Warum sollte Finnland und Schweden der NATO beitreten?

Arctic Security Die Aufnahme Finnlands und Schwedens in die NATO könnte die Sicherheit in der Arktis erhöhen. Doch ist das tatsächlich so?

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Lange ist es kein Geheimnis mehr, dass Russland und China wachsende Ambitionen in der arktischen Region haben, da besonders der stetige vorangehende Klimawandel neue Möglichkeiten für den Transit und die Erkundung des Nordpols eröffnen. Wäre nun eine mögliche Aufnahme Finnlands und Schwedens in das NATO-Bündnis, eine per se Legitimation, um militärische Aktivitäten der USA in der Arktis sowie in der Ostsee zu verstärken?

Laut Carlos Del Toro, dem US-amerikanischen Marineminister begrüßt die USA einen baldigen NATO Beitritt Schwedens und Finnlands. "Ich sehe den Tag voraus, an dem wir unsere maritimen Operationen in der Ostsee verstärken werden, sagte Del Toro kürzlich bei einer Rede vor dem Haushaltsausschuss für die Marine im US-Kongress. Ferner führte er an, dass Finnland und Schweden mit ihren Anträge auf NATO-Mitgliedschaft mit ihrer jahrzehntelangen Neutralität und Verteidigungsdoktrin gebrochen haben.

Was passiert mit Russland?

Mit Beitritt Finnlands sowie Schwedens zum NATO Bündnis bliebe Russland das einzige Nicht-NATO-Mitglied im Arktischen Rat, einer Organisation, die sich mit den Herausforderungen der acht Länder mit arktischem Territorium befasst. Wie würde nun die Zukunft aussehen können? Beim Haushaltsausschuss für die Marine im US-Kongress wurden hierzu mehrere Szenarien und Möglichkeiten aufgezeigt.

US-General David Berger, Kommandant des Marine Corps, sagte, die formelle Aufnahme von zwei Streitkräften mit umfangreicher Erfahrung mit “kaltem Wetter” sei ein Segen für die Entwicklung in der Region.

Norwegen, das seit der Formung der NATO im Jahr 1949 zu deren Gründungsmitgliedern gehört, hat den US-Truppen beispielsweise gezeigt, wie man bei Minusgraden Hubschrauber fliegt und wartet: "Norwegen, Finnland und Schweden sind die Besten der Welt, wenn es darum geht, dauerhaft in dieser Umgebung zu operieren", so Berger.

Darüber hinaus fügte der U.S- Abgeordnete Pete Aguilar (Kalifornien) hinzu, dass es hilfreich sei, die möglichen Auswirkungen neuer NATO-Verbündeter auf künftige Ausbildungsmöglichkeiten zu berücksichtigen.

Interesse der USA in der Arktis

Die USA sind eines von 30 Ländern der Allianz, die über die Anträge Finnlands und Schwedens entscheiden werden. Amerikanische Matrosen und Marinesoldaten trainieren mindestens jedes zweite Jahr mit Norwegen, und fast jeden Monat fährt ein US-Kriegsschiff in die Region des hohen Nordens oder des Polarkreises, sagte US-Admiral Michael Gilday, Chef der Marineoperationen. Die USA haben ihre Präsenz in dem Gebiet nach einem "Wendepunkt" im Jahr 2018 aggressiv erhöht, als eine US-Trägerkampfgruppe zum ersten Mal seit der Auflösung der Sowjetunion im Jahr 1991 über den Polarkreis reiste, sagte er.

Krieg in der Ukraine

Russlands groß angelegter Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 veranlasste die US-Marine, kleine Einheiten von Zerstörern in den hohen Norden zu entsenden, "um Druck auf Russland auszuüben und sicherzustellen, dass sie wissen, dass wir dort mit fähigen Plattformen sind", sagte Gilday.

"Ich glaube, dass wir uns in Bezug auf die Arktis in einem Aufwärtstrend befinden, und ich glaube nicht, dass wir umkehren werden",fügte er weiter hinzu.

US-General David Berger sagte bereits vor einiger Zeit voraus, dass das Marine Corps in den kommenden Jahren vermehrt kleine Einheiten für jeweils zwei bis vier Wochen in die Region und nach Alaska entsenden wird: "Man macht große Übungen, um große Lektionen zu lernen und große Botschaften zu senden, aber kleinere Einheiten, die häufiger und dauerhafter eingesetzt werden, haben auch einen großen Nutzen", sagte er.

US-Abgeordnete Betty McCollum, schlug vor, dass es mehr Möglichkeiten für das US-Militär geben könnte, der Arktis seinen Stempel aufzudrücken. Das Pentagon solle die Entsendung von Einheiten der Nationalgarde in den Norden in Betracht ziehen, um dort zu trainieren und sich an das Wetter zu gewöhnen, sagte sie, und die Marine müsse darüber nachdenken, wie sie Eisbrecher Schiffe einsetzen könne, um ihre Vorherrschaft zu behaupten: "Ich konzentriere mich sehr auf die Tatsache, dass wir mit der Küstenwache zusammenarbeiten müssen, aber wir müssen auch das Verteidigungsministerium und die US-Marine bei der Machtprojektion berücksichtigen", sagte McCollum.

Es bleibt offen, in wie Fern die US-amerikanische Militär Konzentration tatsächlich nicht nur die russischen Ambitionen am Nordpol in die Schranken weisen kann aber besonders, ob damit China zurückgeschreckt werden kann, in der Arktis eine neue Seidenstrasse zu erbauen.



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Geschrieben von

Isabelle-Constance V.Opalinski

Journalistin, Autorin, Publizistin
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