Der Maler und Filmemacher Jürgen Böttcher Strawalde wird 80.

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Der Maler entdeckt auf einem orangefarbenen Müllcontainer Schrammen und Kratzer. Begeistert springt er durch das Bild und fordert den Kameramann (Lars Barthel) auf, die abgeblätterte Farbe in einer Fahrt abzufilmen. Beetz legt später Musik unter diese Aufnahmen. Und tatsächlich: auf dem Container tanzen Figuren, korrespondieren Linien und Schraffuren miteinander. „Und das unterhält sich dann mit den alten Steinen“, deutet Böttcher auf das Pflaster, „alles ist dialogisch.“ Wie schön und wie furchtbar sei doch diese Welt. Sagt’s und kann es nicht fassen, dass diese Dialektik wieder einmal auf der Straße liegt. So offensichtlich. Für alle Augen.
„Mein Leben – Jürgen Böttcher/Strawalde“, Sonntag, 16.30 Uhr, Arte

Das BABYLON zeigt 13 Filme von Jürgen Böttcher:
www.babylonberlin.de/juergenboettcher.htm

Jürgen Böttcher wird am 08. Juli 1931 in Frankenberg/Sachsen geboren und verbringt seine Kindheit von 1937 bis 1949 im Dorf Strahwalde in der Oberlausitz. Anlehnend an diesen Ort der Kindheit, gibt er sich später den Künstlernamen Strawalde. Von 1949 bis 1953 studiert er Malerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. Anschließend arbeitet er als freischaffender Maler und als Dozent an der Volkshochschule Dresden. Zu seinen Schülern gehört der Maler Ralf Winkler, der später als A.R. Penck international berühmt wird. Mitte der 1950er Jahre beginnt sich Böttcher für den Film zu interessieren, vor allem fesseln ihn die sowjetischen Klassiker von Sergej M. Eisenstein und Olexandr P. Dowschenko sowie die Werke der italienischen Neorealisten Roberto Rossellini und Vittorio de Sica. Ab 1955 studiert er Regie an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Potsdam-Babelsberg. Ab 1960 arbeitet er als Regisseur am DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Gleich sein erster Film „Drei von vielen“ (1961), ein Porträt über befreundete Künstler, die nach ihren eigenen Vorstellungen leben, wird nicht zugelassen. Im selben Jahr – noch vor Mauerbau – plant Fritz Cremer, ein angesehener Bildhauer in der DDR, eine Ausstellung über junge Künstler, u.a. mit Böttcher und A.R. Penck. Nach Verschärfung der politischen Lage findet eine regelrechte Hetzjagd gegen die jungen Künstler statt. Böttcher, der durch seine Kriegserlebnisse und die Werke Brechts geprägt ist, setzt sich leidenschaftlich gegen Krieg und Kapitalismus ein. Mit 17 Jahren tritt er in die SED ein, er glaubt an die Utopie einer besseren Welt, setzt sich als kritischer Geist mit den Politikoberen auseinander, spricht Missstände an und bildet fern vom sozialistischen Realismus den Alltag und das Leben des Landes ab. Er engagiert sich für unterdrückte Kulturschaffende, opponiert gegen die Ausbürgerung seines Freundes Wolf Biermann, den er seit 1964 kennt. Trotzdem erwägt Böttcher bis zuletzt nie, die DDR selber zu verlassen. Von Staatsführung und Partei wird er einerseits bekämpft, andererseits bewundert, erfährt bei einzelnen Projekten wie z.B. dem Dokumentarfilm „Ofenbauer“ (1962) auch Ehrungen. Ab Mitte der 1970er Jahre tritt Böttcher verstärkt wieder als Maler in Erscheinung, dreht aber weiter Kinodokumentarfilme. Bis 1990 realisiert er über 40 Filme. Nach der deutschen Vereinigung widmet er sich ausschließlich der Malerei und ist inzahlreichen Ausstellungen vertreten.

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Gaus:
Und Sie haben großartige Filme gemacht. Wir kommen auch darauf. Haben Sie je empfunden, dass in einer Doppelbegabung auch ein Risiko stecken kann?

Strawalde:
Ach Gott, das ganze Leben ist enorm risikoreich.

Gaus:
Ah, das ist jetzt kokett.

Strawalde:
Nein.

interview günter gaus mit jürgen böttcher:
www.rbb-online.de/zurperson/interview_archiv/boettcher_juergen.html

www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12120359/63369/Der-Maler-und-Regisseur-Juergen-BoettcherStrawalde-wird-Wie.html

Günter Kotte zeichnet ein akustisches Porträt des Künstlers:
www.dradio.de/dkultur/sendungen/feature/1460124/

www.strawalde.de/

11:03 03.07.2011
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Geschrieben von

indyjane

etwas ist immer
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