Wiederholung der Komoedie als Geschichte

Benogl oder was wird in Griechenland eigentlich gespielt? Früher sassen die europäischen Zocker nächtelang am Tisch und die Merkel hatte meist ein As mehr im Ärmel. Jetzt gibt's nur Theater.
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Varoufakis soll ein Spieltheoretiker sein. "Kennet selle Benogl", fragt der Schwabe. Der Grieche laechelt milde.

Auf den Spieltisch liegt eine theatralisches patchwork von Homer und der Sophokles. Best of classics, so to say. Work in progress.

Arbeitstitel:

James Joyce meets Sophokles - eine Trilogie

Die Hauptdarsteller.

Odysseus, war bei den Griechen beliebt, von den Roemern aber als ruchloser Bursche (direx Ulixes) geaechtet. So gehts dem Tsipras heute auch. Zu Hause gewaehlt. Von Bruessel bis Berlin gerueffelt.

Der listigen Tsipras ist aber Kummer gewohnt und hat zur Aufmunterung den lustigen Orestes-Varoufakis an seiner Seite. Ein ganzer Kerl. Selbst Klytemnestra, die Mutti des Kontinents koennte der unterhaltsam erdolchen . Soweit wird es nicht kommen.

In weiteren Rollen.

Agamemmnon im Rollstuhl, ein alter schwaebischer Haudegen, den die Mutter, wenn's Not tut, abservieren koennte. Passiert aber nicht.

Mijnheer Disellbloom gibt den Hektor. Weiss nicht, dass er laengst tot ist. Tja.

Juncker Achilleus, kaempft einen guten Kampf wird aber von Hydras zweitem Kopf, Pentisilea, auf offener Buehne zerfleischt. Passiert erst spater. (Audio bei H.v.Kleist.)

Draghi-Poseidon, weiss genau, wann er untertauchen muss.

Chor der Erynien

....und viele andere.


Prolog.

Die Griechen spielen mit der steinalten Regel, dass Mio im Haben genauso so gut ist, wie Mio im Soll.
"Der Rest ist Strategie und Reden" (Apollon, Gott der Maeuse)


Erster Akt. Vor Berlin

Psychologische Kriegsfuehrung koennen die neuen wie die alten Griechen. Vor Troja haben sich die Helden vor der Schlacht gegenseitig Beleidigungen zugeschrien. Heute machen das Diplomaten. "Der Agamemmnon im Rollstuhl hat gesagt dass...Sowas gehoert sich nicht," petzt der griechische Botschafter der Mutter. Der schwaebische Klein-Koenig laesst seinen Sprecher diplomatisch zuruecknoergeln, dass diese Griechen-Saudackel auch mal zufaellig den Grexitus machen koennten, wenns so weiter geht.

Den Kampf der Helden vor Troja wie auch die Finanzminister-Klopperei kann keine Seite gewinnen. Damals ist dem Odysseus das Holzpferd eingefallen. Soweit ist der Tsipras noch nicht, obwohl, in Attica, heisst es, werden bereits die ersten Baeume gefaellt.


Zweiter Akt. Vor Bruessel

Die Bruesseler Erynien sind aufgeschreckt. Von der vielkoepfigen Hydra (u.a. sechster Kopf die Sirene vom IWF), und auch durch den geilen Alte-Maenner-Chor.

Heute wird dieses behauptet, morgen jenes gesungen; Krach in der Regierung, ist Orestes am Ende? Die griechischen Seher des Nordens raten aufgeregt vor sich hin, was die Halbgoetter in Athen wohl als naechstes aushecken werden.

Mijnheer Hektor Dijsellbloom ist unablaessig eingeschnappt. (....und bald tot, psst!)

Herr Draghi-Poseidon kriegt auch sein Fett. Was besonders gemein ist, weil dessen Hand die Griechen fuettert. Hand beisst der Orest aber am liebsten.

Doch Poseidon ist altgedienter Gott. Wenns zu dicke kommt hechtet er, wie Dagobert Duck, zurueck ins Geldmeer.


Dritter Akt. In der Unterwelt

Odysseus fuerchtet, seine Zukunft zu verpassen. Ein schuldenfreies Griechenland koenne erst ab 2025 betreten werden, fluestert ihm Circe ( wieder Hydra, Kopf vier). Das dauert zu lange, meint Tsipras und steigt furchtlos wie Herkules in die Unterwelt.

Dort zeigt man ihm einen wackligen super8-Streifen aus dem Jahre 1941. "Sieh da, sieh da Timothius, die Zwangsanleihe der deutschen Kraniche" deklamiert der Schiller im Hintergrund. Herr Marseille (Der Stern von Afrika) versucht sich zu verdruecken.

Tsipras denkt. 2025 ist noch lange hin. 1941 ist lange her. Geld und Gold wurden den Griechen abgegraben. Mal sehen, ob der geizige Schwaben-Barbar die Kohle rausrueckt. Andernfalls koennte Orestes der Klytemnestra-Mutti auch die Pistole auf die Brust setzen. Gold oder Leben.
Gute Info. Thanks, Zerberus.


Vierter Akt. Die Burg der Atriden.

Odysseus ist zum good cop mutiert, umgaenglich geworden und redet platonisch mit Mutti.
Die fuehlt sich von Tsipras aber moralisch am porte-epee gefasst. Anfassen mag sie gar nicht.

Doch die Rueckzahlung der Knete hatten die alten Germanen der Reichsbank zugesagt. Mit dem Geld hatten Rommel, seine Wuestenfuechse und Hansjoerg Felmy (auch Stern von Afrika) naemlich die Burg Mykene zusammengehauen, damit Heinrich Schliemann in aller Ruhe den Schatz des Priamos klauen konnte (oder so aehnlich). Hat geklappt, denn Die Goetter waren damals fifty-fifty dafuer und dagegen.

Tsipras glaenzt beim Berliner Dialog, da er Aphrodite an seiner Seite hat. Das kann die Klytemnestra-Mutti aber nicht erkennen.
Am Tag darauf: die deutschen Teiresiasse weissagen wirr.
Die Erynien singen duester den Chorus der alten Maenner im grauen Anzug.

Schluss des ersten Teils.

Seherische Vorausschau auf den zweiten Teil:

Der Fluch der Kassandra.

Die Griechen haben noch einige Truempfe unterm Tisch. Die Asylbewerber (....von Asiens entfernter Kueste von allen Inseln kamen sie, Danke Schiller) und vor allem die Hosenrolle Kassandra-Kamenos, der allerdings nicht schwiegen kann. (Sorry, Frau Wolf, ist nicht boes gemeint.)

Wenn Tsipras den Kassandra-Kamenos von der Leine laesst, faengt der seine Scharmuetzel mit den Persern wieder an. Der Bosporus wird wird sofort gesperrt. Zunaechst nur fuer den Stier mit der Muse Europa auf Ruecken. Spaeter wird auch den hochbordigen Kreuzern aus der neuen Welt (herzlichen Dank, Herr Gershwin), die gerade Barbaren beobachten, der Rueckzug abgeschnitten. Kladeradatsch (Dank allen Jiddischen).

Eine weitere plot fuer Kassandra-Kamenos.

Auf Kreta ueben, gegen einen kleines Obulos, auch Nachfahren der Wuestenfuechse. Mit Raketen schiessen und und mit Kampfwagen rumgallopieren. Der Kamenos koennte leicht die Kaution fuer die Mannoeverschaeden erhohen oder Kassandra schicken, um ein paar deutsche Kampfwagen-Leoparden zu beschlagnahmen. Die gesamte Unterwelt wuerde jubeln.


Epilog.

(Theater auf dem Theater oder "Schlag nach bei Shakespeare")

Griechen und Deutsche spielen statt Binokel Monopoly.

Die Deutschen besitzen ueberall Haeuser und Strassen. Die Griechen haben nur noch die Badstrasse und laengst alle Haeuser verkauft. Sie werden zudem permanent ins Gefaengnis geschickt. Sie gehen aber jedesmal ueber "Los" und kriegen jedesmal 200.000 Euro von der EZB und halten sich so ueber Wasser. Das ist zwar gegen die Spielregeln, rausfliegen koennen die Griechen aber nicht, weil nur zu zweit gespielt wird. Da kann keiner auf den anderen verzichten, sonst ist das Spiel fuer beide zu Ende.

Derzeit warten die Griechen darauf, dass die Deutschen ne schlechte Serie wuerfeln.

22:42 14.03.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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