der Zahnaerzte und Immobilienhaie auch nicht. (Wer verteidigt jetzt noch die Freiheit? fragt Tante Zeit besorgt.)

Ansonsten: Vor der Wahl ist nach der Wahl. Und trotzdem kommen die frei und geheim gewaehlten Repraesentanten des deutschen Volkes nicht zu Potte.

Hier in Australien gibt's sowas nicht. Wir sind ein grosses Land mit wenigen Leuten und kurzen dunklen Naechten. Darum sind Politikern, die wir uns natuerlich auch leisten, keine Spirenzien a la Germany erlaubt.
Erst wenn das Rumgehubere der Parteien vorbei ist, wird hier gewaehlt. Vor vier Wochen beispielweise, hat Toni gewonnen. Der hatte in wenigen Tagen 50% seines Wahlprogramms angeleiert und ist danach gleich diplomatisch verreist. Zum Nachbarn Indonesien wo er von Fettpott zu Fettpott zu stolperte. Egal, gewaehlt ist gewaehlt.

In meiner alten Heimat dagegen, wird seit ner Woche "wer hat Angst vor der schwarzen Frau" gespielt. Die boesen Kinder duerfen natuerlich nicht mitspielen nur die lieben Kinder sind dabei und koennen sich hinterher alle was wuenschen. Die Gewinner kriegen mehr, die anderen weniger, da ist die schwarze Mutter schon gerecht.
So geht's zu auf dem Hinterhof. Vielleicht mach ich's mir mit diesem Vergleich aber auch zu einfach.

Es waere wohl eher angemessen, die Bundestagswahl 2013 politikwissenschaftlich zu analysieren. Das deutsche Wahlergebnis ist naemlich eine sehr schoene Bestatigung der "Machtgruppen-Geschiebe-Theorie"(MGGT) von 1984. Dieser prominente spieltheoretische Ansatz verweist bekanntlich darauf, das Wahlen (umgangssprachlich formuliert) den Zweck haben, die Machtelite alle paar Jahre aufzumischen, so dass die beteiligten Akteure sich wieder mal ein bisschen rumschubsen koennen. Am Ende kommt dann eine Regierung heraus.

In der medientheoretischen Erweiterung der MGGT wird zwischen dem Vordergrund-Geschiebe (VGG) in den Medien und dem Hintergrund-Geschiebe am Telefon (HGG) unterschieden. Das ist nicht unwichtig, weil Teilnehmer, die ihre Erfolge im HGG auch VGGmaessig gut umsetzen koennen, eine bessere Gewinnchance haben, sagt die Theorie voraus.

Das "Machtgruppen-Geschiebe" wird in mehreren Runden gespielt, wobei es darauf ankommt, den anderen Schubsern und Schiebern moeglichst eine Runde voraus zu sein, ohne dass das VGGmaessig herauskommt.

Das Theorie hoert sich kompliziert an ist aber im Grunde nichts anderes als eine Mischung von Blindekuh (mit Schummeln) und Baeumchen wechsel dich.

Vor diesem Hintergrund stellt sich erneut die Frage, ob die Kinderspiele, die man jetzt in Berlin im dritten Hinterhof beobachten kann (wenn man sich ein bisschen aus dem Fenster haengt), wirklich so ewig lange dauern muessen? Ein paar von den Frechen wollen noch drei Monate weitermachen!! Ob jetzt die roten Kinder oder die gruenen von der schwarzen Mutti an den Busen gedrueckt werden, das waere doch viel schneller auszutentern! Und wenn die Goeren sich gar nicht einigen wollen, koennte man doch mit Adler oder Zahl entscheiden, oder?

Warum dauert's nur so lange?

Des Raetsels Loesung: die Kinderbrut hat mal wieder keine Lust, Hausaufgaben zu machen! (In Australien gaeb's das nicht. Bei uns wird noch gelernt, wenn in Deutschland laengst alle schlafen!! Ha.)

Richtig schlimm finde ich auch, dass die deutschen Spielkaelber nie genug kriegen koennen. Die spekulieren doch frech auf Neuwahlen!
Da muss man als Erziehungsberechtigtigter aber mal entschieden einschreiten, finde ich.
"Wenn die Laternen angehen, seid ihr zu Hause, Kinder, klar? Und morgen werden zuerst die Hausaufgaben gemacht. klar?"
Oder irgend sowas.

12:58 04.10.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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