The Grand Chessboard : Rochade

Petrorubel Der Petrodollar und seine Folgen sind bekannt. Putin greift in die Zauberkiste der politischen Tabus. Nächster Zug: Obama? CIA ? Oder ...?
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Es gibt rote Teppiche und rote Linien in der Politik. Wie es scheint hat Vladimir Putin eine der bekanntesten dieser politischen "red lines" gestern überschritten. Es ist dieselbe, die zumindest bei zweitrangigen Landesfürsten den roten Teppich im Nu in einen Bombenteppich verwandelte. Magic?

Aber hatte sich Zbigniew Brzezinski das so vorgestellt?

Aug 14 (Reuters) - "President Vladimir Putin said on Thursday Russia should aim to sell its oil and gas for roubles globally because the dollar monopoly in energy trade was damaging Russia's economy".

Reuters fügte folgendes Zitat Putins hinzu: "We should act carefully. At the moment we are trying to agree with some countries to trade in national currencies."

Einen Angriff auf den Petrodollar hat bislang niemandem gut getan. Alle, die es bislang versucht haben, sind Geschichte. Im Fall Libyen muss man wohl ein Leider hinzufügen, denn ein Teil der Hoffnungen und Optionen Afrikas sind dabei gleich mit untergegangen.

Man sagt nun sicher nichts neues, wenn man feststellt, dass der lange angekündigte Ressourcenkrieg in der Öffentlichkeit angekommen ist. Putin spielt diese im Westen gerne obskurierte Tatsache jetzt aus wie einen Joker. Er scheint sich sicher zu sein. Er geht das westliche Wirtschaftsimperium an seiner empfindlichsten Stelle an.

Selbst ein Bluff dieser Größenordnung würde mehr Druck an der Wallstreet erzeugen, als dem atlantischen Wirtschaftsraum bzw. dem Sanktionskommité in Sachen Russland recht sein kann.

Von einer Reaktion der USA (+EU) auf diese Aussage auszugehen ist nicht unrealistisch. Es darf noch orakelt werden wie die wohl aussehen wird. Spannung in den nächsten Tagen scheint garantiert zu sein. Man kann sich den Schaum vor den Mündern der bekannten Darsteller lebhaft vorstellen - womit jetzt nicht die Zweitliga der deutschen Politik gemeint ist, die sich verwirrt oder wie meistens vorschnell zu orientieren versucht. Von Frau Merkel wird man, wenn alles gelaufen ist, hören, sie habe telefoniert. Darauf nehme ich noch Wetten an.

Die Farce nimmt also ihren Lauf. Wir wissen nur nicht genau ob es wirklich etwas zu Lachen geben wird. Was soweit feststeht ist, dass Putin, ob man das nun mag oder nicht, mit dieser Ankündigung nach Punkten führt. Er hat meines Wissens noch kein Militär oder militärische Stellvertreter ins "Spiel" gebracht. Wen wundert es da, dass er bei manchen als Sympathieträger gilt, als unbewiesen Beschuldigter, als diffamiert ... und jetzt auch noch als geschickter. Das tut weh.

Die sogenannten "humanitären Interventionen" der jüngeren Vergangenheit sowie die aktuellen Krisen in der Ukraine, in Gaza und im Nordirak galten und gelten fossilen Brennstoffen. Wer sich dazu Sand in die Augen streuen lässt vom politischen Geschwurbel sollte ganz besondere Aufmerksamkeit auf sich wiederholende Formulierungen richten in den sicher nicht fehlenden Kommentaren zu Putins Ankündigung.

Obama: nächster Zug? Was wird er sagen? Wird der CIA reagieren?

Wenn man sowieso schon den Eindruck hatte, dass die westliche Allianz nicht nur am Ende ihrer Strategie angelangt ist, sondern auch Eigentore schießt - siehe Putins Importverbot von europäischen Agrarprodukten - bei diesem gigantischen tit for tat, dann kann man besonders gespannt sein.

Ist das gar das Ende einer Epoche, das angekündigte Ende des Dollars?

Kommt nach der roten Linie, der rote Knopf? Keiner will das natürlich. Zutrauen tut man es dem einen oder anderen dennoch.

Wird nur der Rubel geboostet mit diesem "Angebot" und die Investorinnen und Fonds werden das "Match" entscheiden ?

Was sagen die Chinesen dazu? Mit denen hat sich Herr Putin vielleicht ins Einvernehmen gesetzt - oder nicht?

Wir schauen einem Prozess zu, dessen Ausgang wie immer nicht antizipierbar ist. Man kann nur hoffen dass Vernunft walten wird. Die sinnvollste Reaktion ist in solchen Situationen zuweilen einfach nicht zu reagieren - die Sache zu übergehen und sich etwas anderes, sinnvolleres auszudenken - vielleicht auch mal ein echtes Angebot - wenn Augenhöhe der status quo ist.

02:55 15.08.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

iDog

Wem nützt eigentlich die Staatsgewalt ?
iDog

Kommentare 24

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