Wettbewerb, Eigenkapital und Leitzins

Krisenfest Wolfgang Schäuble (CDU) möchte die Gewerbesteuer abschaffen. Dies wäre eine Überlegung wert, wenn damit die Eigenfinanzierung der Unternehmen gefestigt werden würde.
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Internationale Unternehmen und Konzerne erwirtschaften Gewinne, welche sie nach den internationalen Standards (IFRS - International Financial Reporting Standards) in den Jahresabschlüssen offenlegen. Losgelöst von nationalen Rechtsvorschriften ist somit eine Vergleichbarkeit der Gewinn-Kennzahl EBIT (earnings before interest and taxes) möglich. Durch die Vergleichbarkeit der Bilanzen ist ein fairer internationaler Wettbewerb um Fremdfinanzierung möglich. Einheitliche Jahresabschlüsse beantworten für Investoren bzw. Kreditgeber die Frage: In welcher Firma lege ich mein Geld rentabler an?

Einheitliche internationale Unternehmenssteuern sorgen für fairen Wettbewerb

Die nachfolgende Besteuerung erfolgt durch nationale Rechtsvorschriften, welche Unterschiede in Art und damit Höhe aufweisen. Es gibt z. B. verschiedene Steuersätze in den einzelnen Nationen. Nationale Regierungen schaffen aufgrund nationaler InteressenSteuerschlupflöscher für internationale Unternehmen bzw. Konzerne. Diese haben durch nationale Diversität von „taxes“ Gestaltungsspielräume bei der Steuerentrichtung, welche die Unternehmen konsequent nutzen. Dies ist plausibel: Schließlich ist Gewinnmaximierung ein wesentliches Ziel kapitalistischen Wirtschaftens. Des weiteren sichern sich Unternehmen durch Steuerflucht Wettbewerbsvorteile. Forderung: Unternehmen bzw. Konzerne sollten weltweit nach einheitlichen Regeln besteuert werden.

Dies sorgt unter den Unternehmen in der Folge auch für einen gerechteren Wettbewerb. Es entstehen auch gleiche Voraussetzungen zur Eigenkapitalbildung. Während Kreditfinanzierung auf einem internationalen Kreditmarkt erfolgt ist die Eigenkapitalfinanzierung wegen verschiedener nationaler Besteuerungssätze momentan divers. In Deutschland haben selbst Gemeinden unterschiedliche Gewerbesteuersätze (Hebesätze). Gemeinden konkurrieren mit diesen um die Ansiedlung von Unternehmen.

Theoretisches Experiment: Unternehmenssteuern verschwinden

Wie erhält man eine weltweit einheitliche Regelung bei der Unternehmensbesteuerung, sodass Steuerschlupflöscher und Steueroasen verschwinden? Die Nationen könnten sich auf einen gemeinsamen Steuersatz einigen oder ein Land nach dem anderen senkt den Steuersatz auf Null, sodass die anderen nachziehen müssen.

Wenn Deutschland Unternehmen (juristische Personen) nicht besteuert, gibt es auch keine steuerlichen Gründe für Unternehmen auszuwandern oder die Vorteile von Steueroasen zu nutzen. Deutschland wird selbst zur Steueroase und zieht Unternehmen aus dem Ausland an. Natürlich wäre diese Maßnahme mit einem Ausfall der Körperschafts- und der Gewerbesteuern verbunden, aber d. h. nicht, dass die Steuergelder über andere Maßnahmen der Besteuerung den staatlichen Haushalten verloren gehen.

An dieser Stelle wird die Integrationstheorie vorgeschlagen, welcher nach eine Körperschaftsteuer abkömmlich ist. Die Besteuerung der Unternehmensgewinne sollte stattdessen in die Besteuerung des Einkommens von natürlichen Personen integriert werden.

Die Einkommenssteuer sollte die hohen Einkommen stärker besteuern, sodass Gewinne eher ins Eigenkapital der Unternehmen fließen, anstatt an die Eigner ausgeschüttet zu werden. Unternehmen rüsten sich somit für die Rezessionen. Verträge können eingehalten werden. Mitarbeiter können in der Krise bezahlt werden. (Stichwort: Kapitalertragssteuer). Ziel: Gewinne des Unternehmens verbleiben zum großen Teil im Unternehmen selbst.

Eine internationale Einigung auf einheitliche Besteuerung von Unternehmen scheint jedoch eine weitaus realisierbare Lösung zu sein. Schließlich gibt es in der BRD bereits seit 2004 einen einheitlichen Mindesthebesatz (200%) für Gemeinden. Zurück zum Eigenkapital.

Krisenfeste Unternehmen durch höhere Eigenkapitalquote

Förderlich wäre es die Eigenfinanzierung zulasten der Fremdfinanzierung durch Kredit zu stärken. In Deutschland wird jedoch zurzeit Finanzierung durch Fremdkapital begünstigt. So sind Kreditzinsen von der Körperschaftsteuer abzugsfähig. Für die Finanzierung aus Eigenkapital gibt es keine entsprechenden Anreize. Für Unternehmen ist es schlicht günstiger Investitionen vermehrt aus Fremdkapital zu tätigen. (Auch der Leitzins und der Leverage-Effekt tragen zur Dominanz der Fremdfinanzierung bei, was auf den folgenden Seiten erläutert wird.)

Eigenkapitalbildung hat zudem den Vorteil, dass Unternehmen für zukünftige Investitionen keine Kredite aufnehmen müssen, sondern sich (zinsfrei) aus den Gewinnrücklagen (Stichwort: Gewinnthesaurierung) finanzieren können. Sie werden damit bei ihren Investitionen unabhängiger von Banken und somit Finanzkrisen. Eine Krise der Finanzwirtschaft würde nicht in dem Maße die Realwirtschaft treffen, wie die globale Bank- und Finanzkrise ab dem Jahr 2007.

Notwendige Investitionen des Unternehmens könnten durch Gewinnrücklagen im Eigenkapital statt durch Kredit in der Zeit der Kreditklemme bzw. Liquiditätsfalle realisiert werden, welche im Zuge der Finanzkrise auftrat.

Des weiteren wäre bei einer Finanzkrise die Kreditklemme nicht so gravierend, da die Kreditinstitute bei der Bonitätsprüfung zur Kreditvergabe das Eigenkapital betrachten: Eine hohe Eigenkapitalquote senkt nämlich das Insolvenzrisiko des Unternehmens. Unternehmen mit hohen Eigenkapitalquoten erhalten somit zinsgünstigere Kredite während einer Rezession. Forderung: Es sollten steuerrechtliche Anreize zur Gewinnthesaurierung geschaffen werden, sodass die Unternehmen die Eigenkapitalquote leicht erhöhen können.

EZB: Der Leitzins sollte erhöht werden

Der Leitzins der EZB beeinflusst die Zinsen für Kredite. Die Zentralbanken der führenden Industrienationen haben momentan sehr niedrige Leitzinsen: EU (0,5 Prozent), USA (0,25) und Japan (0,1). Wenn der Leitzins unter der Inflationsrate der Länder liegt, verschenken die Zentralbanken Geld an die Geschäftsbanken: Weltweit gibt es billiges Geld zur Fremdfinanzierung.

Ein Anreiz zur Steigerung Eigenfinanzierung und der Eigenkapitalquote wäre die Erhöhung des Leitzinses. Denn Finanzierung durch Eigenkapital wird umso vorteilhafter je höher die Zinsen für Kredite (Fremdfinanzierung) sind. Forderung: Der Leitzins sollte erhöht werden.

Mit dem aktuellen Primat der Fremdfinanzierung durch Kredit - niedriger Leitzins - gibt die EZB den Unternehmen den Anreiz, Investitionen durch Fremdfinanzierung und damit Verschuldung zu tätigen. Es wird auf Pump gewirtschaftet. Weiterhin: Durch günstige Fremdfinanzierung senken die Unternehmen bewusst ihre Eigenkapitalquote, um den Leverage-Effekt auszureizen. Ein hoher Leitzins vermindert den Anreiz der Fremdfinanzierung, da dabei der Leverage-Effekt nicht in dem Umfang die Eigenkapitalrentabilität steigert. Welche für die Anteilseigner (Aktionäre, Shareholder) eine Maßzahl von Unternehmenserfolg ist und über Investitionen entscheidet.

Auch das Risiko für Unternehmen wird durch eine Leitzinserhöhung gemindert: In Zeiten konjunktureller Krisen kehrt sich der Leverage-Effekt nämlich möglicherweise ins Negativum um: Die Unternehmen stehen dann vor der Insolvenz.

(Die Regierungen versuchen der Staatsverschuldung leider über einen niedrigen Leitzins Herr zu werden. Neue günstige Kredite bezahlen die alten teuren Kredite. Echte Sparpolitik muss her.)

Rezession: Talfahrt in die Insolvenz?

Bei einer Rezession sinkt sowohl die Eigenkapitalrentabilität durch Absatzrückgang, als auch das Vertrauen der Banken, welche Kredite dann (trotz niedrigem Leitzins - Kreditklemme) zu einem höheren Zins als vor der Rezession vergeben. Der Hebel des Leverage-Effekts funktioniert nicht mehr.

Die Insolvenz anderer Unternehmen (Zulieferer) führt dazu, dass offene Forderungen nicht beglichen werden. Die Bilanz und die Bonität zur Kreditvergabe leiden. Eigene Verträge und Verpflichtungen drücken. Bei einer Rezession ist das Eigenkapital ein Puffer, welcher vor der Insolvenz schützt. Tatsächlich setzen deutsche DAX-Konzerne auf eine höhere Eigenkapitalquote seit der Finanzkrise von 2007, wie das Handelsblatt bereits berichtet hat.

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/eigenkapitalquote-wie-die-dax-konzerne-sich-fuer-die-rezession-ruesten/5898610.html?slp=false&p=4&a=false#image

15:02 30.08.2013
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Geschrieben von

Igor Hirsch

Diplom-Kulturwissenschaftler und ein Täter des Worts.
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