The Global War On Truth - reloaded?

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Ein Versuch zu Cyberwar-Blitzableitern und Desinformations-Modulatoren:

Wie verfahren die gesellschaftspolitische Situation zumal der so genannten "Linken" oder allgemeiner der gesellschaftskritischen Opposition wirklich ist, kann man sehr treffend beschrieben in Slavoj Zizek's Werk "Auf verlorenem Posten" (von 2009) nachlesen. Dass dieser die Umstände, d.h. die Positionierung der Kritik zwar als weitgehend hoffnungslos aber trotzdem als nicht möglichkeitslos zu deuten weiss, zeichnet ihn allerdings aus vor alle denen, die er einerseits in diesem Werk kommentiert und die man als thematisch interessierter Leser andererseits, ohne dass diese einer expliziten Erwähnung bedürften, einschließt und einschliessen muss in diese kritische Sicht. Der angeblich selbstverständlichen Objektivierung wie Naturalisierung des Kapitalismus der akuten neokonservativen - wie liberalen Prägung und deren totalitär-imperialem Machtanspruch steht was noch gegenüber?

Fazit ist hier so gesehen, dass eine sich der Aufklärung unter diversen Schwerpunkten verpflichtende "grassroots"-Bewegung der einzig valable Ansatz zur nachhaltigen, gesellschaftlichen Veränderung bleibt. In ihrer eine mögliche Zukunft antizipierenden Utopie geht diese Bewegung von der "Katastrophe", und zwar der gesamtgesellschaftlichen, als einer akut gegebenen aus. Alleine darin liegt die einzige verbleibende Option. Denn nur so wird ein konsequentes Reagieren aller, denn alle sind nun betroffen, ad hoc gewährleistet unter der Prämisse jetzt, sofort zu retten, was überhaupt noch zu retten möglich ist, bzw. ab sofort einen progressiven Weg einzuschlagen entgegen jeder tendenziell totalitären, gewaltbesicherten und ideologisch stagnativen Restaurationsbestrebung genauso überkommener wie autoritärer Tradition von "oben", was immer dieses "oben" für den Einzelnen bedeuten mag.

Dieser grassroots-Ansatz bleibt der einzig valable, weil er die so gegebene Notwendigkeit eines Handlungsbedarfs eben nicht nur auf einen frei Schnauze zu bestimmenden Zeitraum zu projizieren und also auszusetzen versucht, um sich solchermaßen, wie von politisch "autorisierter" Seite faktisch praktiziert, in für die Allgemeinheit sinnleeren Vorschlägen von "höherer" Interesseninstanz zur Abwendung der angeblich zu erwartenden wie angstschürenden "Katastrophe" zu ergehen, welche sich logisch aber ausschliesslich aus der ebenso banalen wie relativen Deutungshoheit der herrschenden Klasse ergibt, mit der diese den zu wenig kritischen Bürger auf ohnmächtige Linientreue einzuschwören versucht.

Dieselbe Elite interpretiert aus ihrer interessenbeschränkten Sicht den besagten grassroots-Ansatz, diese Hilfe zur Selbsthilfe, als nicht autorisierten, quasi anarchistischen Versuch, der im Extremfall als staats- und kapitalismusfeindlich, sogar als terroristisch belastet wird, besonders wenn er in Manifestationen umschlägt. Die Elite schreckt also seit mehreren Jahren schon nicht mehr davor zurück prophylaktisch die Gesetzgebung angeblich demokratischer Staaten anzupassen an einen zu erwartenden Aktionismus von "unten", der nichts anderes ist als eine Reaktion der Multitude auf das Scheitern der ureigenen, elitären, politischen Agenda. Man lese dazu z.B. den "Lissabon Vertrag", von dem man nur vermuten kann, wer ihn mit wem geschlossen hat. "Wir" sind jedenfalls nicht die Unterzeichner, firmieren aber dennoch als "Geltungsbereich".

Ich gehe also im Folgenden davon aus, dass eine in der Corporate-Structur anonymisierte, herrschende Klasse von nur gut hundert Familienclans, ihrerseits repräsentiert von eine politischen Dienstleisterelite von z.B. Clintons, Bushs, Cheneys, Kissingers, Brezezinskis etc. inklusive deren Wasserträger nicht nur im atlantischen Bündnis, und organisiert in entsprechend steiler Hierarchie durch finanzökonomische wie geopolitische Organe à la Council of Foreign Relations (CFR), Bilderberg Group, Trilaterale Kommission, IWF, World Bank, Pentagon, NATO, EU, FED, EZB, UNO und weiteren diesen untergeordneten Organisationen wie z.B. OSI, CIA usw. sowie unterstütz durch die public-relation Kapazitäten der globalen Corporate-Media, ... dass diese Elite also von einer irrealen ökonomischen Ideologie sich wissentlich leiten lässt, die jeden wirtschaftstheoretischen Erkenntniszuwachs seit Keynes und Schumpeter praktisch negiert, da dieser zwangsläufig den eigenen totalitären Herrschaftsanspruch - in den westlichen Kernstaaten von repräsentativer Demokratie obskuriert - in Frage stellen würde.

Dass sich die Elite genau damit selber das Wasser abgräbt, bezeugt die mitunter als inszeniert gedeutete ökonomische Krise, in der unsinnige "Austeritätspolitik" als Euphemismus für Zinssklaventum im Sinne eigener Gläubigerinteressen zum Unwort für den letzten Raubzug einer Eigentümerelite an der ureigensten opportunen Unterstützergemeinde eines glaubensgetriebenen Ponzi-Geldsystems wird, und dieses System gleichzeitig genau damit und paradoxerweise in die völlige Zerstörung zu treiben im Begriff steht.

Die durch digitale Technologie erst möglich gewordene, allgemein als "Globalisierung" missinterpretierte letzte "Turbophase" dieser elitären Ökonomie wie auch Strategie, also der im Ergebnis rasante Ge- und Missbrauch der digitalen Technologie durch die ökonomische Elite, ist eine als "Fortschritt" propagierte Primärnutzung durch die investierende Elite. Gleichzeitig wird in historischer Kontinuität versucht diese technologisch-mediale "Revolution" in jeder Hinsicht zu bekämpfen, soweit diese der Selbstverständlichkeit des aktuellen Herrschaftsanspruchs widersprechen oder entgegenwirken könnte. Eine der Machtpolitik entgegengesetzte Nutzung des Mediums Internet von "unten" ist ebenso eins der ersten Stunde, führt aber scheinbar relativ spät, erst nach 16 Jahren, zu ersten als relevant gedeuteten Verwicklungen und angeblich konkreten politischen Ergebnissen, wenn man dies so zu sehen geneigt ist.

Innovative Medien und medialer Wandel haben immer ein revolutionäres Potenzial - siehe auch in meinem Artikel von 2008: "Das Gutenberg-Phänomen". Dass dieses Potenzial auch von Seiten der Mächtigen erkannt wird und folglich durch Zensur und andere repressive Maßnahmen unterdrückt werden soll, ist logisch. Aufklärung ist Klassenkampf basierend auf den gegebenen medialen Möglichkeiten. Sie erfährt durch ein neues Medium nicht nur eine Renaissance. Das Medium selbst redefiniert als "Message" Gesellschaft. Der Ausgang der "digitalen Revolution" indes bleibt bislang immer noch ungewiss.

Mit der als ersten, "echten" Cyberwar bezeichneten mediengestützten Auseinandersetzung zwischen Wikileaks inklusive deren "anonymen" Supportern aus der angeblichen Hackerszene und der etablierten Machtelite bzw. deren Repräsentanten ist kürzlich ein durchaus intransparenter und bedeutungschwangerer Aspekt der "digitalen Revolution" in den populärpolitischen Fokus gehoben worden.

Eine nicht übersehbare Allgemeinheit sympathisierte sich umgehend mit der Wikileaks-Plattform, deren Repräsentant Julian Assange und deren strategischem Ansatz zur Transparentmachung politisch obskurierter Inhalte. Geschah dies wohlmöglich als ein Griff zum berüchtigten Strohhalm in einer scheinbar ausweglosen, gesellschaftlichen Situation, aus einer ohnmächtigen Selbstbeurteilung der Solidaritätswilligen, die in Anlehnung an die eingangs angesprochene Position als eine "auf verlorenem Posten" bezeichnet werden müsste?

Die Hoffnung auf einen Retter, einen mythischen Held, die trompetende Kavallerie der letzten Sekunde stirbt angeblich als Letztes. Den Hollywoodvergleich hier hat der Forist "Foxel" ( im ZEITforum) bereits auf den kritischen Punkt gebracht. All dies erfuhr durch die an Willkür und Rechtlosigkeit mahnende Verfolgung Assanges eine emotionale Emphasis sonder Gleichen. Nur für welche Wahrheit erhebt sich hier wer?

Nachdem der erste Hype um Wikileaks abgeklungen ist, gibt es natürlich berechtigte Versuche auch Wikileaks selber unter die Lupe zu nehmen, denn aus einerseits verständlichen andererseits aber als inkonsequent interpretierbaren Gründen, wissen wir alle über Wikileaks so gut wie gar nichts.

Auf den ersten Blick wird jedem klar, dass es sich bei Wikileaks nicht um einen "grassroots"-Ansatz handeln kann. Allein die Bedeutung des Internets als militärisch-ökonomisch genutzte Waffe, als ökonomisch, primärgenutztes Instrument der Finanzelite und natürlich als aktuelles Primärziel der politischen Dienstleister für Gesetz gebende Maßnahmen bezüglich Zensur und somit Beschränkung der Meinungs- und Pressefreiheit, die trotz der allgegenwärtigen, juristisch wasserdichten Declaimer bis in eine kleinlichste Praxis der Willkürzensur gemäss einer linientreuen Political-Correctness sich bereits in vorauseilendem Gehorsam steigerte, geben Hinweiss auf komplexere Zusammenhänge als so manchem hoffnungsfrohen Wikileakssympatisanten lieb sein können.

Die digitale Verschlüsselungstechnik als Basis jeder strategischen Nutzung der digitalen Medien und des Internets wirft einen weiteren langen Schatten auf diese Zusammenhänge, da die entsprechende Branche als durchaus etablierter Teil der Sicherheitsindustrie angesehen werden muss. Die Tatsache, dass gerade bekannte Hacker mitunter integraler Bestandteil dieser im weitesten Sinn politisch wichtigen Industrie sind, macht aus ihnen nicht eben Mitglieder einer grassroots-Bewegung.

Darüber hinaus gibt besonders die Tatsache zu denken, dass die Wikileaks Organisation sich mit ihren Leaks an die klassischen Corporate-Media wendet, welche historisch belegbar immer schon die Herolde der Corporate-Structur und deren monetären und geopolitischen Interessen im Sinne ihres industriell-militärischen Komplexes waren. Dass dies wiederum gerade als genialer Coup interpretiert wurde, ist verständlich, wenn man bemerkt, dass diese Deutung nicht aus der grassroots-Ecke kam, sondern eine Interpretation derselben Mainstream-Medien ist. Genauso wie nun die gesamte öffentliche Interpretation von hunderttausenden von Leaks logischerweise weitgehend von diesen selben Dienstleistern der Machtelite bestritten wird. Ja sind wir denn zu dumm, um uns selber ein Bild aus dem Material machen zu können?

Den Untergang der elitären Deutungshoheit eines Meinungs- und Realitätsmonopols stelle ich mir nun, nachdem die erste hoffnungsfrohe Euphorie verflogen ist, dann doch ganz anders vor. Man fragt sich unweigerlich, warum gerade diesen Corporate-Media und durch diese dann als Intermediär sogar dem Weissen Haus, dem US-Aussenministerium, dem Pentagon selber bestimmte geleakte Datensätze vor Veröffentlichung zur Beurteilung zugestellt wurden? Und ganz allgemein: warum werden bestimmte Datensätze nicht vollständig veröffentlicht? Warum gibt es keinen direkten Zugang zu allen geleakten Daten für jeden?

Weiter fragt man sich, immer noch einen subversiven Akt voraussetzend, und ich zitiere hier zustimmend den aufmerksamen Foristen "Montaigne", warum sich Wikileaks dann nicht an die profilierten Vertreter des unabhängigen und investigativen Journalismus gewendet hat. Es gibt ja durchaus Leute wie John Pilger, Noam Chomsky, Michel Choussudovsky etc., Zeitungen wie "Le Monde Diplomatique", "Liberation", etc., Portale wie "Democracy Now", die "Nachdenkseiten" etc.. Warum wendet man sich nicht direkt an die gesellschaftskritische, politische Opposition, die Piratenparteien oder andere basisdemokratisch orientierte Bürgerinitiativen, generell an die, welche der Redemokratisierung verpflichtet sind? Wie subversiv können denn die bisherigen Leaks wirklich sein, wenn sie ausschliesslich von den eliteeigenen Medien interpretiert werden? Wird hier je ein totalitärer Machtanspruch in Frage gestellt werden können, und wenn ja wessen Anspruch?

Konsultiert man daraufhin jüngste Analysen zum Background und zur Personalsituation von Wikileaks: z.B. "Who is behind Wikileaks?" von Michel Chossudovsky oder "Who's who at Wikileaks?" von Julie Léveque" ( beide auf www.globalresearch.ca) wird ein gesunder Skeptizismus geweckt, der der angeblichen Relevanz der Wikileaks-Affäre gerecht wird, die immerhin nicht weniger erreicht haben will als besagtes Aushebeln der elitären Deutungshoheit im Sinne einer Demokratisierung der Gesellschaft durch mehr politische Transparenz bzw. die daraus entstehenden Möglichkeiten der Kontrolle von wenig demokratischen Regierungen. Nach Wikileaks eigenen Angaben bezieht man sich hierbei allerdings besonders auf undemokratische Regimes in Asien, im ehemaligen Soviet-Block, im Mittleren-Osten und in Sub-Sahara Afrika.

Hierbei ist nicht sicher wo der blauäugig anmutende Anspruch WIkileaks: "... keep Gouvernments open" denn praktisch ansetzen soll. Bislang hat kein Leak jemals zu politischen Konsequenzen für die herrschende Elite geführt, weder hier noch in den benannten Regionen. Man hat eher noch den Eindruck, dass vielmehr von der Elite bevorzugte Pseudoantagonismen weiter popularisiert werden konnten und das aus Ermanglung an skeptischer Distanz wohlmöglich gerade in Kreisen angeblicher Systemkritiker oder hoffnungsvoller Sympathisanten einer Rettung aus dem hollywoodschen Nirgendwo.

Ich gebe zu, dass es auch mir anfangs nicht anders erging. Ich war verblüfft und für einen Augenblick geblendet von soviel Hybris und Chuzpe.

Natürlich ist in diesem Zusammenhang nun die Frage, wer uns diese angebliche Transparenz überhaupt beschert, mehr als legitim, um dann den Anspruch Wikileaks auf ihre behauptete Vertrauenswürdigkeit wirklich beurteilen zu können und um eben nicht nur unreflektiert zum Gläubigen an einer weiteren desinformativen Zumutung zu mutieren.

Die in den verlinkten Artikeln (siehe ganz unten) beschriebenen Verbindungen von Wikileaks zur besagten Machtelite bzw. zu deren Dienstleisterorganen ist zumindest bemerkenswert - vielleicht unvermeidbar? Wer vermag das zu beurteilen?

Richtig ist sicher: jeder sollte sich gerade zu dieser Frage sein eigenes Bild machen können, ansonsten kommen wir nicht weit mit der vertrauenswürdigen Transparenz. Diese beruft sich im Moment lediglich auf eine oberflächliche Bloßstellung einiger Machtdienstleister, also Gesichtsverlust für Leuten, die bei der interessierten kritischen Öffentlichkeit sowieso keinerlei Reputation geniessen, und auf eine oberflächliche Blamage bezüglich der investigativen Fähigkeiten der Corporate-Media, die von entsprechenden Kreisen aber auch noch nie für fähig, willens oder gar vertrauenswürdig gehalten wurden. Einmal mehr begegnen wir der Offenbarung des bereits Offenbaren und kommen zu einer dramatisch anmutenden Koinzidenz.

In einem der verlinkten Artikel wird ein Paper aus dem "Office of Information and Regalatory Affairs" der Obama Administration zitiert, in dem ein Mr. Cass Sunstein von der weitgehend corporation-finanzierten Harvard Law School zum Thema "Conspiracy Theories: Causes and Cures" der US-Regierung unter anderem folgenden Ratschlag erteilt: ".... enlist nongovernmental officials in the effort to rebut the [conspiracy] theories. It might ensure that credible independent experts offer the rebuttal, rather than government officials themselves. There is a tradeoff between credibility and control, however. The price of credibility is that government cannot be seen to control the independent experts.”

Diese und andere Empfehlungen Sunsteins erinnern auf bemerkenswerte Art an das Phänomen "Wikileaks". Dass sich Wikileaks an verschiedenster Stelle ohne Not als ausdrücklich nicht regierungs- oder geheimdienstgesteuert auszuweisen versucht mit der simplen Behauptung, dass sie ja veröffentlichen, was diese gerade verheimlichen, hilft da auch nicht wirklich weiter - schon wegen der erwähnten Kritik an der "Offenlegung" bereits bekannter Tatsachen.

Eine als "wikileaks leak" bezeichnete Veröffentlichung, welche ein ehemaliges Mitglied der Organisation schon in der Gründungsphase der Organisation wiederum zum Thema der Gründung leakte, wird als einer der wenigen verfügbaren transparenten Inhalte zu Wikileaks selbst aufgeführt. Besagtes ehemaliges Mitglied, John Young, will damit seine Distanzierung von der Organisation erklären, die er als unterwandert ansieht.

Weiter fällt in dieser Hinsicht selbstredend auf, dass sich Wikileaks bezüglich der kühnsten Hoffnungen von Seiten der Gesellschaftskritik, nämlich dass endlich auch klärendes Material zum Casus Belli: "9/11" auftauchen möge, als bislang enttäuschend erwiesen. Nun ist nicht aller Tage Abend, aber die bekanntgewordenen Äusserungen des Wikileakssprechers Julian Assange, er halte 9/11 für eine irrelevante Verschwörungstheorie, scheinen gerade den Grassrootsbewegungen in den Rücken zu fallen, die seit Jahren nicht ohne Erfolg bemüht sind Klarheit in diese extrem intransparente Informationslage zu bringen. In diesem Zusammenhang fällt den kritischen Beobachtern auch die völlige Absenz jeglicher direkter Information zur ans Kriminelle grenzenden Bush/Cheney Politik auf.

Zusätzlich dazu entgeht den Kritikern nicht, dass in den akuten "Cabelgate" Veröffentlichungen so gut wie keine Infos zur brisanten israelischen Politik und dem damit verbundenen Krisenherd enthalten sind, obwohl laut internen Angaben an die 4000 Cabels dazu vorliegen sollen. Nach Aussagen eines weiteren Wikileaksaussteigers besitz Assange alleine das Password für diese TelAviv- Cabels. Man fragt sich ob deren bisherige Auslassung bereits selbst eine Information ist.

Ein letzter obligatorischer Punkt der Betrachtung muss hier dann auch sicher das berühmt gewordene "assurance file" sein, das Wikileaks über Torrentbörsen zur Verfügung stellte und das wie bekanntgegeben mit 256 Bit verschlüsselt ist. Der Schlüssel werde sofort veröffentlicht, heisst es weiter, wenn Wikileaks etwas zustosse. Das File ist viele hunderttausendmal heruntergeladen worden und befindet sich nun weltweit auf privaten Harddisks der Sympatisanten. Auch jeglicher Geheimdienst dieser Welt, das Pentagon, das Weisse Haus und wer immer involviert sein sollte oder sich berufen fühlt, wird dieses Angebot wahrgenommen haben, mir dem kleinen Unterschied, dass die meisten von diesen Kandidaten im Gegensatz zu den solidarischen Anhängern der Wikileaks'-Vertrauenswürdigkeit jetzt schon über die entsprechende Entschüsselungstechnik verfügen und also wissen was in dem File alles steckt. 256 Bit ist nicht unknackbar. Wenn man seriös ist, muss man sagen, dass dieser Eiertanz mehr als zweifelerregend ist. Auch Wikileaks weiss natürlich, dass alle üblichen Verdächtigen also alles wissen. Nur "wir" wissen mal wieder nichts. Ist das ein zentrales Symbol?

Wir haben natürlich diesbezüglich auch erfahren, dass Julian Assange ein professioneller Cryptologe ist, der zumindest in der Vergangenheit nicht nur für die NASA arbeitete, sonderen dass auch dessen Kontakte zum "Los Alamos National Laboratory" belegbar sind.

Nun liesse sich diese Liste noch lange fortsetzen. Der skeptische Ansatz sollte aber längst klar sein, ebenso wie die Frage, ob hier nur eine verzweifelte "kritische Masse" von Bürgern irregeführt werden soll, die sich allmählich auch aus immer mehr erst jüngst unzufrieden gewordenen, sich in der Krise Politisierenden, sich an der Austeritätspolitik Echauffierenden zusammensetzt.

Einen Vergleich hierzu finden wir sicher bei genauem hinschauen in dem weitverbreiteten Glauben an eine internationale Politik gegen die angeblich so katastrophale Klimaerwärmung, mit der die Bereitschaft der Bevölkerungen zum notwendigen Umweltschutz bezüglich Wasser- Boden- Nuklearverseuchung etc. in eine ablassorientierte und ineffektive Subventionskampagne zugunsten der initial verseuchenden Industrie selbst und deren zunehmend monopolistischen Angebotsökonomie verwandelt wurde.

Dass das so genannte "Climategate" selber wiederum von WIkileaks initiiert war, darf selbstredend nicht vergessen werden. Allein dies verhindert anscheinend nicht, dass es bereits jetzt, nach einem Jahr vergessen ist.

Diese Tatsache allein kann zu einer erstaunlichen Konklusion führen. Ist erst einmal das öffentliche Potenzial an Entrüstung zu einem gegebenen Missstand oder Betrugsversuchs von oben unter "sakraler" Opferung eines angeblich Schuldigen durch die mediale Verwertung einer als vertrauenswürdig angesehenen Quelle gegangen, verliert sie offenbar zumindest bei den weniger alerten Informationskonsumenten bzw. Betroffenen an Relevanz. Man meint dann wohlmöglich, man wisse Bescheid und vertraut auf den "gerechten" Gang der Dinge, den es freilich nur theoretisch gibt, der so genannten vierten Instanz einer nicht mehr vorhanden Gewaltenteilung. Eine informative Unsicherheit einerseits, weiterer Informations- oder gar Handlungsbedarf andererseits besteht dann scheinbar nicht mehr. Das business-as-usual nimmt eher ungestört seine weiteren Verlauf, wenn nicht Kritiker und Skeptiker in Bausch und Bogen diskreditiert werden konnten, um nebenbei auch auf so genannte "Kunstrasen"- Initiativen im Web wenigstens hingewiesen zu haben.

Wenn man will kann man darin ein Muster erkennen, dass auf die bereits mehrfach erwähnte "investigative" aber nichts desto trotz Effekt reiche Veröffentlichung von bereits Bekanntem deutet, um die ebenso bekannten politischen Ziele möglichst unbehelligt weiter verfolgen zu können oder im schlimmeren Falle revolutionäre Energie möglichst von den Strassen fernzuhalten, in den virtuellen Raum verlagern zu können, wenn nicht ganz in wenig couragierte Entrüstung abzuleiten.

Eine herrschende Elite und deren Machtanspruch sehe ich bis auf Weiteres nicht in Frage gestellt.

Bisher erkenne ich eher einen neuen Blitzableiter mit al-goreschem Potential. "Wir" bekommen zwar unser tägliches Quantum kontrollierter Transparenz zur durchaus persönlichen Verfügung - Recht muss Recht bleiben, aber Kontrolle bekommen "wir" hierdurch noch lange nicht - und ganz sicher nicht über Regierungen.

Zu befürchten ist eine gewollte Banalisierung der "Revolution", eine Digitalisierung und Virtualisierung derselben, wie sie uns auch die Beliebtheit des Hollywoodschinkens "Avatar" nahebrachte. Erleben wir hier also die planmäßige Reduktion des befürchteten, gesellschaftlichen Widerstands gegen einen totalitären Machtanspruch auf einen Spendenaufruf, gar einen billigen Spendenskandal - auch hier als Paralele zum zweckentfremdeten Umweltschutz? Ergibt das alles schon ein "Wikileaksgate"?

Es scheint sich hier anzubieten an den von Slavoj Zizek vielzitierten vierten und bemerkenswerterweise ausgelassenen Teil der "Rumsfeldschen Erkenntnistheorie" zu erinnern. Nach dieser gibt es nämlich Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie wissen, Dinge, von denen wir wissen, dass wir sie nicht wissen und Dinge von denen wir nicht wissen, dass wir sie nicht wissen. Laut Zizek hatte Rumsfeld bei seiner bauernschlauen Ausführung aber den wichtigsten Aspekt der Wirklichkeit unterschlagen: die Dinge von denen wir nicht wissen, dass wir sie wissen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit !

iDog

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Ich bitte Sie die vier hier angeführten Quellen und auch die darin verlinkten weiterführenden Quellen zu konsultieren, um sich eine persönliches Bild machen zu können.

Who is behind Wikileaks?

Who's who at Wikileaks?

Wikileaks beyond Wikileaks

Wikileaks: Play the ball - not the man - and check who's kicking it

16:35 26.12.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

iDog

Wem nützt eigentlich die Staatsgewalt ?
iDog

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