"Kabale und Liebe" in Karlsruhe

Theaterkritik Das Badische Staatstheater Karlsruhe zeigt eine dynamisch-sympatische Schiller Inszenierung.
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Wer sich als Regisseur an klassischer Literatur versucht, geht immer ein großes Risiko ein. Nämlich das Risiko, dass entweder die Zuschauer den eigentlichen Text und die Intention des Autors vor lauter modernem KlimBim nicht wiedererkennen. Oder aber, dass die Inszenierung so fad ist, wie man sie zuvor schon in hunderten Aufführungen über sich ergehen lassen musste.

Simone Blattner (Dantons Tod), die Stammregisseurin des Badischen Staatstheater Karlsruhe, hat hingegen eine freche und vor allem frische Inszenierung geschaffen, die sich an Schillers Liebestragödie orientiert aber nicht festbeisst. Mit jungen und bewährten Schauspielern gelingt es ihr eine dynamische Mischung aus Klassik und „Verbotene Liebe“ auf die Karlsruher Bühne zu bringen.

Sie greift Schillers Idee auf, und zeigt uns eine glückliche Liebe die sich von den Gesetzten einer eingerosteten Ständegesellschaft erdrückt sieht. Ferdinand und Luise einander tief verwachsen, scheuen zunächst nicht den Eltern ihre Liebe zu gestehen und bleiben dennoch in ihren gesellschaftlichen Positionen gefangen. Blattner wirft die Zeithülse weg, vermengt die Kostüme und zeigt uns ein Heute welches sich vom Gestern nicht (absolut nicht) unterscheidet. Liebe unter Einfluss von Machtpolitik und Intrigen ist hoffnungslos verloren. Noch mehr aber ist Liebe verloren, wenn sie sich den alleinigen Gesetzten der Gefühle unterwerfen muss, wenn Rationalität der Eifersucht weichen muss und wir rasend vor Wut, Opfer und Täter werden.“Sprache der Liebe, Sprache der Gewalt“, schrieb Schiller hierzu etwas kitschig und doch vollkommen zutreffend.

So ist der Vater Ferdinands hoffnungslos verstrickt in seiner Gier nach Macht und Ruhm am herzoglichen Hofe und folgt dem teuflischen Anliegen des Wurm. Dessen Anliegen wiederum nur in der von Luise verschmähten Liebe liegt und sich in endlosen Hass auf Ferdinand entlädt.

Und Luise? Die Liebe zum Ferdinand ist stark, doch die Liebe zum Vater ist stärker und lässt sie sich und ihre Liebe verraten. Der gekränkte Ferdinand rasend vor Verzweiflung vergiftet sich und seine Geliebte und ruft ihr noch im Angesicht des Todes zu: „ Ich will mich zwischen dich und das Schicksal werfen - empfangen für dich jede Wunde“. Dieses Bekenntnis ist freilich naiv und erwächst zugleich aus dem schönsten und schmerzlichsten aller Gefühle.

Und selbst im Todestaumel des Sohnes, verliert der Vater nicht sein eigentliches Ziel aus den Augen und bezichtigt den Wurm aller Schuldigkeit. Doch lassen André Wagners (Präsident) Augen keinen Zweifel zu. Schuldig.

In der Inszenierung am Badischen Staatstheater befindet sich die kleine Millersche Hüte eingekeilt in ein Zahnrad welches abwechselnd von den Männern gedreht wird. Männer die Entscheidungsträger aller Tage sind hier zugleich auch die zerstörerischen Kräfte. Die Frauen halten sich zurück und lassen die Altbekannten über Leben und Tod, Gedeih und Verderb entscheiden. Untermalt von Musik und schönen, natürlichen und dramaturgischen Einsetzten beweist die Inszenierung vor allem aber eins. Kleinere Theater sind zu unrecht mit dem Begriffen „Rückständig“ und „Provinz“ behaftet. Ich wünschte so manche Großstadtshow käme mit mehr Geist und weniger Protz aus.

Badisches Staatstheater Karlsruhe

  • Donnerstag, 30.10., 20:00-22:30 - KLEINES HAUS
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  • Donnerstag, 06.11., 20:00-22:30 - KLEINES HAUS
    29,50 - 9,50 Euro
  • Samstag, 13.12., 19:30-22:00 - KLEINES HAUS
    29,50 - 9,50 Euro
  • Donnerstag, 08.01., 20:00-22:30 - KLEINES HAUS
    29,50 - 9,50 Euro
  • Sonntag, 11.01., 19:00-21:30 - KLEINES HAUS
    29,50 - 9,50 Euro
  • Mittwoch, 25.02., 20:00-22:30 - KLEINES HAUS
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  • Mittwoch, 04.03., 20:00-22:30 - KLEINES HAUS
    29,50 - 9,50 Euro
  • Donnerstag, 23.04., 20:00-22:30 - KLEINES HAUS
    ZUM 40. MAL
    29,50 - 9,50 Euro
21:11 31.10.2014
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Geschrieben von

Martinus Oktobre

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Martinus Oktobre

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