Stockholm Syndrom für Arme

Tabu Geldsystem, der Hebel der Herrschaft als Korruptionslotterie, Einschüchterungsprinzip, Abhängigkeitskarussell und Psycho-Horrortrip gegen den MUT zur Befreiung.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Für Otmar:

Es ist alles ganz harmlos, oder? Manche reden tatsächlich davon, manche schreiben sogar darüber - sogar in "fast" Bestsellern wie zB. David Gräber, aber insgesamt wenige. Hier im Freitag wird auch drüber geschrieben, von wenigen, aber hauptsächlich von Otmar, und genau wie die anderen woanders, wird er und das Thema auch hier im Freitag angegriffen. Es ist tabu, dieses Thema - großes Wort - Tabu. Es ist ein existenzielles Ritual unserer Gesellschaft Geld als solches nicht zu hinterfragen, denn es ist und symbolisiert die Herrschaft. Makumba, Voodoo, Hexerei?

Es ist ganz einfach - wirklich? Es gibt hier im Freitag diese gesellschaftlich repräsentative Gruppe von Teilnehmern, die in gewissem Maße symptomatisch ist für eine tragische Wahrheit. Fehlender Mut kann weder durch Bildung noch durch Wissen, nicht durch Intellekt, nicht durch Intelligenz und durch Erfahrung nur sehr bedingt ersetzt werden. Für die Betroffenen gibt es nicht viele Optionen. Und ist man erst einmal auf der Seite der Herrschaft, unter ihrem "Schutz" gelandet, gibt es oft kein zurück mehr ... ausser man nimmt all seine Sinne zusammen und fasst sehr viel MUT.

Jetzt wird's fast kompliziert. Denn eigentlich ist ja der Mut keine Tugend, sondern ne Art von Notlösung. Man löst sich in der erkannten Gefahr von all dem, was einen vorher anscheinend davon abgehalten hatte mutig zu sein. Kurz: Ohne Gefahr braucht's keinen Mut. Die Feiglinge und Warmduscher dieser Welt, möchte man meinen, kennen bzw. erkennen also sicherheitshalber erst gar nicht die Gefahr. Manche wollen einem sogar vormachen sie seien überaus mutig, gebildet, informiert, engagiert usw., nur man selbst, wenn man über die Ermächtigung des Geldsystems redet oder schreibt, sei ängstlich, weil man eine Gefahr sehe, die es gar nicht gebe - Paranoia? Nein... es ist meist andersherrum.

Das Tabu der anonymisierten Herrschaft darf nicht verletzt werden in einer Kasperletheater-Demokratie ? ...habt ihr auch alle brav gewählt? Man spricht nicht von der Herrschaft des Geldes ausser in propagandistischer Kürze und in bekannten fatalistischen Slogans wie: "money makes the world going round" oder "Geld beherrscht die Welt". Man spricht nicht darüber warum das eigentlich so ist. Da hört's also wirklich für die allermeisten Instanzen und Personen auf. Die Ursachen an sich werden schlicht negiert. "Die unsichtbare Hand" und ähnlich schlechte Kolportagen werden zum heilige Brimborium erhoben. Amen.

Warum wird so intensiv geschwiegen und warum werden die angegriffen, die nicht schweigen?

Natürlich gibt es echt schräge Vögel, die sagen ganz einfach : nö, ich bin finanzpolitischer Gnostiker, oder strenggläubiger Faschist, unterwürfiger Elitisten, empathieloser Rechtskonservativer, nationalistischer Rassist, christlicher Banker, neurotischer Abzocker oder dann doch ganz einfacher schmieriger Profiteur vonz Janze, bekennender Schmarotzer, "Gebrauchtwagenhändler" und was es dergleichen an Merkwürdigkeiten und Stereotype mehr gibt. Die alle weisen starke Neigung zu schwammigen Betondogmen oder zu verlogener und egozentrischer Linientreue, auch oft extreme Vereinzelung, gekünstelte Oberflächlichkeit und menschliche Distanziertheit auf. Verlorene im System, aber sie wissen genau was sie sind. Sie verstellen sich letztendlich nicht - immerhin. Sie wissen, sie brauchen den Schutz der Herrschaft für ihr Modell, aber die Gründe dafür kommunizieren sie gewöhnlich nicht. OK ist vielleicht privat oder geschäftlich oder beides. Das kann man als Realist akzeptieren, weil man eben weiß wo man dran ist. Man braucht ihnen nicht in die Falle gehen, wenn man ein wenig aufpasst.

Zum anderen gibt es die Heuchler in Varianten:

Die angeblich Überzeugten : warum es die gibt weiß oberflächlich gesehen keiner, denn "man" kann ja im allgemeinen lesen ... haben die sich in der Bibliothek im Gang geirrt? .... ist also ne hohle Nummer, denkt man.

Die heimlichen Masochisten und Sadisten: Das sind die, die eigentlich auf autoritäre Führung oder autoritäres Führen stehen ... gibt's ja ... wobei ich da entsprechende Privatbespielung im Spezialstudio empfehlen würde, anstatt sich und den anderen was vorzumachen und rum zu nerven.

Die Ignoranten: Wir wissen nie ganz genau ob die die Gefahren absichtlich ausblenden, weil sie eben einfach keinen Mut haben der Wirklichkeit ins Auge zu sehen, oder ob die kindliche Enttäuschung darüber nicht zu ertragen ist, dass nicht das die Wirklichkeit ist, woran man sie vorher hat glauben lassen, sie also auf Gedeih und Verderb einer Illusion treu belieben wollen, und damit meinen, sich selbst treu zu sein. Auch Ängste im konservativen, sozialen Umfeld unangenehm aufzufallen, mögen eine eher gruppendynamisch zwanghafte Rolle dabei spielen. Vielleicht halten sie dahingehend dem autoritären Druck von außen einfach nicht Stand, weil sie vielleicht immer schon "Jawohl Herr Vater" zu Papa sagen mussten. Oder sie sind einfach nicht gewohnt neue Informationen als Wirklichkeit zu erkennen, weil die entweder und wieder "sicherheitshalber" oder sogar zynischerweise mit dem allgegenwärtigen "Dumm kommt weiter" Spektakel verwechselt wird. Oder aber "man" meint, keine Zeit oder keinen Grund zu habe, zu überprüfen, welcher Info man nun trauen kann. Was zuletzt bleibt, ist fatalistische Selbstzufriedenheit. Man weiß dann eben einfach nicht wie's hinterm Haus aussieht, wenn man immer nur vorne aus dem Fenster schaut, aber genau dafür weiß man dann den Grund genau oder ahnt ihn zumindest: hinten sieht's nicht so gut aus und wer schaut schon gerne dem Hässlichen schlechthin direkt ins Gesicht. Igitt. Ekel. Vielleicht ist die Ignoranz aber auch ein unseliger Mix aus all diesem zusammen.

Die Naiven : Na ja, das gibt sich noch. Es besteht Hoffnung, dass die sich von der Wirklichkeit noch überzeugen, wenn sie drüber stolpern.

Die Idealisten : Man kann die in Wahrnehmungsgestörte und Realitätsentfremdete einteilen. Ignoranz gehört auch hier dazu. Einmal ist das "ethisch-humanistische" Ideal an das herrschaftskonforme Lippenbekenntnis, das lediglich aus Sinn leeren und rein theoretischen, aber von der Herrschaft offizialisierten Textfragmenten besteht, angelegt und dieses wird mit der Wirklichkeit verwechselt . Zum anderen bewegt "man" sich mit scheinbar besten ethischen Vorsätzen auf einer rein phänomenalen Ebene des Engagements ohne je die Ursachenebene zu erreichen oder erreichen zu wollen. Auf der Ebene der Phänomene kann man sehr leicht rechtschaffen und moralisch sein ohne je am Lack des Unterdrückungssystems und der eignen Sklaverei kratzen zu müssen. Das ist aber im Grunde nur pseudoselbstgerecht und vor allem inkonsequent. Genauso realitätsfremd ist auch die Annahme, man könne etwas wesentliches bewegen in der Gesellschaft, wenn man sich nur anderes verhalte zB. im ökologischen oder sozialen oder gar kommunikativen Bereich. Das mag zwar gut tun und der eigenen Ohnmacht scheinbar entgegenwirken, aber ohne das Geldsystem, Schlüsselelement der Herrschaft, je in das Motiv des Engagement mit einzubeziehen, macht man im Grunde die Sache nur noch schlimmer, weil man nur übers Stöckchen springt und das freiwillig macht, was woanders hart bezahlt wird und werden muss. Man will nicht wahrhaben, dass Herrschaft vor allem auf unbezahlter oder sehr schlecht bezahlter Arbeit beruht. Die Idealisten stellen sich also vor allem alle selber per Placebo einen Ablass und Persilschein aus und kollaborieren dabei mit dem Unterdrücker und Geiselnehmer. Da haben wir es : Das Stockholm Syndrom für Arme.

Die Täuscher sind ein ganz andere Kategorie: Man kann sie auch Soldaten, Söldner, Vollstrecker, Spitzel, Büttel, Sheriff (von Nottingham), Profidenunzianten, Wasserträger usw. nennen. Na, dazu brauch man eigentlich kaum was sagen. An sich sind das natürlich auch menschliche Tragödien, denn die haben schon längst verloren, sich aufgegeben - zum Teil ohne es zu ahnen. Manche fallen sozusagen beruflich unter eine der anderen Kategorien. Sie halten ihren Kopf hin und hoffen, dass sie ihn behalten, was nicht immer der Fall ist. Dass die, die ihn behalten, damit morgens noch in den Spiegel schauen können, muss am Überlebenstrieb liegen. Vielleicht haben die auch keinen "Spiegel". Sie hassen es auf jeden Fall wenn man ihn diesen vorhält.

Nun, soll erstmal reichen - es ist spät, die Liste bleibt immer unvollständig, klar - hat aber Spass gemacht sie mal in dieser simplen Form anzufangen.

Ich selber glaube eigentlich nicht daran, dass irgendeiner zu doof ist das simple Herrschaftsinstrumentarium zu verstehen. Es ist keinesfalls komplex. Es ist aber ritualisierter Glaube.

Glaube versetzt Berge. Wissen wir alle. Wir bräuchten also nur an etwas anderes glauben? Doch, doch, so dynamisch war Wirklichkeit schon immer. Nur die Herrschaft des Geldes zwingt den Glaubigen in die Ecke und der wird dabei anscheinend sogar zu rigide, um sich anpassen zu können, wenn es realitätsrelevant dringend wird..... und er sich in der Not in Mut verwandeln müsste .... siehe oben, denn hier schließt sich der Teufelskreis!

Vielleicht erwächst aber doch noch MUT aus der Not - in letzter Sekunde sozusagen - wie die Kavallerie über den Horizont sich ergießt? Die unheilvolle aber sakrosankte Geldpolitik ist nämlich noch nicht am Ende.

Wenn man nun gerade bekannten Analysten trauen wollte, dauert sie mindestens noch bis Oktober. Auch die angeblich mächtigste Bank der Welt sieht die Zukunft recht schwarz und räumt ein, dass die Finanzpolitik des billigen Geldes sowie die diversen "Rettungsmaßnahmen" seit 2008 gescheitert sind bzw. kontraproduktive Wirkungen zeigen. Wie immer weiß man nix genaues nicht. Tabu.

Nun kommt einem das nicht neu vor, oder? Was relativ neu ist, ist der vom hiesigen Griechenlanddebakel medial verdeckte China Crash, .... man hörte davon ?... wo in kurzer Zeit angeblich mehrere Billionen Dollar verdunstet sind.

Macht das was? Die Ganzgroßanleger sprechen bei Bloomberg von unabsehbaren Folgen größer als die des Subprime Crashs 2008. Man spricht auch gerne von einem neuen 1929. Warum wohl? Die Welle hat die EU aber offensichtlich noch nicht ganz erreicht, oder?

Vielleicht kommt sie bis Oktober an? Wir werden es nicht vorher erfahren. Die Rechenkasper verkaufen ihre genaueren Prognosen ja nicht der Yellowpress. Und die würde natürlich keine Konsequenzen daraus ziehen können. Tabu.

Katastrophen verkaufen sich zwar im allgemeinen bestens, aber der Zusammenbruch herrschender Märkte kratzen doch, wie wir bemerken können, am Tabu.

Mut?

Wenn man dieses eher simple Resümee jetzt noch wissenschaftlich, philosophisch unterlegen will, würde sich folgendes Zitat anbieten:

"Der offenkundige Widerspruch zwischen den befreienden Möglichkeiten der technischen Umgestaltung der Welt, zwischen dem leichten und freien Leben einerseits und der Intensivierung des Existenzkampfes andererseits, erzeugt bei der unterworfenen Bevölkerung jene sich steigernde Aggressivität, die (wenn sie nicht gesteuert wird, den angeblichen Feind zu hassen und zu bekämpfen) jedes passende Ziel trifft: Weiß oder Schwarz, den Einheimischen oder den Fremden, den Juden oder Christen, Reich oder Arm. Das ist die Aggressivität jener, deren Erfahrung verstümmelt, deren Bewusstsein und Bedürfnisse falsch sind; die Aggressivität der Opfern der Repression, die wegen ihres Lebensunterhalts auf die repressive Gesellschaft angewiesen sind und daher die Alternative verdrängen. Ihre Gewalt ist die des Establishments und nimmt die Figuren zur Zielscheibe, die, zu Recht oder zu Unrecht, anders zu sein und ein Alternative zu repräsentieren scheinen." (Herbert Marcuse : Versuch über die Befreiung , 1969)

Mit anderen Worten: Die Unorthodoxen werden systematisch verurteilt und gehasst, weil man sich nicht selbst bewusst hassen will für seine Ignoranz und Feigheit. Macht man sich diese systematische Abgrenzung gegen notwendigen und dynamischen Wandel, diese zu Programm und Pogrom erhobene Alternativlosigkeit des Systems bewusst, braucht man über die Gefahren nicht weiter zu spekulieren. Jeder Versuch sie zu widerlegen oder zu negieren wird zur eindeutigen Psychose des unfreiwillig Subordinierten in einem zum Untergang geweihten Gewaltsystem und auf der gesellschaftlichen Eben schlicht zum Faschismus als business as usual.

Gewalt ist das Gegenteil von intelligenter Wahrnehmungsfähigkeit und phantasievoller Strategie. Demjenigen, denjenigen , die in der Falle sitzen, wird es nicht viel nützen sich gegen ihresgleichen hasserfüllt zu erheben. Nur wer die Falle erkennt und versteht, kann ihr entkommen. Aber wem sag ich das?

13:43 27.07.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

iDog

Wem nützt eigentlich die Staatsgewalt ?
iDog

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