Kein show down auf der Champs Élysée

Gilets Jaunes "Nos 8 doléances", Die Macht in Bedrängnis ... diese 8 Basis-Forderunge der Gilets Jaunes wurden am 8. Dez 2018 auf der Champs Élysée verteilt und verteidigt.
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Auch am 8. Dezember 2018, in der 4. Runde gegen die Macht des Kapitals kam es auf der Champs Élysée in Paris und an anderen Schauplätzen des französischen Aufstandes der Gilets Jaunes nicht zum show down, den die Regierung vollmundig angekündigt hatte.

Mit Verachtung, Kriminalisierung, Diskreditierung, Diabolisierung, Dramatisierung, Verhöhnung als unreifes, ungebildetes, unkultiviertes, strunzdummes, verschwörungsgläubiges, antisemitisches, homophobes, rassistisches Vieh vom Lande und anderm mehr bedacht und bezeichnet ... während in den vergangenen Wochen also mit allen als bekannt vorauszusetzenden, propagandistischen Mitteln von einer abgehobenen und arroganten, bürgerfremden "Elite" von politischen und medialen Dienstleistern versucht worden war die mit großer Sympathie aus der französischen Bevölkerung belegten Gilets Jaunes zu marginalisieren, hatte man zu diesem 4. offiziellen Kampftag, Samstag dem 12. Dez. 2018, 89000 schwarzgepanzerte CRS, allein 8000 davon in Paris, angekündigt, um diesen "Salauds de pauvres!" (Schweinehunden von Armen) ordentlich Angst einzujagen. Man gab noch ein paar gepanzerte Fahrzeuge aus dem Kosovokrieg dazu, über die man bei einem regierungsnahen Sender (BFM) enttäuscht war, weil sie gar nicht mit Maschinengewehren, wörtlich "sulfateuses" (Kugelspritzen) ausgerüstet seien.

Es half nichts, die Gilets Jaunes kamen dennoch aus allen Richtungen nach Paris, manche der Befragten schon zum wiederholten Mal. Schon am Bahnhof war der Empfang herzlich. Alle wurden gefilzt, man nahm ihnen Masken und Brillen gegen das Tränengas ab. Auf der Champs Élysée kamen dann etwa 10000 Personen zusammen, die kurz darauf quasi eingekesselt waren, weil die CRS alle Seitenstraßen blockiert hatten. Der bereits letzte Woche symbolbeschädigte Arc de Triomphe war durch Panzerfahrzeuge abgesperrt, nicht zu erreichen. Von der anderen Seite oder bei einzelnen Ausbruchsversuchen mit improvisiertem Schutz aus Holzplatten wurde die Demonstration mit Tränengas bedrängt. An sich verlief die Versammlung auf der Champs Élysée aber recht friedlich. Streckenweise sah das im Livestream von RT France wie ein kollektiver Spaziergang aus.

Die Kampfszenen spielten sich ausserhalb des "Kessels" ab. Brennende Autos und zerstörte Geschäfte und Bankfilialen, ein Block von Zerstörern wird durch die Gassen verfolgt, ohne dass die CRS sich diesem wirklich nähert, mehrere Male wird dokumentiert wie die Gilets Jaunes Akte der Zerstörung verhindern oder dies zumindest versuchen.

In den anderen Gegenden Frankreichs ist es nicht anders. Aus Toulouse werden harte Straßenkämpfe mit Schülern und Studenten gezeigt. Bordeaux hängt voll Tränengas, auch Nantes, Marseille, Grenoble, Lyon ... Laut Innenministerium waren landesweit 125000 Menschen beteiligt. 125 Verletzte. 1300 Personenüberprüfungen. Über 900 Festnahmen. In Brüssel versammelten sich in gespannter Stimmung belgische Gilets Jaunes vor den EU Parlament.

Und auch auf dem Lande, in der Provinz, egal wann man vorbeifährt, selbst mitten in der Woche, vor den grande surfaces (Einkaufszentren), an allen Mautstellen und Autobahnauffahrten, selbst im Dunkeln und auf dem Kreisverkehr im Nirgendwo rund um ein Feuer aberdutzende von Menschen, die debattieren, gestikulieren, lachen anstatt zu Haus alleine auf der Couch vor dem Fernseher ... Allein das ist die Bewegung schon mehr als wert. Hier wird das beredet, was die Regierung partout nicht hören, nicht wahr haben will, abstreitet, bagatellisiert haben will. Und die zensierten und verzerrten Versionen ihrer selbst in den Staatsmedien werden verlacht, auch von vielen die gerade nicht dabei sein können und das Geschehen indirekt verfolgen.

Unter den Teilnehmern kursieren in klassisch revolutionärer Manier diverse, anonym verfasste Listen mit Forderungen an die Regierung, oder besser an eine zukünftige Situation. Ja, es wird direkte Demokratie verlangt, echte Demokratie. Nein es geht nicht um Benzinpreise. Es geht vielmehr um gerechtere Besteuerung und Handlungsspielraum für diese Demokratie. Und zwar ultimativ.

Macron hat laut ”Figaro", einem der konservativsten Blätter, keinen Kommentar abgegeben und wird angeblich vor Montag auch nichts sagen. Keiner erwartet das von ihm, ausser vielleicht die konservativen Dienstleistereliten. Bei den Gilets Jaune erwartet man nur seinen Rücktritt. Wer 12 jährige Kinder festnehmen lässt, ihnen die Hände bindet und sie draußen mit dem Gesicht zur Wand auf die Knie zwingt, dieses Klischee eines totalitären Regimes inszeniert, der muss zurücktreten. Wer Macron gewählt hat, kann ihn auch absetzen. Da sind sich viele einig. Die Forderungen der Gilets Jaunes aber geben sich mit solchen Kleinigkeiten gar nicht erst ab.

Hier eine Liste (Übersetzung unten von mir), die heute auf der Champs Élysée kursierte:

"Nos 8 doléances

Nous rentrerons chez nous quand ces mesures seront appliquées

1. Nous voulons de la démocratie directe à tous les niveaux. Nous voulons un gouvernement d’union nationale avec une régence d’exception pour éviter que les partis politiques, qui sont disqualifiés, n’instrumentalisent notre détresse et notre colère.

2. Nous voulons une baisse de 20% de toutes les taxes et les charges touchant la classe moyenne, les travailleurs pauvres et les entrepreneurs. Baisser ces taxes, c’est monter nos salaires. Nous voulons une action immédiate pour taxer ce qui vaut la peine d’être taxé: les GAFA et les transactions financières.

3. Nous voulons que la France arrête de vivre au-dessus de ses moyens et arrête d’accueillir la misère du monde parce qu’elle et déjà dans la misère avec ses millions de personnes qui vivent sous le seuil de pauvreté. Nous voulons une immigration choisie, qui ne nous détruise pas culturellement. Nous demandons ainsi un retrait du pacte de l’immigration de l’ONU.

4. Nous voulons une relocalisation de toutes les décisions dans les régions, les villes et les communes. L’Etat et ses fonctionnaires à Paris ne sont pas qualifiés pour décider de l’avenir de nos communes.

5. Nous voulons une sortie de la PAC qui corrompt nos agriculteurs en n’allouant ses aides qu’aux productivistes et aux empoisonneurs répandant le cancer en France. Nos impôts ne doivent en aucun cas servir à financer Bayer-Monsanto.

6. Nous voulons la création de barrières commerciales pour empêcher l’Allemagne de nous vendre des produits fabriqués en Roumanie, sous le label "Deutsche Qualität" et d’ainsi détruire nos emplois.

7. Nous voulons le retrait de toutes les aides à la presse pour une vraie séparation des pouvoirs médiatiques et politiques.

8. Nous voulons une action immédiate pour arrêter l’intégration dans l’Europe car elle ne se construit que sur la ruine des petites gens."


Unsere 8 Klagen ( … auch Missstände)

Wir werden erst nach Hause zurückkehren, wenn diese Maßnahmen umgesetzt worden sind.

1. Wir wollen direkte Demokratie auf jedem Niveau. Wir wollen eine Regierung nationaler Union mit einer Ausnahmeregentschaft, um zu vermeiden, daß die politischen Parteien, die disqualifiziert sind, unsere Not und unsere Wut instrumentalisieren können.

2. Wir wollen eine Absenkung aller Steuern und Belastungen, die die Mittelschicht, die armen Arbeiter und die Unternehmer betreffen, um 20 %. Diese Steuern zu senken bedeutet, dass unsere Gehälter steigen. Wir wollen eine direkte Maßnahme, um da zu besteuern, wo sich die Mühe der Besteuerung auch lohnt : bei der GAFA (für Globalisten = Google/Apple/Facebook/Amazon) und den Finanztransaktionen.

3. Wir wünschen, daß Frankreich aufhört, über seinen Verhältnisse zu leben und aufhört das Elend der Welt zu empfangen, weil Frankreich schon im Elend ist mit seinen Millionen von Personen, die unter der Armutsgrenze leben. Wir wollen eine geregelte Einwanderung, die uns kulturell nicht zerstört. Wir fordern einen Rückzug aus dem Einwanderungs-Vertrag der UNO.

4. Wir wollen eine Relokalisierung aller politischen Entscheidungen in die Regionen (= Länder), die Städte und die Kommunen. Der Staat und seine Beamte in Paris sind nicht qualifiziert über die Zukunft unserer Kommunen zu entscheiden.

5. Wir wollen ein Aufhebung der PAC (”politique agricole commune” entspricht staatssubventionierter Agrarpolitik), die unsere Landwirte verdirbt und finanzielle Hilfe nur den kapitalorientierten Produktivsten (der Agrarindustrie) und den in Frankreich Krebs verbreitenden Giftmischern gewährt. Unsere Steuern sollen keinesfalls dazu dienen Bayer-Monsanto zu finanzieren.

6. Wir wollen die Schaffung von Handelsschranken, um Deutschland daran hindern zu können, uns in Rumänien angefertigte Produkte unter der Marke " Deutsche Qualität" zu verkaufen und damit unsere Arbeitsplätze zu zerstören.

7. Wir wollen die Rücknahme aller Subventionen zugunsten der Presse für eine wahre Trennung von medialer und politischer Macht.

8. Wir wollen direkte Maßnahmen zur Beendigung der EU Integration (Mitgliedschaft) weil sie ausschließlich auf dem Ruin der kleinen Leute beruht.

00:16 09.12.2018
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

iDog

Wem nützt eigentlich die Staatsgewalt ?
iDog

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