RE: Kommunist geblieben | 07.06.2021 | 17:44

Schön, wenn Alter nicht bedeutet, dass man sein Hirn schon völlig mit seinen alten Vor-Urteilen ertränkt haben muss, sondern noch in der Lage ist, frisch zu denken. Einige von den Kommentaren zeugen leider vom Gegenteil. Das Gezänk (nicht zu verwechseln mit einer historischen Debatte) um die 68er z.B. taugt nicht einmal mehr zur Gehirngymnastik, ist einfach nur ermüdend.

Also: Guter Text, anregend, auch wenn es Einwände gäbe. Ich werde ihn gelegentlich gesprächsweise ausbeuten. Und zum Kommunismus: Die darin steckende Utopie hat vielleicht in den Generationen der heute Mitlebenden keine Chance, aber sie stirbt halt nicht, und dafür gibt es gute Gründe.

RE: Die Verliererin im Schatten | 27.05.2019 | 12:15

Man muss Herrn Puschner sicher nicht in jeder Schlussfolgerung folgen, aber die Linken spielen tasächlich seit längerem in unverantwortlicher Weise mit ihrem Potential als Partei einer sozialen Alternative. Viel erschütternder als ihr Wahlergebnis für das Europaparlament sind doch die Indizien für die kommenden Landtagswahlen im Osten Deutschlands. Was ist in Sachsen, Thüringen oder Brandenburg demnächst zu erwarten? Mut macht eigentlich nur Leipzig. Wenn das selbstreferentielle und selbstzufriedene (Bartsch, Wagenknecht, Riexinger) Agieren der Partei- und Fraktionsspitzen nicht aufhört oder (besser noch!) nicht neue, unverbrauchte Leute mit Mut und Ideen noch vorn treten, ist im Osten bald jeder Kredit verbraucht. Dann wird tatsächlich Die Partei zur echten Alternative: Humor statt Drama befreit wenigsten den Geist.

RE: Status: ausgespäht | 26.03.2018 | 10:39

Das Erschreckende ist doch nicht, dass Unternehmen wie Facebook mit den Daten, die ihnen die Nutzer überlassen, Handel betreiben und sich dabei nicht groß um rechtliche oder gar ethische Normen und Grenzen kümmern. Sich über Facebook so zu empören ist schon ein wenig naiv. Das Erschreckende ist, dass Privatpersonen mit entsprechendem Kapital und Geheimdienste inzwischen ich der Lage sind, dieses Datenmaterial zur Manipulation oder als Waffe zu gebrauchen. Um Trumps & Co. wählen zu lassen oder zur Kriegsführung. Das ist ein Albtraum, wer redet da noch von Demokratie, von Recht?

Ich frage mich auch, ob nicht ein Zusammenhang besteht zwischen dem Platzen dieses ja schon lange bekannten, nur politisch und medial kleingeköchelten Skandals und dem hysterischen Hype um die Russland zugeschriebenen Giftmorde in Großbritannien. Van Aken und andere fragen doch zurecht, wem das nützt. Vielleicht liegt die Antwort ja hier - die Empörung wegzusteuer?!

RE: Pegidas Märchen | 23.02.2016 | 09:49

„Leitmedien“ wechseln oder vielleicht doch selbst denken?

Herr Zietz geht von einem falschen Verständnis von "Objektivität" aus. Autoren in Presse und Publizistik können allein schon deshalb nicht "objektiv" sein, weil sie als recherchierende und schreibende Menschen ja immer Subjekte, also subjektiv sind: Sie stellen ihre Fragen, sie suchen ihre Quellen, sie fassen ihre Erkenntnisse zusammen. Sie sind ja sozialisierte, denkende Individuen. Und sie wissen das auch. Was sie machen sollten und machen, wenn sie seriös sind: Sie sollten ihre Quellen prüfen, sie sollten nicht allein einer Quelle vertrauen, sie sollten sich ihrer eigenen Subjektivität bewusst sein und kritisch hinterfragen. Sie sollten dem Leser die Chance geben, zu unterscheiden, was die sauber recherchierte Nachricht ist, sie sollte vor allem wahr sein, und was ihre eigene Position ist, ihre Meinung, die sie auch äußern dürfen. Von mir aus auch parteiisch, wenn es trotzdem argumentiert ist.

Es gibt bei den beschimpften „Leitmedien“ genügend Journalisten und Autoren, die das leisten. Die Autoren dieses Beitrages gehören dazu, sie haben recherchiert und berichten Tatsachen. Sie halten mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg, sie sind parteiisch – für guten Journalismus. Wir können Ihre Quellen prüfen, ich habe das für mich schon vor längerer Zeit getan, und uns dann unsere eigene Meinung bilden. Meine liegt nicht weit entfernt von der des Beitrages.

Lieber Herr Zietz: „Mainstream-Medien“ gibt es nicht per se, ebenso wenig wie „Leitmedien“. Sie werden dazu auch nicht nur durch böse Verschwörer gemacht, oder das bekannte Kartell von Wirtschaft, Politik und Medienmogulen, das es zweifellos gibt. Sondern auch durch Sie/und, wenn wir uns leiten lassen und uns abgewöhnen, uns selbst unsere MEINUNG zu bilden. Irgendwelche „alternativen“ Medien allein schon aufgrund des Labels „Opposition“ in den Rang von „objektiv“ zu heben, bedeutet doch nur, die „Leitmedien“, die man nicht mehr lieb hat, durch diese neue zu ersetzen, denen man dann genau so meinungslos hinterher läuft.

RE: Pegidas Märchen | 23.02.2016 | 09:49

„Leitmedien“ wechseln oder vielleicht doch selbst denken?

Herr Zietz geht von einem falschen Verständnis von "Objektivität" aus. Autoren in Presse und Publizistik können allein schon deshalb nicht "objektiv" sein, weil sie als recherchierende und schreibende Menschen ja immer Subjekte, also subjektiv sind: Sie stellen ihre Fragen, sie suchen ihre Quellen, sie fassen ihre Erkenntnisse zusammen. Sie sind ja sozialisierte, denkende Individuen. Und sie wissen das auch. Was sie machen sollten und machen, wenn sie seriös sind: Sie sollten ihre Quellen prüfen, sie sollten nicht allein einer Quelle vertrauen, sie sollten sich ihrer eigenen Subjektivität bewusst sein und kritisch hinterfragen. Sie sollten dem Leser die Chance geben, zu unterscheiden, was die sauber recherchierte Nachricht ist, sie sollte vor allem wahr sein, und was ihre eigene Position ist, ihre Meinung, die sie auch äußern dürfen. Von mir aus auch parteiisch, wenn es trotzdem argumentiert ist.

Es gibt bei den beschimpften „Leitmedien“ genügend Journalisten und Autoren, die das leisten. Die Autoren dieses Beitrages gehören dazu, sie haben recherchiert und berichten Tatsachen. Sie halten mit ihrer Meinung nicht hinter den Berg, sie sind parteiisch – für guten Journalismus. Wir können Ihre Quellen prüfen, ich habe das für mich schon vor längerer Zeit getan, und uns dann unsere eigene Meinung bilden. Meine liegt nicht weit entfernt von der des Beitrages.

Lieber Herr Zietz: „Mainstream-Medien“ gibt es nicht per se, ebenso wenig wie „Leitmedien“. Sie werden dazu auch nicht nur durch böse Verschwörer gemacht, oder das bekannte Kartell von Wirtschaft, Politik und Medienmogulen, das es zweifellos gibt. Sondern auch durch Sie/und, wenn wir uns leiten lassen und uns abgewöhnen, uns selbst unsere MEINUNG zu bilden. Irgendwelche „alternativen“ Medien allein schon aufgrund des Labels „Opposition“ in den Rang von „objektiv“ zu heben, bedeutet doch nur, die „Leitmedien“, die man nicht mehr lieb hat, durch diese neue zu ersetzen, denen man dann genau so meinungslos hinterher läuft.

RE: Es gibt immer eine Alternative | 30.11.2015 | 18:57

Die Analyse ist glasklar. Nüchterner und bitterer kann man sie kaum formulieren. Vielen Dank. Ich wünsche mir nur, dass Eure Alternative nicht allein im Austreten besteht. Das wäre dann nicht nur ein bitterer Verlust für die SPD.

RE: Kann und muss ich meinen Doktortitel nun auch vergessen? | 19.02.2011 | 14:14

Es lebe die Beliebigkeit! Bei dem ganzen Unsinn, der in diesem Zusammenhang geschrieben wird, auch von Herrn Angele, wird vergessen: Die Promotion regelt nach wie vor den Zugang zu den meisten wissenschaftlichen Berufen. Da geht es nicht um persönliche Eitelkeiten, sondern um berechtigt hohe Hürden der Selektion. Wer diese nicht meistert oder sich, um im Bild zu bleiben, des wissenschaftlichen Dopings bedient und dabei ertappt wird, ist - berechtigt - durch das Sieb gefallen, die Karriere (jedenfalls die universitäre, wissenschaftliche) beendet. Ein "sorry, da habe ich wohl ein paar Fehler gemacht oder übersehen, 'tschuldigung!" gibt es da nicht. Diese Konsequenz muss auch gegenüber Guttenberg walten, so sich die Vorwürfe bestätigen.
Der eigentliche Schaden wird angerichtet, wenn hier die Politik oder öffentlicher medialer Druck zu Gunsten einer politischen "Lichtgestalt" eine vorbehaltlose Prüfung durch die zuständigen universitären Gremien behindern. Dann werden - sehenden Auges - wissenschaftliche Standards der Beliebigkeit preisgegeben. Das Ansehen der deutschen Wissenschaft - samt ihren Prüfungs- und Graduierungsregeln - sollte höher stehen als das einer einzelnen Person, mag sie auch Guttenberg heißen.
Wenn dessen Ego den Dr. braucht, dann kann er sich trösten: Wenn er politisch überlebt, wird sich schon noch eine Universität finden, die ihm die Ehrenpromotion verleiht.