Im dunkeldeutschen Wald

Mann, schon nicht mehr in den besten Jahren. Viel Gutes und Schlechtes erlebt. Mehr Fragen als Antworten. Noch ziemlich rat- und rastlos.
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Im dunkeldeutschen Wald
RE: Der Plattmacher | 13.07.2015 | 08:34

Sehr geehrter/ -e Wehner,

aber wozu reden wir dann über Herrn Krause. Insofern ist das doch dann "alles in Ordnung".

Natürlich glaube ich nicht, dass die gesamte Community hinter dem stritigen Text steht. Ich stehe jedenfalls, so wie dort geschildert nicht dahinter.

Der Freitag bietet die Plattform für die Berichte, also passiert alles hier Geschriebene auch in seiner Verantwortung. Das gilt weniger für die Community als für die Autoren der Texte die dort durch die Redaktion bestätigt werden. Das ist und bleibt nunmal so. Ich kann nicht das Missliebige einer Verantwortlichkeit zuordnen und das mir Zugeneigte als frei, unzensiert und von allem Äußeren inert heraus greifen und als die Wahrheit verkaufen.

Das meinte ich u.a. mit Fairness. Was dem einen Recht ist, sollte dem anderen billig sein. Oder aber, und das wäre mein Plädoyer, wir räumen Leuten wie Herrn Krause und anderen die gleichen Rechte Ihre persönliche Meinung genau so ein wie Herrn Hebel. Dann unterlässt er samt seiner Redaktion es künftig Leute für Ihr andere Darstellungen und Sichtweisen auf die Welt abzuwatschen und als Ideologen u. Demagogen etc. vorzuführen und ich werden den Freitag vielleicht wirder loben können. Zur Zeit ist der für mich deswegen ein Mistkäfer-Blatt.

Im übrigen bleibe ich bei meiner Meinung, da auch Sie mir zu keiner weiteren Erhellung verhelfen können. Insoweit ist mein Geschreibsel nicht anders zu bewerten als das Ihre.

Nur noch eine Frage: Woher haben Sie eigentlich die Gewissheit darüber, dass die Berichterstattung der ARD kontrolliert wird, die des Freitag hingegen nicht "zensiert" wird.

Haben sie sichere Quellen, Beobachtungen, Erkenntnisee aufgrund bestimmter sachlicher Befunde oder vernünftiger Kausalschlüsse oder sind das Ihre Vermutungen?

Oder wissen Sie es auch nicht genau; so wie ich auch nichts wirklich weiß?

Wäre es dann nicht in gewisser Weise fahrlässig, Ahnungen und Vermutung derart durch Polemik zu Aussagen mit tatsächlichen Sachinhalt umzudeuten zu wollen, so wie ich es hier mache?

Bestimmt haben Sie, wie die Journalisten des Freitag, tiefere Gewissheiten zur Hand und halten nur wegen des guten Stils damit hinterm Berg.

Und seien Sie versichert das ich nur Privatier bin und ich, wie Sie sicher auch, nur meine eigene Meinung vertrete. Das die nicht schön ist bedauere ich. Es ist aber meine Meinung.

Mit freundlichen Grüßen

Im dunkeldeutschen Wald

RE: Der Plattmacher | 12.07.2015 | 19:26

Sehr geehrter/ -e Pleifel,

natürlich dürfen Sie mich beim Wort nehmen. Nochmals, ich darf polemisieren. Um mich faktisch mit Herrn Hebel auseinanderzusetzen, habe ich nur diesen einen Artikel, der mir hier Anlass zur Widerrede gab. Was den Freitag als ganzes angeht, habe ich eine ganze Reihe von Artikeln, die sich sachlich auf meine "Gesamtpolemik" führen lassen. Hierzu hatte ich an andere Stelle schon öfter etwas geschrieben. Wenn Ihnen meine Polemik nicht gefällt, kann ich das gut verstehen, stelle aber fest, das Ihr kurzer Abriss auch nichts anderes ist als Polemik. Was wollten Sie mir den an wichtigen Fakten zum Tehma mitteilen? Nun, dass hätte mich schon interessiert. Auch wenn ich leider den Hang habe etwas episch-langweilig auszuschweifen, kann ich dennoch gut auf Fakten reagieren. Noch mehr! Von Fakten habe ich mich schon oft überzeugen lassen und meine Meinung vielfach geändert. Genau daran mangelt es bei den steten Ausfällen des Freitags auf Leute die in der Öffentlichkeit stehen.

Ich hatte ja grundhaft den Willen, mich in gewisser Weise vom Freitag führen zu lassen. Nach mehreren Ausgaben werde ich das aber schön bleiben lassen. Und wenn es Ihnen recht ist, können wir gern zum Artikel zurückkommen. Sie nennen mir die dort genannten Fakten, dass Herr Krause z.B. das Sprachrohr der Regierung ist etc. und dann sehen wir weiter. Ich habe im übrigen keinerlei Grund für Herrn Krause eine Lanze zu brechen, auch dann nicht, wenn ich seine Darstellungen für einigermaßen plausibel halte. Was mir nicht gefällt ist das Programm des Freitag, Leute abzuwaschen. Und an dieser Stelle fällt der Freitag hinter das zurück, was er gern vorzugeben versucht. Und noch weniger kann ich die Clackeure solcher Berichterstattung verstehen.

Mit freunlichen Grüßen Im dunkel deutschen Wald

RE: Der Plattmacher | 12.07.2015 | 12:31

Sehr geehrter Richard Zietz,

vielen Dank für Ihre Anmerkungen, mit denen Sie nicht nur Unrecht haben.

Hier nur einige Anmerkungen zum Thema.

Ich bin kein Journalist, sondern lese den Freitag als einzige Informationsquelle zum politischen Zeitgeschehen. Ein bisschen Fernsehen und viel Radio ergänzen meine politischen Informationsquellen. Meine Überzeugungen und Beobachtungen indes sind darüber hinaus aus lebenslangen Beobachtungen und vielfältigen Interessenslagen gespeist.

Ich wurde durchaus „links“ sozialisiert.

Wenn Sie fragen, ob ich in der Community mitdiskutieren will, antworte ich: „Eigentlich nicht!“

Auch will ich nichts bewegen. Bewegungen werden von der Communiti niemals ausgehen können.

Ich habe nach meinem Verständnis eigentlich keine Feindbilder und kein Gegenüber, gegen das ich kämpfen muss. Ich bin aber vom Freitag und der Community weitestgehend enttäuscht. Das ist richtig!

Abonniert hatte ich die Zeitung, um in einer komplexen unübersichtlichen Welt eine Art Orientierungspunkt zu finden. Etwas, wenn sie so wollen, wo man sich, wenn es erlaubt ist, etwas zu Hause fühlt. Erlebt habe ich ein nüchternes Erwachen. Im Freitag erlebe ich keine Orientierung oder vertiefende Gedanken, sondern ein wildes Durcheinander mit häufigen platten Anwürfen gegen alles was nicht auf der „linken Linie“ mit fährt. Ein Durchschnittsblatt, das einfach seine kleine wildgewordene Klientel bei der Stange halten will. So auch das Groß der Kommentare der Community die ich gelesen habe. Sie haben also insoweit recht, wenn Sie feststellen: „….dass hier einer den letzten – von sich selbst bereits als vergeblich gewerteten – Versuch unternimmt, die linke Kinderrasselbande zu Vernunft zu bringen.“

Da ich kein Journalist bin, keinen überzeugen will, noch muss, auch nicht ernst genommen werden muss, darf ich polemisieren. Mit Verlaub, das ist auch meine Stärke! -Aber ein Journalist des Freitags darf das nicht. Das verbietet sein journalistischer Berufsethos. Er darf eben nicht einen Herrn Krause polemisch niedermachen und in seinem Text resümieren, dass Herr Kraus polemische Kommentare gegen Griechenland ausposaunt.

Sie haben auch völlig darin Recht, wenn Sie feststellen, dass mein zu langer Text am Ende abrutscht und an belastbarer Sachlichkeit, sofern die überhaupt enthalten war, verliert. Ich darf das aber und finde es nicht schlimm, wenn ich deshalb belächelt werde. Das ist mir lieber, als die Rolle der Freitags Redakteure, die mit großer Geste meinen, die alleinig richtige Richtung zu fahren und in keiner Weise mehr erkennen können, dass dem Grunde nach feine Differenzierungen hätten vor genommen werden müssen und dass man dadurch, dass viele das gleiche Brüllen, -und sei es auch im eigenen Haus- nicht schon deswegen Recht hat.

Mir ist der Freitag eindeutig zu verblendet und tatsächlich ideologisch. Aus dem Salzstreuer der Redaktion wird über fast alle Artikel, in denen die Gesellschaft in die „Guten und Bösen“ aufgeteilt wird, bei denen, die zu den „Bösen“ gehören, ordentlich mit den Begriffen Ideologie, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, national, undemokratisch etc. nachgewürzt wird. Und hier habe ich keine Zweifel mehr, dass genau das, einer vielleicht sogar ungewollten, aber dennoch unverkennbaren „Ideologie“ entspringt. Glauben Sie mir, ich weiß wovon ich spreche. Ich habe einige Jahrzehnte in einer wachechten ideologisch verbrämten Diktatur gelebt. Ich kenne deren Repertoire ziemlich gut und da hat sich seit dem 19. Jahrhundert auch wenig geändert. Der Freitag braucht nicht mit negativ besetzten Begriffen um sich werfen und diese an andere schmieren, von denen er selbst unverkennbar virulent infiziert ist.

Der Freitag ist eine Zeitung die gewinnorientiert arbeiten muss. Wie jede andere auch, muss er sich am „Markt“ behaupten. Dazu hat er sich seiner Leserschaft versichert. Das darunter viele Jakobiner sind und Schreihälse, die, wie in jenen Zeiten, als Leiterwagen zum Schafott holperten, den Delinquenten Schmach und Spott zu riefen, welchen als Vergehen genau das Eintreten für die Recht und Freiheiten für die Schreihälse zur Last gelegt wurde, wird beim Freitag, auch nur der hart umkämpften Verkaufszahlen wegen, geflissentlich aber wohl wissend zur Kenntnis genommen und darüber hinweggegangen. Der Freitag hat die fatale Sichtweise angenommen, dass nur er allein Grund und Ziel von Meinungsfreiheit ist. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sich der Freitag auch einfachen, trivialen Muster menschlicher Psyche bedient, in der Form, dass die Leserschaft so ein gewisses prikelndes Gefühl braucht, wenn es darum geht Leute zu zerfetzen und sich ob der Rechtmäßigkeit eigenen Tuns in breiter Gesellschaft der Mehrheit weiß, auch wenn das nur Schreihälse sind. Das ist sicher diese menschliche Extase, die die Pegidaanhäger durchfährt, wenn sie laut aber gemeinsam gegen Ausländer brüllen. Beides sehr unterschietliche Aspekte; Pegida und Freitags-Community, aber psychologisch irgendwie verdächtig ähnlich. Das verbindende ist das „Ideologische“!

Vom Freitag bin ich einfach schwer enttäuscht. Mit dem Freitag wird es sicher keine bessere Welt geben. Lediglich werden ein paar Journalisten und Redakteure gestützt, die anders arbeitslos wären. Das ist ja auch schon was; Bedürftigen zu helfen. Das ist alles!

Prädikat: Auch nur wieder verzichtbar.

Es grüßt Sie freundlich

Im dunkeldeutschen Wald

RE: Der Plattmacher | 10.07.2015 | 19:04

Der Plattmacher

von Stephan Hebel


Wenn im Freitag ein Artikel „Der Plattmacher“ überschrieben ist, frohlocke ich: „Na endlich! Selbsterkenntnis ist ein erster Schritt zur Besserung!“ und hoffe, dass die Redaktion in sich kehrte und eine Art Nabelschau vornahm. Aber, nein! Wieder einmal wurde eine Person des öffentlichen Lebens ausgemacht, die es abzuschießen gilt. Ganz in der Tradition dieses tief pietistischen (und das im schlechtesten Sinne des Wortes) Blattes. Und der Leser wird gleich wieder darauf verwiesen, wie gesinnungsreiner oder -freier, „echter, guter Journalismus auszusehen hat“. Als Schmankerl bekommt man unterschwellig gleich mit verabreicht, dass Journalismus frei von persönlichen Anschauungen, durch und durch der Objektivität verschrieben sein muss. Genau so, wie es der Herr Hebel hier in seinem „Personenabschuss“ der geneigten Leserschaft deliciert. Das ist wirklich feiner, kluger Journalismus, so, wie man ihn sich nur erträumen mag. Und es ist für Herrn Hebel, ganz und gar selbstverständlich, dass der angegriffene Rolf-Dieter Krause natürlich, bitter-süß und, mit all dem Repertoire des „Nichtaussprechens“ -zuckende Mundwinkel zeigen die vollständige Durchtriebenheit an- (Körpersprache ist das Zauberwort!) eben seine „Ideologie“ (dritte Spalte, Ende vierter Absatz) unters unwissende Volk vernebelt. Denn, dass er ein Ideologe ist, muss allen sonnenklar sein. Anders wäre es nicht vorstellbar, auf die Abschussliste des Freitags, -einem der Ideologischsten Blätter die ich je in den Händen hielt- zu gelangen.

Den Unsinn des Herrn Hebel herauszustellen könnte man hier an mehreren Ebenen ansetzen. Eine soll hier genügen und wäre die, dass es, um eine Ideologie zu verfolgen, zunächst erst einmal einer Idee bedarf, über die man dann eine Gedankenwelt wirft. Offensichtlich hat Herr Krause zunächst einmal eine eigene Meinung, was einem vielfältigen Journalismus Farbe und Charakter gibt. Große Journalisten werden geehrt dafür, dass hinter der sachlichen Informationsaufbereitung vor allem eine starke und deutliche Persönlichkeit, hier also eine persönliche Meinung steht. Mir ist es natürlich nicht entgangen, dass sich Herr Augstein mit seinen persönlichen Einschätzungen in der Reihe der eigenen Redaktion damit sicher unbeliebt machen macht. Sicher ist er der nächste, der hier wegen der persönlichen Einfärbung seiner Berichterstattung mit dem Schlimmsten zu rechnen hat. Und so, wie es der Freitag süffisant sich im Untertitel (das Meinungsmedium -hier sollte besser stehen, das Meinungsmachemedium-) verabreichen will, ist es jedem Hörer und Verfolger „krausscher Kommentare“ ungenommen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich denke das funktioniert in diesem Land noch sehr gut. Von daher ist eine Warnung vor den Gefahren krausscher Ideologie ganz und gar hinfällig. Sicher bin ich mir allerdings auch, dass Herr Hebel, in der Rolle des Herrn Krause in Brüssel eine eher klägliche Figur abgeben würde. Was wollte uns dieser berichten? Das der griechische Außenminister vielsagend mit den Augen zwinkerte (hierzu Spalte drei, Ende Absatz vier u. fünf), als er die möglichen Geldgeber als Terroristen bezeichnete??? Indes habe ich den Eindruck, dass Herr Hebel eben weder eine Idee, noch Gedanken zum darüber legen hat, so dass eben wieder ein vollkommen fakten- und argumentfreier Artikel zustande kommen konnte, ganz in der Tradition der Freitagsverrisse, die hier regelmäßig linkisch und dumm vorgenommen - eben, ganz in einer Tradition tiefverwurzelten, links-besserwisserischen und vor allen pietistischen, im Glauben von einer höheren Moral durchdrungen zu sein, ausgewalzt werden. Der Freitag hat sich also gut als angemessenes Pendant zur Bilderzeitung gemausert. Die wiegelt gegen links, der Freitag gegen den Rest. Aber persönliche Diffamierung muss schon sein; davon lebt ja die Boulevard-Presse.

Wer besser Argumente und genauere Beobachtungen als Herr Krause hervorbringen kann, sollte das tun und sich der Fakten annehmen, aber endlich aufhören, Leute zu beschädigen. Mir hängt dieses Gebaren der Art zum Hals raus, dass ich mich auch hier der Diplomatie des Herrn Krause bemühen möchte, der bei „Hart aber Fair“ sagte ….der gehört zum Teufel gejagt… (zweite Spalte, zweiter Absatz) und ich sage: ….„aber die Redaktion muss das selber machen!….Ich kann das nicht tun.“

Es wird mir nicht ganz klar, in wie weit Herr Krause nun das Interessensprachrohr der Regierung sein soll, so, wie es in der dritten Spalte, Ende zweiter Absatz suggeriert wird. Hier wäre doch tatsächlich zu fragen, was die Bundesregierung vom Absturz Griechenlands haben sollte. Das unter gennannten und von Herrn Krause, nach meinem dafür, zu recht in Frage gestellten Bedingungen der grichischen Regierung, niemand sein Geld so richtig gern nach Griechenland transferiert sehen möchte, (ich hier eingeschlossen), scheint mir erst einmal plausibel. In Hart aber Fair wurde eine Größenordnung der Transferleistungen erwähnt, den Fakt ich leider nicht nachprüfen kann. Danach soll Griechenland Geldtransferleistung im Umfang von ca. 30 Marshall-Plänen seit Beginn der Krise erhalten haben. Das ist `ne Stange Geld. Da kann ich irgendwie verstehen, das, so wie es die Bundesregierung auch zum Ausdruck bringt, unter solchen Bedingungen weitere Hilfen schwierig werden. Und es wurde nicht nur von Herrn Krause darüber informiert, dass die Abstimmung zum „Ja oder Nein“ eine ganze Menge sublimiert, was aber genau abgestimmt werden sollte, im Grunde nicht so richtig klar war. Denn es gab de facto nichts was zur Abstimmung vorlag. Oder handelt es sich hierbei auch wieder um eine vom Freitag bereits detektierte Lüge??? Ich fand, dass diesen Sachverhalt Herr Krause, wie viele andere Kommentatoren, ziemlich wertfrei herausgearbeitet hat. Das ihn das persönlich in Wut (mich übrigens auch) versetzt, kann ich gut verstehen. Und ich finde es durchaus erfrischend, wenn er das auch genauso heftig vorträgt. Und es wird hier nicht dem griechischen Volk Versagen vorgeworfen, sondern der Regierung Tzipras. Und auch hier meine ich zu Recht. Auch ich würde es für gut halten, wenn die Griechen diese Regierung zum Teufel jagt. Wir Deutschen wurden ja auch schon öfters von Regierungen zum Narren gehalten, genauso wie von der Presse, allerdings fand in der Aufarbeitung der Geschichte unser Volk nicht in jedem Falle Verständnis bei anderen Nationen sich in solch einer Weise hinters Licht führen zu lassen. In vielen Fragen ist es heutiger allgemeiner Kanon, dass in vielen Fragen wir Deutschen, als gesamtes Volk, Verantwortung für unsere Entscheidungen tragen. Aber zurück zu Herrn Krause als Sprachrohr der deutschen Regierung in der Griechenlanddebatte.

Offensichtlich haben wir doch eine Regierung, die im Umgang mit der griechischen Krise eher unbeholfen als orientierungsgebend auftritt. Welche Richtung lässt sich denn für Herrn Krause daraus ableiten? Oder will der Freitag sich in der Weise dahingehend versteigen, dass die griechische Krise ein Machwerk der deutschen Regierung ist???? Vielleicht hat der Freitag auch bessere, genauere Quellen als alle anderen und kann ganz klar die wahren Zusammenhängen der Krise darstellen. Als echter Besserwisser, erster Primus und Lehrmeister der Nation sollte mich das nicht wundern. Warum lese ich davon nur nichts in diesem Wurstblatt, dass zu nichts anderem als Tapetenmakulatur tauglich ist. Aber selbst dafür wird es wohl nicht reichen. Es ist zu befürchten, dass die Grundsubstanz des Papiers ähnlich kurze Fasern aufweisen, wie die Gedanken, aus denen die Artikel zusammengezwirbelt werden. Im Ganzen nicht tragfähig und belastbar.

Sachlichkeit war noch nie die große Stärke des Freitags. Hier zieht er ganz gleich auf mit der großen Bilderzeitung und hofft eben auf die in sich selbstverliebt, auf hohem, moralischem Ross daher stolpernden, über Gerechtigkeit und Wahrheit schwadronierenden Linken, die es leider nicht verhelen kann, dass sie bekifft und versoffen von einer Festivität zur nächsten bloggt und etwas zu sehr mit dem Ohr am Geschwätz jungrevolutionärer Wunderheiler hängt, als zu versuchen, mit Vernunft und Fairness Fakten aufzuarbeiten. Genau so, wie es die große bunte Bilderzeitung nicht kann, nur hier anders herum.

Herr Helen spricht seinem Kollegen Krause verantwortliches Handeln als Kommentator ab. Ein verantwortliches Tun das er selber nicht bereit ist zu leisten. Das ist die Strategie des Freitags.

Der Freitag klärt nicht auf sondern spaltet. In dem blödsinnigen Scheingefechten, das die Welt eine bessere wird, wenn man hinter jedem, der nicht so denkt wie man selbst, Verrat wittert, wird einzig ein stinknormales Marktkonzept ausgeschlachtet. Warum hat eigentlich der Freitag keine Millionenauflagen und hat der ARD-Korrespondenz den Schneid abgejagt? Auch der Freitag will und muss sich verkaufen, sonst ist er auch bald pleite. Und dass erkennend stellt er auf die gleichen Instinkte der Leserschaft ab, wie alle anderen auch und hat, nach meinem dafür, auch das Niveau der Massenblätter erreicht. Die Diskussion findet dann hier im Forum statt. Das ist das das Meinungsmedium das man sich zu Gute halten will. Nein! Das ist einfach lächerlich.

Der Unfug der Schreiberlinge bleibt dem Leser täglich/wöchentlich gewiss.

Im Übrigen fällt mir auf, dass im Freitag fast ausschließlich etablierte, ältere Männer im Fokus der Kritik stehen. Hat das was zu bedeuten???? Bahnt sich hier ein grundhaftes Missverständnis der Generationen an? Brauchen wir als Lösung des Problems mehr junge Frauen in der ersten Reihe? Prima!!! Das kenne ich noch gut von damals. Dann wäre ja alles gut, der Kreis wieder geschlossen. Dann sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt. Ich werde dann keine Wochenzeitung mehr lesen, sondern Aristoteles.

Heute bin ich „leider“ etwas schlauer geworden und brauche kein Kindergekreische mehr, es sei denn, es stammt tatsächlich von Kindern.

Man lese die „Öko-Avantgarde“ Seite 6 u. 7!!! Auch ein echtes Meisterstück.

Es grüßt Im dunkeldeutschen Wald

Der Freitag, vom 09.07.2015, Woche 28

RE: Der asymmetrische Professor | 26.05.2015 | 20:06

Sehr geehrter Herr Columbus, Ihr kommentar ist zu knapp, als dass ich ihn verwerten könnte. Die menschliche Realität ist immer von Idealismus durchdrungen. Und das ist gut so. Mir geht es um journalistische Inhalte. Der Artikel fußt auf anonymen Anwürfen und spricht wenig über reale Fakten, außer solchen, die die Anwürfe und die Diskussion darüber beschreiben. Das ist Realität. Unsere politische und vor allem journalistische Realität in dieser Zeitung. Anwürfe ohne substantielle Aufklärung. In meiner Schule hieß das Demagogie.

Mit freundlichen Grüßen Im dunkeldeutschen Wald

RE: Der asymmetrische Professor | 23.05.2015 | 12:22

DER Freitag Nr. 21 vom 21.Mai 2015 Der asymmetrische Professor von Luisa Hommerich Den Professor Herfried Münkel kenne ich nicht, weder durch seine Auftritte noch durch seine Lehrmeinungen und auch nicht durch seine Rhetorik. Aber da ich eine subjektive Zuneigung für ältere Damen und Herren empfinde, besonders dann, wenn sie sich in Ihrem Leben mit wichtigen Fragen zur Geschichte, Philosophie und dem Weltgeschehen gewissermaßen verdient gemacht haben, möchte ich dem Professor gern zur Seite springen. Objektiv erhält er meinen Zuspruch dann, wenn sich aus dem Nebel der Demagogie heraus seine sexistischen und genderfeindlichen Äußerungen, unabhängig davon, wie sich der Professor selbst dazu positionieren mag, bestätigen sollten. Ich schätze Autoritäten, die sich diese durch gedankliche Arbeit erarbeitet haben. Man kann sich daran reiben, man kann diese assimilieren oder sie einfach als Boje zur Navigation durch die Untiefen des zeitpolitischen Geschehens nutzen. Und das Nutzen steht dann hier für den Nutzen als solchem. Im Artikel wird berichtet, dass der Professor in der sogenannten politischen Mitte fest verwurzelt, sich in seinen Lesungen und Vorträgen zu sexistischen, genderunfreundlichen und militärischen Anspielungen, so die Anwürfe einer anonymen Bloggerschaft, hinreißen lässt. Die Autorin endet mit der lapidaren Einschätzung “Münkler wäre vielleicht besser beraten, sich hier mehr auf Friedens- statt auf Konfliktforschung zu konzentrieren“. Wäre auch zu fragen wer hat hier einen Streit hervorgerufen. Nun möchte ich nochmals festhalten, dass der Freitag sich im Untertitel „Das Meinungsmedium“ nennt. Das impliziert ja, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, geben muss und dass diese über ein Medium kommuniziert werden sollen, müssen, können; hier konkret dem Freitag. Verglichen an den gesellschaftlichen Diskussionen, Turbulenzen, Ver- und Zerwürfnissen zwischen Establishment und Studentenschaft Ende der sechziger Anfang der siebzieger Jahre, ist das, was wir heute in der Studentenschaft erleben noch nicht einmal mehr mit eingeschlafenen Füßen zu bezeichnen. Es wurde von vielen Seiten nicht nur festgestellt, sonder auch beklagt, dass noch nie eine Generation so langweilig, unpolitisch und an einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung uninteressiert ist, wie diese. Alle Bereiche des öffentlichen Lebens und Bewusstseins sind mit berstend vollen Belegen für diese allgemeine Einschätzung gefüllt. Man kann dass schön vereinfacht so formulieren: Alle sind satt und gut situiert. Man muss aus der häuslichen sicheren Geborgenheit ausbrechen, damit es einem als Student schlecht geht. Gewollter Ausstieg aus dem fest Gefügten, damit man sich noch ein wenig Abgrenzen und seine Selbstgerechtigkeit bespiegeln kann, als Bewohner einer WG, mit nur zwei Marken-Jeans im Schrank, Handy, Laptop und natürlich tadellosem Internestzugang, zu den Bloggs, um sich bei guten spanischen Rotwein, aus durch Sammelpunkte erworbenen Coka-Cola-Gläser trinkend dann den Teehaus-Revolutionen hingeben kann. Es gibt tatsächlich Studenten, die es wirklich schwer haben, die sind aber meistens gut selbstorganisiert und wohl erprobt in den Anforderungen, die im tatsächlichen Leben zu erledigen sind. Die kommen nur selten auf die Idee, sich an Teehausrevolutionen zu beteiligen. Vielmehr haben viele davon das Bestreben ein gutes Studium durch erworbene echte Kenntnisse zu absolvieren und sind von daher mehr an den inhaltlichen Thesen der Lesungen interessiert, als daran, ob die Art des Vortrags nun mal gerade den pietistischen Anforderungen einer moralisierenden Junghörerschaft entspricht. (Der Pietismus hat in Abwandlungen eine erstaunliche Persistenz entwickelt -wie die Vieren-. Von all den Peinlichkeiten der Religionen, direkt in die Blogs des Netzes.) Wohl wahr. Ich habe schon den Eindruck, dass die Front der Denker, Philosophen und charismatischen Persönlichkeiten, die in der Lage sind gesellschaftliche Prozesse sicher zu erkennen und zu beschreiben oder einzelnen politischen Phänomenen und Ursachen nahe zu kommen stark ausdünnt. Wo sollte auch der Nachwuchs geistiger Instanzen herkommen? Aus einer die Fahnen der Selbstgerechtigkeit schwenkenden faden Studentenschaft, die sich im Schwerpunkt um political correctness kümmert sicher nicht. Darüber hinaus bin ich vor allem der Meinung, dass das Leben um ein vielfaches unfreundlicher und streichelunfähiger ist, als es sich mit dem Streitzeug über die Debatten der Gendermainstream, Sexismuskritik und wohlwollende Ausländerdebatten auch nur halbwegs beschreiben ließe. Der Chefredakteur dieser Zeitung Herr J. Augstein hatte vor wenigen Tagen einen kleinen Auftritt im Fernsehen bei Maibrit Illner, in der er auf die rhetorische Frage Illners, warum es so einfach ist Kritik zu üben aber so schwer Antworten zu geben, in etwa folgendermaßen antwortete: -Die Frage beantwortet sich eigentlich selbst. Es ist eben einfacher Unsinn zu reden, als intelligente Antworten auf vernetzte Zusammenhänge zu finden!- Und so stellt es sicher wahrscheinlich auch bei den Inhalten der geistigen Ergebnisse des Herrn Professors Münkler dar. Die scharfe rationale Analyse der Welt wird wahrscheinlich etwas sperriger und unverdaulicher sein, als es sich zart besaitete, anonyme Blogger in Ihren Wunschvorstellungen einer nicht sexistischen, gendergemäßg exakten und entmilitarisierten Welt einordnen lässt. Das allerdings ist dann nicht das Verschulden des Professors, sondern rührt eher aus den wohl erheblichen Erfahrungsunterschieden und vor allem –defiziten zwischen beiden Lagern. Wie der Sexismus- als auch der Genderthematik anhaftet, dass ihr nicht nur erhebliche Grundlagen fehlen bzw. erhebliche Bereiche möglicher Betrachtungsweisen, wider besseren Wissens ausblendet (Ich spreche hier von gewollt dümmlicher Ignoranz), die Themen grundsätzlich kontrovers diskutiert werden können und schon allein wegen der „Jungendlichkeit“,-von Jungfräulichkeit will ich hier nicht sprechen, nicht wegen dem zu ahnenden Aufschrei damit dann nicht sexismusfrei- und genderkonform zu sein, sondern weil dies mit der Begrifflichkeit des alten tradierten Denkens nur noch schwer vermittelbar ist, nicht verifizierbar ist bzw. sich irgendwelche Belege liefern lassen, das nun die Gesellschaft dank neuer gesellschaftlicher Forderungen eine besser geworden wäre bzw. werden wird. Nach wie vor, sind beides noch ziemlich theoretische Ansätze. Aber hier bin ich durchaus lernbereit. Und hier komme ich einer Schlussfolgerung: Während frühere Studentenbewegungen (heute würde ich von keiner Bewegung mehr reden) versuchten Ihr Erfahrungsdefizit an politischen, geschichtlichen und staatsphilosophischen Fragestellungen zu kompensieren und abzuarbeiten suchte und das bestehende Establishment aus seinen historischen und politischen Verknüpfungen heraus in Frage zu stellen, wird der gleiche systematische Potentialunterschied zwischen Jugend und Alter eben auf der Ebene der political correctness ausgetragen. Wie wir heute gut eingesehen haben, hatten die 68-iger nicht in allem Recht und vieles wurde korrigiert. Es hat sich auch vieles geändert und sogar verbessert. Aber das Leben in seiner Systematik entzieht sich wie schon immer der Ethik des Menschen aber nicht der Systematik des Menschlichen. Und wie das so ist, werden wir auch immer, wie schon in der Antike beschrieben, immer und immer wieder auf die gleichen menschlichen Fragen geworfen. Der Prozess ist m.E. sonnenklar, Prof. Münkler ist ein Alter. Er wurde zu einer anderen Zeit sozialisiert und hat seine Thesen auf andere geschichtliche Einsichten und politisch/gesellschaftliche Erfahrungen gegründet. Er hat Zusammenhänge erlebt und durchlebt, die seine Studenten nicht kennen, nicht kennen können. Er ist einfach weiser als diese. Er sagt es auch selber; und das ist klug, dass er solche Auseinandersetzungen nicht mehr nötig hat. Wahrscheinlich wird er sich zurückziehen. Seine Erfahrungen werden aus Sicht der Jungen nicht mehr benötigt. Es ist das Privileg der Jugend Fehler machen zu dürfen. Mark Twain stellte misanthropisch fest, dass nur wer Fehler macht, lernen kann. Das stimmt substantiell nicht ganz, nimmt aber auch einen großen Teilwahrheit mit. Was er damit nicht ausdrückt ist aber, dass Fehler gut sind. Fehler bleiben Fehler. Verstehbar ja, gesellschaftlich schlimm, Politisch nicht wünschbar/katastrophal, denn wir wissen sehr wohl, dass wir nicht in einer grundsätzlich friedlichen Welt leben in die wir uns gern geschlossenen Auges wünschen. Wir werden uns ewig an den Fragen der Welt und des Lebens reiben die wir mit unserer Moral für nicht vereinbar halten. Mein Hinweis endlich die Grausamkeit des Lebens zu akzeptieren wird mir bei der hiesigen Leserschaft sicher das Prädikat „unmenschlich“ verleihen. Das ist auch unmenschlich, weil es letzten Endes alle nicht lösbaren Widersprüche mit aufnimmt. Wir werden nach all dem was ich weiß und erfahren habe nie oder Auseinandersetzungen leben. Da vertraue ich auf ca. 10.000-jährige Menschheitsgeschichte. Das ist ein nicht wegzudiskutierendes schweres Pfund in der Waagschale. Weil das aber so ist, müssen wir auch immer über „das Militärische“ nachdenken, wie auch immer das aussehen wird. Aber wir werden wohl sehr gut beraten sein, wenn wir uns auch auf die Erfahrungen der Alten stützen und die Kraft der Jugend nutzbar machen. Hier sehe ich allerdings ein riesiges Manko. Allein durch Windsurfen, Mountainbiking, Bionade, cafe to go und Bloggs über missliebige Äußerungen eines erfahrenen Beraters der Bundesregierung aus der Mitte, werden wir nicht ein einziges Problem lösen. Wir sollten den Fokus darauf richten, was er uns inhaltlich zu sagen hat und ob das mit der Wirklichkeit korreliert. Ich bin mir ganz sicher, dass wir hier dann erstaunliche Übereinstimmungen feststellen werden und uns fragen dürfen, warum das geballte Wissen der jungen Studentenschaft nicht ansatzweise dazu in der Lage ist? Wenn dem Professor darüber hinaus vorgeworfen wird, dass er nicht genügend weibliche Literaturempfehlungen seinen Studentinnen an die Hand gibt, wird es vielleicht auch daran liegen können, das es a. ggf. nicht genügend Publikationen von Frauen zu diesem Themen vorliegen, b. diese ggf. nicht belastbar sind, c. sie ggf. nicht die Inhalte wiederspiegeln, die dem Professor wichtig in seiner Vermittlung erscheinen. Aber das weiß ich nicht. Es wäre aber denkbar. Hier muss man dann aber auch nach der Befähigung der Studenten fragen dürfen, dass diese solche Studiengänge überhaupt belegen. Wenn sie sich der Lehrmeinung des Professors nicht anschließen, sind die Studenten aufgerufen querzulesen und mit dem Professor, ob der anderen Einsichten und Recherchen in eine Kontroverse zu treten. Hier wird sich die Qualität des Professors daran zeigen, ob er zum einen andere Auffassungen neben seiner bestehen lässt, diese aufnimmt oder verwirft oder sie aus faktischen Gründen widerlegt, widerlegen kann. Oder gar aus dem Widerspruch widerstreitender Ansätze eine Synthese sucht. Ich bin mir sicher, dass es den Professor erfreuen wird, wenn sich seine Studenten um fachliche Aussagen und Meinungen bemühen. Allerdings hat man dann eine substantiell fachliche Diskussion, vor der sich wahrscheinlich die Studentenschaft gern zurück zieht und lieber bei Sojatrunk und Club Mate im Blogg selbstgerecht schreibt, das der Professor böse Worte sagt. Die allgemein zu recht beklagte Schwäche der Linken ist sogleich auch eine abgrundtiefe Schwäche der Jugend. Und man kann dem Professor hier nur ausdrücklich beispringen, wenn er seine eigenen Theorie hier zu Rate zieht und von einer asymmetrischen Kriegsführung spricht. Die meisten echten Schemen, Systematiken spiegeln sich in unterschiedlichen Wirkmenchanismen und ihrer Übertragbarkeit wieder. Seine Theorie scheint, was das angeht, für mich eine erste Nagelprobe insoweit bestanden zu haben. Und es ist bezeichnend für den heutigen Journalismus, dass auch Damen und Herren dieser Branche nicht etwa wegen diskutabler inhaltlicher Ansätze des Professors anspringen und in die Vorlesungen des Professors eilen, sondern, weil sich anonyme Blogger zu Wort melden die Schlamm werfen. Das nenne ich echten politischen Journalismus par excellence. Ganz so, wie es dem Geist dieser neuen Zeit entspricht. Seicht, dumm und orientierungsfrei. Das gilt letztendlich auch für den hier besprochenen Artikel. Immerhin hat dieser bewirkt, dass ich sensibilisiert für die Thesen des Professors Mümkler wurde. Ich bin, was mich angeht, schon deswegen interessiert, weil dem Mann attestiert wird, das er aus der Mitte kommt, dass er mit dem Anwurf des Stigmata des non political corectness beworfen wurde. Mittlerweile in sicheres Indiz dafür, dass der Mann wirklich was zu sagen hat, intelligent ist, und gut recherchiert und sichere Argumente hat. Eben, eine echte gute alte Schule des Geistes verkörpert. Mit freundlichen Grüßen Im dunkeldeutschen Wald

RE: Der asymmetrische Professor | 23.05.2015 | 12:19

DER Freitag Nr. 21

vom 21.Mai 2015

Der asymmetrische Professor

von Luisa Hommerich


Den Professor Herfried Münkel kenne ich nicht, weder durch seine Auftritte noch durch seine Lehrmeinungen und auch nicht durch seine Rhetorik. Aber da ich eine subjektive Zuneigung für ältere Damen und Herren empfinde, besonders dann, wenn sie sich in Ihrem Leben mit wichtigen Fragen zur Geschichte, Philosophie und dem Weltgeschehen gewissermaßen verdient gemacht haben, möchte ich dem Professor gern zur Seite springen. Objektiv erhält er meinen Zuspruch dann, wenn sich aus dem Nebel der Demagogie heraus seine sexistischen und genderfeindlichen Äußerungen, unabhängig davon, wie sich der Professor selbst dazu positionieren mag, bestätigen sollten. Ich schätze Autoritäten, die sich diese durch gedankliche Arbeit erarbeitet haben. Man kann sich daran reiben, man kann diese assimilieren oder sie einfach als Boje zur Navigation durch die Untiefen des zeitpolitischen Geschehens nutzen. Und das Nutzen steht dann hier für den Nutzen als solchem.

Im Artikel wird berichtet, dass der Professor in der sogenannten politischen Mitte fest verwurzelt, sich in seinen Lesungen und Vorträgen zu sexistischen, genderunfreundlichen und militärischen Anspielungen, so die Anwürfe einer anonymen Bloggerschaft, hinreißen lässt. Die Autorin endet mit der lapidaren Einschätzung “Münkler wäre vielleicht besser beraten, sich hier mehr auf Friedens- statt auf Konfliktforschung zu konzentrieren“. Wäre auch zu fragen wer hat hier einen Streit hervorgerufen.

Nun möchte ich nochmals festhalten, dass der Freitag sich im Untertitel „Das Meinungsmedium“ nennt. Das impliziert ja, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, geben muss und dass diese über ein Medium kommuniziert werden sollen, müssen, können; hier konkret dem Freitag.

Verglichen an den gesellschaftlichen Diskussionen, Turbulenzen, Ver- und Zerwürfnissen zwischen Establishment und Studentenschaft Ende der sechziger Anfang der siebzieger Jahre, ist das, was wir heute in der Studentenschaft erleben noch nicht einmal mehr mit eingeschlafenen Füßen zu bezeichnen. Es wurde von vielen Seiten nicht nur festgestellt, sonder auch beklagt, dass noch nie eine Generation so langweilig, unpolitisch und an einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung uninteressiert ist, wie diese. Alle Bereiche des öffentlichen Lebens und Bewusstseins sind mit berstend vollen Belegen für diese allgemeine Einschätzung gefüllt. Man kann dass schön vereinfacht so formulieren: Alle sind satt und gut situiert. Man muss aus der häuslichen sicheren Geborgenheit ausbrechen, damit es einem als Student schlecht geht. Gewollter Ausstieg aus dem fest Gefügten, damit man sich noch ein wenig Abgrenzen und seine Selbstgerechtigkeit bespiegeln kann, als Bewohner einer WG, mit nur zwei Marken-Jeans im Schrank, Handy, Laptop und natürlich tadellosem Internestzugang, zu den Bloggs, um sich bei guten spanischen Rotwein, aus durch Sammelpunkte erworbenen Coka-Cola-Gläser trinkend dann den Teehaus-Revolutionen hingeben kann.

Es gibt tatsächlich Studenten, die es wirklich schwer haben, die sind aber meistens gut selbstorganisiert und wohl erprobt in den Anforderungen, die im tatsächlichen Leben zu erledigen sind. Die kommen nur selten auf die Idee, sich an Teehausrevolutionen zu beteiligen. Vielmehr haben viele davon das Bestreben ein gutes Studium durch erworbene echte Kenntnisse zu absolvieren und sind von daher mehr an den inhaltlichen Thesen der Lesungen interessiert, als daran, ob die Art des Vortrags nun mal gerade den pietistischen Anforderungen einer moralisierenden Junghörerschaft entspricht. (Der Pietismus hat in Abwandlungen eine erstaunliche Persistenz entwickelt -wie die Vieren-. Von all den Peinlichkeiten der Religionen, direkt in die Blogs des Netzes.)

Wohl wahr. Ich habe schon den Eindruck, dass die Front der Denker, Philosophen und charismatischen Persönlichkeiten, die in der Lage sind gesellschaftliche Prozesse sicher zu erkennen und zu beschreiben oder einzelnen politischen Phänomenen und Ursachen nahe zu kommen stark ausdünnt. Wo sollte auch der Nachwuchs geistiger Instanzen herkommen? Aus einer die Fahnen der Selbstgerechtigkeit schwenkenden faden Studentenschaft, die sich im Schwerpunkt um political correctness kümmert sicher nicht.

Darüber hinaus bin ich vor allem der Meinung, dass das Leben um ein vielfaches unfreundlicher und streichelunfähiger ist, als es sich mit dem Streitzeug über die Debatten der Gendermainstream, Sexismuskritik und wohlwollende Ausländerdebatten auch nur halbwegs beschreiben ließe.

Der Chefredakteur dieser Zeitung Herr J. Augstein hatte vor wenigen Tagen einen kleinen Auftritt im Fernsehen bei Maibrit Illner, in der er auf die rhetorische Frage Illners, warum es so einfach ist Kritik zu üben aber so schwer Antworten zu geben, in etwa folgendermaßen antwortete: -Die Frage beantwortet sich eigentlich selbst. Es ist eben einfacher Unsinn zu reden, als intelligente Antworten auf vernetzte Zusammenhänge zu finden!- Und so stellt es sicher wahrscheinlich auch bei den Inhalten der geistigen Ergebnisse des Herrn Professors Münkler dar. Die scharfe rationale Analyse der Welt wird wahrscheinlich etwas sperriger und unverdaulicher sein, als es sich zart besaitete, anonyme Blogger in Ihren Wunschvorstellungen einer nicht sexistischen, gendergemäßg exakten und entmilitarisierten Welt einordnen lässt. Das allerdings ist dann nicht das Verschulden des Professors, sondern rührt eher aus den wohl erheblichen Erfahrungsunterschieden und vor allem –defiziten zwischen beiden Lagern. Wie der Sexismus- als auch der Genderthematik anhaftet, dass ihr nicht nur erhebliche Grundlagen fehlen bzw. erhebliche Bereiche möglicher Betrachtungsweisen, wider besseren Wissens ausblendet (Ich spreche hier von gewollt dümmlicher Ignoranz), die Themen grundsätzlich kontrovers diskutiert werden können und schon allein wegen der „Jungendlichkeit“,-von Jungfräulichkeit will ich hier nicht sprechen, nicht wegen dem zu ahnenden Aufschrei damit dann nicht sexismusfrei- und genderkonform zu sein, sondern weil dies mit der Begrifflichkeit des alten tradierten Denkens nur noch schwer vermittelbar ist, nicht verifizierbar ist bzw. sich irgendwelche Belege liefern lassen, das nun die Gesellschaft dank neuer gesellschaftlicher Forderungen eine besser geworden wäre bzw. werden wird. Nach wie vor, sind beides noch ziemlich theoretische Ansätze. Aber hier bin ich durchaus lernbereit.

Und hier komme ich einer Schlussfolgerung: Während frühere Studentenbewegungen (heute würde ich von keiner Bewegung mehr reden) versuchten Ihr Erfahrungsdefizit an politischen, geschichtlichen und staatsphilosophischen Fragestellungen zu kompensieren und abzuarbeiten suchte und das bestehende Establishment aus seinen historischen und politischen Verknüpfungen heraus in Frage zu stellen, wird der gleiche systematische Potentialunterschied zwischen Jugend und Alter eben auf der Ebene der political correctness ausgetragen. Wie wir heute gut eingesehen haben, hatten die 68-iger nicht in allem Recht und vieles wurde korrigiert. Es hat sich auch vieles geändert und sogar verbessert. Aber das Leben in seiner Systematik entzieht sich wie schon immer der Ethik des Menschen aber nicht der Systematik des Menschlichen. Und wie das so ist, werden wir auch immer, wie schon in der Antike beschrieben, immer und immer wieder auf die gleichen menschlichen Fragen geworfen. Der Prozess ist m.E. sonnenklar, Prof. Münkler ist ein Alter. Er wurde zu einer anderen Zeit sozialisiert und hat seine Thesen auf andere geschichtliche Einsichten und politisch/gesellschaftliche Erfahrungen gegründet. Er hat Zusammenhänge erlebt und durchlebt, die seine Studenten nicht kennen, nicht kennen können. Er ist einfach weiser als diese. Er sagt es auch selber; und das ist klug, dass er solche Auseinandersetzungen nicht mehr nötig hat. Wahrscheinlich wird er sich zurückziehen. Seine Erfahrungen werden aus Sicht der Jungen nicht mehr benötigt. Es ist das Privileg der Jugend Fehler machen zu dürfen. Mark Twain stellte misanthropisch fest, dass nur wer Fehler macht, lernen kann. Das stimmt substantiell nicht ganz, nimmt aber auch einen großen Teilwahrheit mit. Was er damit nicht ausdrückt ist aber, dass Fehler gut sind. Fehler bleiben Fehler. Verstehbar ja, gesellschaftlich schlimm, Politisch nicht wünschbar/katastrophal, denn wir wissen sehr wohl, dass wir nicht in einer grundsätzlich friedlichen Welt leben in die wir uns gern geschlossenen Auges wünschen. Wir werden uns ewig an den Fragen der Welt und des Lebens reiben die wir mit unserer Moral für nicht vereinbar halten. Mein Hinweis endlich die Grausamkeit des Lebens zu akzeptieren wird mir bei der hiesigen Leserschaft sicher das Prädikat „unmenschlich“ verleihen. Das ist auch unmenschlich, weil es letzten Endes alle nicht lösbaren Widersprüche mit aufnimmt. Wir werden nach all dem was ich weiß und erfahren habe nie oder Auseinandersetzungen leben. Da vertraue ich auf ca. 10.000-jährige Menschheitsgeschichte. Das ist ein nicht wegzudiskutierendes schweres Pfund in der Waagschale. Weil das aber so ist, müssen wir auch immer über „das Militärische“ nachdenken, wie auch immer das aussehen wird. Aber wir werden wohl sehr gut beraten sein, wenn wir uns auch auf die Erfahrungen der Alten stützen und die Kraft der Jugend nutzbar machen. Hier sehe ich allerdings ein riesiges Manko. Allein durch Windsurfen, Mountainbiking, Bionade, cafe to go und Bloggs über missliebige Äußerungen eines erfahrenen Beraters der Bundesregierung aus der Mitte, werden wir nicht ein einziges Problem lösen. Wir sollten den Fokus darauf richten, was er uns inhaltlich zu sagen hat und ob das mit der Wirklichkeit korreliert. Ich bin mir ganz sicher, dass wir hier dann erstaunliche Übereinstimmungen feststellen werden und uns fragen dürfen, warum das geballte Wissen der jungen Studentenschaft nicht ansatzweise dazu in der Lage ist? Wenn dem Professor darüber hinaus vorgeworfen wird, dass er nicht genügend weibliche Literaturempfehlungen seinen Studentinnen an die Hand gibt, wird es vielleicht auch daran liegen können, das es a. ggf. nicht genügend Publikationen von Frauen zu diesem Themen vorliegen, b. diese ggf. nicht belastbar sind, c. sie ggf. nicht die Inhalte wiederspiegeln, die dem Professor wichtig in seiner Vermittlung erscheinen. Aber das weiß ich nicht. Es wäre aber denkbar.

Hier muss man dann aber auch nach der Befähigung der Studenten fragen dürfen, dass diese solche Studiengänge überhaupt belegen. Wenn sie sich der Lehrmeinung des Professors nicht anschließen, sind die Studenten aufgerufen querzulesen und mit dem Professor, ob der anderen Einsichten und Recherchen in eine Kontroverse zu treten. Hier wird sich die Qualität des Professors daran zeigen, ob er zum einen andere Auffassungen neben seiner bestehen lässt, diese aufnimmt oder verwirft oder sie aus faktischen Gründen widerlegt, widerlegen kann. Oder gar aus dem Widerspruch widerstreitender Ansätze eine Synthese sucht. Ich bin mir sicher, dass es den Professor erfreuen wird, wenn sich seine Studenten um fachliche Aussagen und Meinungen bemühen. Allerdings hat man dann eine substantiell fachliche Diskussion, vor der sich wahrscheinlich die Studentenschaft gern zurück zieht und lieber bei Sojatrunk und Club Mate im Blogg selbstgerecht schreibt, das der Professor böse Worte sagt.

Die allgemein zu recht beklagte Schwäche der Linken ist sogleich auch eine abgrundtiefe Schwäche der Jugend. Und man kann dem Professor hier nur ausdrücklich beispringen, wenn er seine eigenen Theorie hier zu Rate zieht und von einer asymmetrischen Kriegsführung spricht. Die meisten echten Schemen, Systematiken spiegeln sich in unterschiedlichen Wirkmenchanismen und ihrer Übertragbarkeit wieder. Seine Theorie scheint, was das angeht, für mich eine erste Nagelprobe insoweit bestanden zu haben.

Und es ist bezeichnend für den heutigen Journalismus, dass auch Damen und Herren dieser Branche nicht etwa wegen diskutabler inhaltlicher Ansätze des Professors anspringen und in die Vorlesungen des Professors eilen, sondern, weil sich anonyme Blogger zu Wort melden die Schlamm werfen. Das nenne ich echten politischen Journalismus par excellence. Ganz so, wie es dem Geist dieser neuen Zeit entspricht. Seicht, dumm und orientierungsfrei. Das gilt letztendlich auch für den hier besprochenen Artikel. Immerhin hat dieser bewirkt, dass ich sensibilisiert für die Thesen des Professors Mümkler wurde. Ich bin, was mich angeht, schon deswegen interessiert, weil dem Mann attestiert wird, das er aus der Mitte kommt, dass er mit dem Anwurf des Stigmatas des non political corectness beworfen wurde. Mittlerweile in sicheres Indiz dafür, dass der Mann wirklich was zu sagen hat, intelligent ist, und gut recherchiert und sichere Argumente hat. Eben, eine echte gute alte Schule des Geistes verkörpert.

Mit freundlichen Grüßen

Im dunkeldeutschen Wald

RE: Zeitgemäßes Lernen - Wie raus aus der Tinte? | 10.05.2015 | 20:01

Sehr geehrter Community’ist,

ja ich bin schon etwas älter, aber kann noch ganz gut allein denken.

Leider verstehe ich weder den einen noch den anderen Einwand oder –wurf, habe also keinen Schimmer worauf Sie hinaus wollen.

Nun mir geht es ausgesprochen gut vom Armseligkeit ist nicht die Spur. Weder materiell noch ideell. Oder beziehen Sie sich ggf. auf das intelekuelle? Sie werden sich doch sicher gern erklären. Oder?

Worüber reden Sie? Es tut mir leid, das Sie Ihnen die Tränden flossen. Das wollte ich nicht.

Leider ist es genau das ,was mir beim Lesen des Artikels durch den Kopf geht. Ist das nicht recht so? Bitte korrigieren Sie meine Lebenserfrahrung doch an den entsprechenden Stellen. Was geht Ihnen so durch den Kopf wenn Sie nicht weinen?

In iesem Zusammenhang sei gefragt, was sind Schalenmenschen? Im Web habe ich dazu nichts gefunden.

Bitte höflichst um Aufklärung;

Und wen wird es überraschen, dass auch jetzt Kinder in und an der Schule leiden. Eltern inbegriffen. Und das wird sich auch sicher in einer digitalen Welt nicht ändern. Ein Ideal gab es nie und wird es wahrscheinlich auch nie geben. Ich kann nur sagen, was mich betrifft, war das bisherige nicht das schlechteste System. Ich kann nicht beurteilen wie andere mit dem Angebot des Lernens umgehen oder umgegangen sind. Für meinen Teil behaupte ich, dass ich ganz gern zur Schule gegangen bin und dort auch so manches gut verinnerlicht habe.

Ich empfehle zum Lesen Andrea Hirata „Die Regenbogen Truppe“. Ein m.E. ergreifender Report darüber, wie in unseren Tagen an anderen Orten der Welt die Möglichkeit auf Bildung wahrgenommen wird.

Ich hoffe das hilft Ihnen bei der Sicht auf der Welt. Gern stehe ich Ihnen in anderen Dingen mit Rat und Tat sachdienlich zur Seite.


Mit freundlichen Grüßen


Im dunkeldeutschen Wald

RE: Zeitgemäßes Lernen - Wie raus aus der Tinte? | 10.05.2015 | 16:21

Der Freitag, Nr. 19, vom 07. Mai 2015

„Die Schlacht um Digitalien“von Christian Füller.


Gutes Thema. Die Frage bleibt für mich unbeantwortet, wozu das gut sein soll?

Auf den Seiten 6/7 sieht man groß, ein, mit Hilfe digitaler Medien erzeugtes Bild, das dem Opa, der, so die Unterschrift vermuten lässt, noch zu Zeiten der Feuerzangenbowle die Schulbank drückte erfreuen soll. Nun der Opa, als Produkt guter alter deutscher Werte wird den Guten Willen für die Tat nehmen und als liebender liberaler Opa wird er sich für seinen Enkel oder Urenkel genau diese Bildung „Feurzangenbildung“ wünschen, die im Freitag-Artikel hier neu befragt wird.

Vorweg; als nun guter Mittfünfziger hatte ich eben Eltern, die just zu dieser Feuerzangenbowlen-Zeit noch die Grundzüge eines bis dahin gut bewährten Bildungscanons erfahren durften.

Fange ich mit meiner Mutter an: Jahrgang 24, in einer kleinen obskuren katholisch geprägten Gemeinde aufgewachsen, ihre Eltern bettelarm und erzkatholisch, kriegsversehrt, ging sie zusammen mit ca. 70 anderen Kindern in die sogenannte Volksschule. Dort saß sie sieben Jahre auf der Schulbank , alle in einem Klassenraum und mit nur einem Lehrer, wurde dann Kindergärtnerin später dann Bürokauffrau. Meine Mutter konnte nach 8 Jahren Schulausbildung fehlerfrei schreiben, (anders als ich) präzise rechnen und hatte gemessen an den meisten Heutigen ein profundes Naturverständnis. Sie konnte keine Differentiale lösen und kannte auch nicht den Chemismus der Veresterung oder wusste nichts von der Tillmannschen Gleichgewichtskurve natürlicher Wässer etc. Sie hatte mit 16 Jahren so ziemlich alle wichtigen Werke der Deutschen,Russen und Franzosen gelesen, konnte dank der katholischen Exerzitien ziemlich gut Lateinisch verstehen und dank dessen, mir komplizierte Zusammenhänge und Ausdrücke auf den Wortstamm zurückführend erklären. Sie konnte vom Blatt drei Stimmen singen. Sie spielte nach eigenem Gehör wundervoll Klavier. Küchenarbeit, Haushalt bewältigte sie mit einer Akkuratesse, das so manch Hotellier aufschauen würde. Sie beschäftigte sich mit Gärtnerei und hatte solche Erfahrungen und Erfolge, dass Sie von ausgewiesenen Gartenbauingenieuren um Rat gebeten wurde. Für das bisschen Schule war das Wissen und Können enorm. Sie kannte kein Internet und hat aus einer Mischung aus Auffassungsgabe, Anreizen aus der der Liebe zur Natur und dem Leben als ganzen ein großartiges Wissen zu dem ihren gemacht.

Mein Vater kam aus privilegierten Schichten und besuchte in Magdeburg die Reformschule Berthold Otto, deren Herausstellungsmerkmal der sogenannte Gesamtunterricht war. Hier stellten Schüler Schülern Fragen, die diese beantworteten. Erst wenn es der helfenden Hand der Lehrer bedurfte, sprangen diese bei, und vermittelten und vertieften. Modernste Anlagen und Geräte, Landschulheim und Ruderboote gehörten zur tadellosten Ausstattung. Latein und Rhetorik waren selbstverständlich. Mein Vater war nach eigenen Angaben ein mäßiger Abiturient. Seine Aufzeichnungen sind gestochen sauber, absolut fehlerfrei geschrieben und jede Zeichnung oder geometrische Darstellung (Kegelschnitte als räumliche Freihandzeichnung) können heute ohne weiteres als Druckvorlagen für Lehrbücher dienen. Sein gesamtes Wissen über die Antike erschloss er sich über das lesen der vorliegenden Originaltexte von Vergil bis Tacitus.

Egal was mein Vater in die Hand nahm, er fand eine Lösung. Durch Kriegsgeschehen und Gefangenschaft konnte der sein Ingenieurstudium an der TU Braunschweig nicht fortsetzen. Mein Vater war in der Lage sich komplexe und komplizierte Sachverhalte anzueignen und konnte mir fast alles aus dem Stehgreif erklären. Er konnte auf Grund seiner Schulausbildung wundervoll vortragen und spannungsvoll vorlesen, dichten und phantasieren, zeichnen und malen. Eine schöne Stimme war ihm nicht gegeben.

Er war kein Genie, hatte einfach als mittelmäßiger ziemlich lustloser Schüler in einer Feuerzangen Lehranstalt seine Zeit nichtsbringend abgesessen. Sehe ich mir heute die Schul-Mitschriften seines Bruders an, der noch bei den Herrn Studienrat und Professor XYZ zur Schule ging, dann treibt es mir die Tränen in die Augen, dass ich nicht solch phantastische Bildungseinrichtungen besuchen durfte. Ich hatte schon modernere Mittel der Wissenserschließung, bin auch nicht dümmer als es mein Vater oder meine Mutter oder Onkel waren, habe aber keinesfalls so ein umfangreich gesichertes Wissen wie sie es hatten.

Soviel meine Haltung zu den in Frage gestellten Bildungskonzepten unsere Altforderen.

Wer glaubt auch mit Hilfe digitaler Medien an den Mühen des Lernens vorbei zu kommen und sich durch den Umgang mit digitalen Medien ein mehr an Bildung und Erziehung verspricht, dem sein die neuen Erkenntnisse der Hirnforschung nochmals aufgerufen. Denken ist Arbeit, Arbeit ist das Freisetzen von Energie, beim Menschen in Form von Wärme, das zeigen die bildgebenden Verfahren bei der Auswertung von Hinprozessen. Gegen das Verbrauchen von Energie sträubt sich der menschliche Körper. Darum ist Lernen anstrengende Arbeit. Mitunter schweißtreibende Arbeit. Über den Kopf verlieren wir einen Großteil der wichtigen Körperwärme. Deshalb sollen Kinder im Winter eine Mütze tragen, weil ihr Kopf im Verhältnis zum Gesamtkörper groß ist und der Wärmeverlust dort signifikant. Energieverlust macht Müde und der Körper wehrt sich. Wer also denkt er bekommt Hirnverschaltungen und Nervenvernetzungen ohne Arbeit irrt sich schwer, wie meines Erachtens diejenigen Vertreter, die meinen mit digitalen Krücken das Lernen neu erfinden zu können.

An keiner Stelle konnte im Freitagartikel irgendwo aufgezeigt werden, an welcher Stelle und in welcher Weise das Lernen mit Hilfe von Tabletts nun besser oder tiefere Lernerfolge bringt oder bringen kann. Allein die Feststellung, dass deutsche Unterrichtsräume nicht gut an das Internet angeschlossen sind, stellen eine etwas dürftige, wenn nicht sogar überhauptkeine Ausbeute mit Blick auf die Frage, was eigentlich Bildung ist und was darin Schule überhaupt leisten kann dar.

Wird künftig nicht mehr der Pythagoras gelehrt? Nein was dann? Wie sich die heranwachsenden Männer in der letzten Bank vor Pornoseiten auf Ihren Tabletts im Unterricht schützen können?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich die Begeisterung für die digitalen Medien bei der Erarbeitung des Kosinussatzes oder der Durchdringung der galvanischen Reihen und der Eroberung des Mendeljewschen Periodensystems der Elemente etwas neutralisieren wird. Auch dort wird man nicht umhin kommen die Sache geistig zu verarbeiten und einzuüben wenn es denn Wissen werden soll. Oder aber es bleibt bei der gegenwärtigenForm von Konversation zwischen Alt und Jung, das Jung zu jedem was es vorzubringen gilt ersteinmal „googelt“, wie man selber leider nicht auf gefestigtes Wissen zurückzugreifen vermag. Am Ende geht es aber nicht darum, dass man dies oder das mit dem Tablett lernt, sondern dass man lernt, dass Erfolg meist nicht ohne physische und seelische Anstrengung von statten geht. Eine immanent wichtige Erfahrung, die man bislang gut in den hiesigen Schulen nach alter Prägung lernen konnte. Ohne Kopf“ARBEIT“, ohne Mühe und Anstrengung kein Erfolg, keine Bildung, kein abrufbares Wissen. Es ist und bleibt ein Trugschluss: Es gibt keinen Nürnberger Trichter, kein Tablett und keine Tablette um sich Wissen und Fähigkeiten anzueignen. Und der Artikel schließt ganz zu Recht mit der bitteren Satire – und anders kann man es ja nicht mehr verstehen. Das der Forscherkoffer der Bundesregierung in Kindergärten (Alter 3 -5 Jahre) nun das Mähen einer Wiese virtuell veranschaulicht.

Also, von mir mit allem Nachdruck und voller Kraft NEIN! Zu Herrn Andre‘ Spang und Frau Saskia Esken. Verschont bitte meine Enkel, mit Euren Eingebungen. Bitte, bitte!!!!!!!! Nicht das auch noch.

Lange, lange habe ich über den Ausspruch Frau Eskens nachgedacht, was es heißen mag „Der digitalen Bildung kommt die Aufgabe zu, die Menschen mit der Aneignung einer digitalisierten Welt zu einer souveränen Teilhabe an ihr zu ermöglichen.“ Das klingt nicht nur wie dem neuen Katechismus der Cyber-Welt entnommen, sondern führt ganz und gar am Thema was Bildung und Schule ist vorbei. Meilenweit! Frau Esken, ich möchte Ihnen zurufen. Ich bin ein Mensch, der viel zu tun hat und heute notgedrungen viel im Internet arbeiten muss. Ich habe im meinem Leben besseres zu tun, als zu surfen. Mein Job ist es Probleme zu lösen. Und obwohl ich kein Web-Fan bin, denke ich, dank der vielen Möglichkeiten sehr tief und intensiv in die Sphären des Netzes vorgestoßen zu sein. Ich bin mit Mitte Fünfzig sehr gut im 21. Jahrhundert angekommen. Allerdings hatte ich noch an der Kreidetafel binäre und andere Zahlenmodelle kennengelernt. Ich bin kein Informatiker. Vielleicht hat mich auch das etwas vorsichtiger beim Lösen von Aufgaben gemacht. Gern dreh ich mich auf meinem Stuhl um und greife neben dem Internet auch noch mal zum Lehrbuch und lese gründlich nach. Mir hat das bisher nie geschadet. Und ich weiß kein Argument dafür hervorzubringen, an welcher Stelle hier das Web genauere Informationen liefern könnte. Glauben Sie mir: Bei der Lösung meiner beruflichen Aufgaben wurde ich im Netz oft zu so großem Unsinn geführt, dass ich mir besser lieber gleich die Mühe hätte machen sollen im Fachbuch nachzulesen.

Bildung meint wohl einiges mehr als das Abrufen von Wissen und Fähigkeiten. Kreativität die durch das Nadelöhr des Tabletts geht, ist mir einfach nicht kreativ genug und kann nicht wirklich kreativ sein. Es sei denn man schneidet diesen Begriff auf diesen engen Umstand zurecht. Das was hier gemeint ist, ist mir bei weitem zu eng und ich lasse es in meiner Begriffswelt noch nicht zu, dies Rumgestocher als wahrhaft kreativ zu bezeichnen. Kreativ ist man zunächst in seiner Gedankenwelt. Die vielen stereotypen Verknüpfungen im Netz machen per se noch nicht kreativ. Kreativität entwickelt sich, wenn das Hirn in seiner Ausgestaltung mannigfaltige, unterschiedliche Wahrnehmungen macht und diese zu Neuem verknüpft Ohne Fraage zählen dazu auch die sinnlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen. Die Erfahrungswelt die sich über das Tablett erschließen lässt, ist aber immer eine selektive und sehr eingeschnürte. Es ist zu Recht ein Schwergewicht unter den philosophischen Fragestellungen, was wir, wie wirklich als gesetzt wahrnehmen können. Einfacher: Es ist ein riesiger Unterschied. Ob sich ein Kind ein womöglich stilisiert dargestellten Elefanten auf dem Tablett ansieht oder aber, ob es diesen im Zoo oder anderswo tatsächlich erlebt. Deshalb wird die Erlebniswelt der Kinder durch digitale Medien eher eingeschränkt, als das es eine echte Erfahrung werden kann. Aus diesem Grund ist es immer besser das Kinder in Ihrer Entdeckungswelt zunächst an die wahre Welt heranzuführen. Ein Erwachsener wird ausreichend abstrahieren und ordnen können.

Ich find es deshalb gut, wenn kleine Kinder in der Natur spielen, im Kindergarten in einem „Garten“ sind und dort Eindrücke und Erlebnisse gewinnen. Ich finde es gut, wenn sich Schüler in einem Klassenverband zusammenfinden, dort zusammen lernen, arbeiten, werkeln, Erlebnisse und Krisen durchstehen, Anstrengung erleben und die Mühen es Lernens erfahren, wenn sie im Sport Spaß an der Körperlichkeit, der Bewegung entwickeln und sich nicht ihre Fehler bei der Reckübung hinterher auf dem Tablett ansehen (Wo ist hier der evidente Gewinn?), sondern selber den Impuls herausfühlen, der ihnen liegt und sie vielleicht weiter bringt. Ich finde es gut, wenn komplizierte Sachverhalte durch eine fachliche und menschliche Autorität, an der man reifen kann, vermittelt werden und zu dem die Schüler auch nach der Stunde hingehen können, um ggf. dies oder das noch einmal nachzufragen oder zu erörtern.

Ich habe drei erwachsene Kinder. Die können alle ihren „Namen tanzen“ was soviel heißt, dass sie zur Waldorfschule gingen. Sie haben alle ein mit Bravur abgeschlossenes Universitätsstudium und stehen heute im Beruf. Ich freue mich, wie sie sich dies und das aus dem Internet angeln und klar argumentierend aufzeigen, welch grober Unsinn da und dort ins Netz gestellt ist. Sie sind wirklich sehr kritisch und Medienkompetent! Dazu brauchten sie weiß Gott kein Internet im Unterricht.

Gewinner bei der Erschließung von Klassenräumen durch das Internet kann nach meinem Dafür nur Appel und Samsung sein, niemals aber unsere Kinder und auch nicht unsere Gesellschaft im Ganzen.


Es grüßt

Im dunkeldeutschen Wald

RE: Rumpelstilzchen des Pop | 06.09.2014 | 19:06

Das Rumpelstilzchen des Pop,

ist Xavier Naidoo?

Viele Songs von ihm gefallen mir richtig gut. Aber ich bin kein echter, großer Fan.

Ich bin aber Fan von Herrn Brüggemann, der mal wieder eine Expertise darüber abgab, dass er das Rumpelstilzchen des deutschen Journalismus ist.

Es gab schon viel unangenehm riechenden Käse von Herrn Brüggemann im Freitag zu lesen. Sein völlig informationsfreier Beitrag über das Rumpelstilzchen der Pop-Musik ist eine seiner neurlichen Verfehlungen, die nun schon zusammengenommen eine beachtliche Reihung von Perlen auf einer langen Kette bilden. Was mich dann immer wieder beeindruckt ist, wie es der Herr Brüggemann mit seinen „wichtigen Mitteilungen“ schafft, so gut in diesem Wochenblatt platziert zu werden.

Meine Vorredner/-schreiber haben im Prinzip schon alles zum Artikel gesagt und durch Wiederholungen will ich auch nicht langweilen. Wobei es mir natürlich auch große Freude macht zu beobachten, wie sich Herr Brüggemann von ein zum anderen mal zum Rumpelstilzchen elaboriert.

Eins liegt mir dennoch am Herzen. Als Musikfreund wünsche ich mir nun mal Objektivität wenn es um die Beurteilung von Musik und Musikern geht. Zu Herrn Naidoo kann ich nur obiges wiederholen. Aber zu Herrn Wagner gibt es einiges mehr zu sagen. Wenn Herr Brüggemann auch nur einen Hauch einer Ahnung von R. Wagner hätte, der revolutionäres in der bis dahin niedergeschriebenen Musik geschaffen hat, eine Korrespondenz mit Feder niederbrachte, die ob des Umfangs bis heute noch nicht vollständig erfasst und aufgearbeitet ist, ein bedeutendes kunsthistorisches Werk und einfache große Musik hinterlassen hat, wogegen das „Werk“ des Herren Brüggemann sich noch nicht einmal wie ein Fliegenschiss ausnimmt, und Herr Brüggemann mal einen Hauch von dem tangiert hätte, was die neue Wagnerforschung ans Licht gebracht hat und wie heute sein Werk und Denken rezipiert wird, dann wüsste selbst in Kleinjournalist wie Herr Brüggemann, dass es ihm verboten ist Wagner in irgendwelchen Vergleichen anzuführen. Nicht das man Naidoo nicht neben Wagener stellen dürfte. Aber Geistern wie Herrn Brüggemann ist das verboten! (Von wem? Vom guten Geschmack, vom Stil, von der Sorgfalt und Achtsamkeit, von der Vernunft, vom Wissen und wohl auch von der Schönheit und ganz, ganz, ganz am Ende auch noch von mir!) Ich bin kein Wagnerfreund, aber wenn Herr Brüggemann mit Blick auf Wagner ausführt, dass es sich bei seinem Werk um eine Art „phobischen Gesamtkunstwerk“ handelt, dann möchte ich Herrn Brüggemann nur noch in die Tastatur seines PC‘s brechen. Mir ist spei übel, ob solcher Arroganz und Dummheit. Zum Glück leben wir in einem Land in dem man so ziemlich frei seine Meinung äußern darf und es ist wohl dies der Grund dafür, warum Herr Brüggemann noch schreiben darf und solange es als infantile Belustigung verstanden werden darf, dann auch meinetwegen soll.

Hilfe, Orientierung, Aufarbeitung, eine Behandlung von Substantiellen (-das waren für mich die Gründe dafür, warum ich dachte eine liberale Wochenzeitschrift wäre gut für mich. Etwas Erhellendes in eine komplizierte und wirre Welt zu bringen. Fragen stellen und über die Welt staunen und quer diskutieren wären hilfreiche Ziele einer Wochenzeitschrift, die ja von geklärteren Denkprozessen geführt werden sollte.-) habe ich bei Herrn Brüggemann noch nicht gelesen und ich bin sicher, dabei wird es auch bleiben. Das unterscheidet Menschen wie R. Wagner von Herrn Brüggemann. Wagener war ein Könner und wacher Geist der wirklich was zu sagen hatte und der andere schreibt nur um sich zu gefallen und verbraucht Ressourcen.

Ich muss mich jetzt übergeben Tschüß…..