Guthabenblase und Zinscrash

Geld Auch für 2016 ist wieder der noch größere ökonomische Crash angesagt worden. Die "Einschläge" kommen immer näher und die Ablenkungsmanöver werden lauter.
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Geld entsteht, wenn ein Kredit aufgenommen wird und verschwindet wieder, wenn dieser getilgt wurde. Das Geld ist nicht dasselbe wie die dazu notwendige Kreditsicherheit. Die Sicherheit wird in ihrer Form als Eigentumstitel durch den Kredit kapitalisiert und gleichzeitig als Besitz zB bewirtschaftet oder benutzt. Sie wird also doppelt bewertet. Man kann zB. eine Immobilie gleichzeitig beleihen und vermieten - das weiß jedes Kind.

Das Geld des Kredites entsteht dabei aus dem Nichts, weil es vorher noch nicht in der Welt war - es war vorher nicht Wirklichkeit, denn es stellt im Extremfall eine temporäre und faktische Verdoppelung des Sachwertes dar, der als Sicherheit für den Kredit dient. Wirklichkeit wird es also erst durch die Kapitalisierung des Sachwertes im Kreditvertrag.

Der Witz bei der Methode ist, dass der Zins, der ausser der 100%igen Kredittilgung für den Schuldner nach den Bedingungen des Vertrags fällig wird, nicht aus dem Nichts erzeugt wird. Er wird gar nicht erzeugt. Er muss aber erbracht werden. Er ist damit der Initiator der kapitalistischen Konkurrenz, denn er kann nur am Markt anderen Geldbenutzern bzw. Kreditnehmern abgewonnen werden, die dann ihren Kredit freilich nicht mehr tilgen können. Zinswirtschaft ist damit die Grundform der kapitalistischen Spekulation. Es gibt dabei systembedingt immer mehr Verlierer als Gewinner. Dieser Umstand wird gerne verleugnet, weil er sich örtlich und zeitlich u.U. stark versetzt und in den meisten Fällen anonym vollzieht.

Der Gläubiger muss wie der Schuldner eine Sicherheit in den Kreditvertrag einbringen. Er erklärt, wenn überhaupt, den Zinsanspruch mit der Aufgabe des exklusiven Rechtes auf Kapitalisierung seiner Sach- oder Anlagewerte, die er nun ja schon als Sicherheit in den Vertrag einbringt. Diese Erklärung ist durch die allgemeine Praxis des fractual banking bei Privatbanken, die global mindestens 95 % allen Geldes erschaffen, hinfällig geworden, denn der Mindestreservesatz der Banken, also die Höhe der Krediticherheit, liegt heutzutage in Europa zB. nur noch bei einem Prozent, heißt : Mit einem € bei der EZB kann eine Geschäftsbank 100€ Kredit vergeben.

Das Problem dieser Systematik liegt nicht in der Praxis der Gelderschaffung aus dem Nichts. Das Problem liegt in dem Umstand, dass mehr Geld zurück verlangt wird als geschaffen wurde und faktisch zurückgegeben werden kann. Statt dessen werden im Endeffekt und logischer Weise Sachwerte den Eigentümer wechseln, die ursprünglich als Kreditsicherheiten bereitgestellt wurden.

Es erklärt sich hier wie nebenbei die ständige Monopolisierungstendenz der kapitalistischen Wirtschaft, auch die der Finanzwirtschaft, die man gerade in den späten Phasen eines kapitalistischen Geldsystemzyklus gut beobachten kann. Es ist derselbe Vorgang, der auch gerne als Geldfluss zu den Wohlhabenden beschrieben wird und heute auch als sogenannte "Umverteilung nach oben", an der durch die Teilnahme der Staaten als Großschuldner und institutioneller Zinszahler in diesem System, jeder Bürger indirekt beteiligt wird, auch und gerade wenn er selber weder Kredit, noch Eigentum hat.

Ganz allgemein wird diese Praxis von manchen Seiten auch als Ponzisystem beschrieben. Es erzeugt die Basis eines Abhängigkeitssystems - nämlich neue Schuldner zu finden, eines Herrschaftssystems der Eigentümereliten und damit einer bürgerlichen Herrschaft der Oligarchen und Plutokraten, die ihre Spekulationsgewinne in Sachwerten und Einfluss akkumulieren können, weil sie ständig auf privater Ebene Geld bereit stellen und ihre Zinsforderungen sich zuweilen exponentiell vermehren.

Die Verzerrungen der Realwirtschaft, die durch dieses System erzeugt werden, können wir seit ein paar Jahren auch sehr deutlich sehen, aber sie waren immer schon vorhanden. Jetzt kommen sozusagen nur die Einschläge immer näher, die lokale und zeitliche Versetzung der Verliererereignisse kommt zu einem sichtbaren Ende.

Das damit verbundene Geldmengenwachstum ist u.A auf die faktisch unbezahlbaren Zinsen zurückzuführen, die immer nur mit neuen Krediten beglichen werden können, solange bis diese keine das relevante Zeitfenster der Realwirtschaft oder des menschlichen Lebens betreffenden Bedingungen mehr erfüllen können. Dieser Zeitpunkt wird vorausschauend als Crash bezeichnet, zurückblickend als Währungsreform. Dieses Ereignis ist alles andere als selten. Die Eigentümereliten gehen als einzige unbeschadet oder mit Gewinnen aus dieser Situation hervor, die für die meisten Menschen jedoch eine Katastrophe darstellt. Die Eliten werden nach dem Zusammenbruch des Geldsystems die einzigen sein, die wieder Geld aus ihren Sachwerten generieren werden, solange dieses System nicht abgeschafft wird. Das ganz System kann damit auch einfach Krisenmodell genannt werden, denn der lukrativste wenn auch manchmal risikoreichste Moment in der kapitalistischen Konkurrenz ist die Krise. Die Krise ist im Gegesatz zur Lehre der klassichen Theorie praktisch eines der führenden Geschäftsmodelle des Kapitalismus. Dafür muss es freilich die Krise der anderen sein.

Wenn wir anfangen eine Wirtschaft ohne Zinsen zu denken, wird schnell klar, dass diese weder kapitalistisch sein kann, noch zu den geläufigsten Problemen der akuten Geld- und Marktwirtschaft führt. Eine zinslose Wirtschaft birgt die Möglichkeit Machtmissbrauch, Herrschaftseliten und ökonomische Abhängigkeitsverhältnisse durch soziale Praktiken zu verhindern.

...man wird sehen müssen, wie diese Krise zum Crash mutiert. Die ökonomischen Aussichten sind mehr als kritisch. Wenn man die Entwicklungen verfolgt, kommt man auf die Frage, ob das nicht tatsächlich zumindest zuweilen ein Parkurritt ist. Was man gewöhnlich als Wirtschaftkrieg bezeichnet ist es allemal und der wird nicht an den Märkten beschlossen, sondern wegen den Märkten. Und die Medien schweigen dazu ...

04:39 17.01.2016
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Geschrieben von

iDog

Wem nützt eigentlich die Staatsgewalt ?
iDog

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