Igor Hirsch

Diplom-Kulturwissenschaftler und ein Täter des Worts.
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RE: Auf der Suche nach Schuldnern | 30.01.2012 | 21:41

Ich wundere mich über das "stimmt nicht" und das fehlende "andererseits". Sie machen lediglich eine Ergänzung, nämlich ein weiteres Negativum des Kapitalismus. Wenn es denn überhaupt eins ist.

Konjunktur ist die Schwankung um den langfristigen Trend. Die Entwicklung in der langen Frist ist das Wachstum des BIP. Natürlich ergeben sich im Laufe der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung des Kapitalismus Produktivitätssteigerungen und Verschiebungen in den Wirtschaftssektoren. Wenn der Kapitalismus, aber die Arbeit zur Produkthersstellung irgendwann überflüssig macht. Ist er dann gut oder schlecht?

RE: Auf der Suche nach Schuldnern | 29.01.2012 | 14:11

Es gibt eine Reihe von Konjunkturtheorien, welche den Zyklus der Konjunktur erklären möchten. Das wiederkehrende Auf und Ab der Konjunktur ist eine historische Tatsache. Keiner der vielen ökonomischen Lösungsansätze, noch ihre praktische Umsetzung in der Wirtschaftspolitik, konnten diesem Verlauf Einhalt gebieten. Wiederkehrende Krisen gehören zum Wesen des Kapitalismus. Das kapitalistische System ist nicht perfekt. Gibt es das perfekte System überhaupt? Der Kapitalismus hat Vorteile und Nachteile. Die sozialen Auswirkungen der Nachteile müssen durch einen starken Sozialstaat eingedämmt werden. Wir sind in Deutschland mit der sozialen Marktwirtschaft gut aufgestellt. Wir brauchen keine Systemänderung, sondern Deutschland muss sozialer werden.

RE: Das hat gesessen | 18.01.2012 | 12:47

Ratings zur Bonität könnten z.B. durch den Internationalen Währungsfonds herausgegeben werden. Dieser vergibt als "lender of last resort" angeschlagen Staaten Kredite. Datenmaterial der Länder und fähige Leute sind dort sicher vorhanden.

Ausführlicher finden Sie es in meinem Blog:
www.freitag.de/community/blogs/ihirsch

RE: Ratings - Sie sind gut gemeint, und doch wirken sie böse | 17.01.2012 | 20:41

Ratings zur Bonität könnten z.B. durch den Internationalen Währungsfonds herausgegeben werden. Dieser vergibt als "lender of last resort" angeschlagen Staaten Kredite. Datenmaterial der Länder und fähige Leute sind dort sicher vorhanden.

Ein Rating ist kein Hexenwerk, sondern nur eine verallgemeinerte Information. Es werden allgemeinzugängliche Daten in eine Formel gespeist und vereinfacht als Buchstaben ausgespuckt. Ein Staat kann seine volkswirtschaftlichen Daten auch geschönt veröffentlichen, um ein besseres Rating zu erhalten. Die Kontrollfunktion liegt nicht bei den Ratingagenturen, sondern bei anderen Akteuren.

Die Ratingagenturen haben keinen staatlichen oder internationalen Auftrag, sondern erstellen die Ratings für Länder als Zwischenergebnis ihrer Rechnungen.

Vertrauen ist sicherlich der Kitt der Wirtschaft. Wenn Ratings heute eine solche starke Bedeutung haben, dann sollten sie AUCH durch eine offizielle Institution getätigt werden.

Als ich neulich eine private Haftpflichversicherung beim Makler abgeschlossen habe, wurde mit auch eine Bewertung der Gesellschaft mit fünf Sternchen vorgelegt. Die TV Movie macht das auch, und ich schaue den Film.

Letztendlich kann jeder ein Rating herausgeben, der Einfluss dieser Bewertung auf die Akteure auf dem Finanzmarkt ist, wie sie schon sagten, durch Glaubwürdigkeit bestimmt. Und ob man einer internationalen Organisation mehr oder weniger glauben möchte, als einem privatwirtschaftlichen Unternehmen, ist Ansichtssache. Verschwörungstheorien sind bei beiden möglich. :-)

RE: Das hat gesessen | 17.01.2012 | 16:09

In meinem Blogbeitrag "Ratings - Sie sind gut gemeint, und doch wirken sie böse" gehe ich auf das ambivalente Wesen Ratingagenturen ein.

Der eigentliche Aufreger ist doch nicht die Einstufung der Bonität, sondern dass dies durch privatwirtschaftliche Unternehmen geschieht. Ratings sind an sich gut. Bewertungen der Kreditwürdigkeit von Staaten sollten durch eine internationale nicht-privatwirtschaftliche Ratingagentur vorgenommen werden.

RE: Das hat gesessen | 17.01.2012 | 13:19

Nur in den Fällen, in welchen sich Gläubiger bei ihren Entscheidungen auf Ratings stützen, implizieren Ratings, ob und zu welchen Konditionen (Zinsen) Staaten einen Kredit erhalten. Also erhalten Ratingagenturen ihre Macht dadurch, dass die liquiden Akteure auf dem Finanzmarkt Ratings in ihre Entscheidungsfindung einbeziehen.

Ich möchte das mit einem Bild veranschaulichen: Die Akteure auf dem Finanzmarkt tragen die Büchse der Pandora. Ratingagenturen geben nur eine Einschätzung ab, ob die Büchse geöffnet werden muss. Die indirekte Macht von Ratingagenturen ist am einfachsten einzudämmen, indem ihre Relevanz heruntergespielt wird. Die beste politische Methode gegen eine Abstufung lautet: „AA+, wen juckt das überhaupt?“

Ausführlicher finden Sie es in meinem Blog:
www.freitag.de/community/blogs/ihirsch