droste brüning petrowsky

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Zum ersten Mal trafen sich Uschi Brüning, Ernst-Ludwig Petrowsky und Wiglaf Droste im Mai 1999 bei einem Auftritt im längst untergegangenen Berliner Tränenpalast.

Jahre später verfiel Wiglaf Droste auf die Idee, dass ein Westdeutscher ein Anrecht auf ein ostdeutsches Elternpaar haben solle – und sei es durch zwangsweise Einigung wenigstens nachträglich humanistisch sozialisiert zu werden.

Seitdem verbinden sich Freier Jazz auf höchstem künstlerischem Niveau mit sprachartistischer Satire wie heißer schwarzer Kaffee ohne Verdünnung durch Zucker oder Konsensmilch.

Gemeinsam ist den dreien musische Radikalität, Präsenz und Humor. Solo, in Duetten oder sogar im Trio lassen sich die Brüning, Petrowsky und Droste auf ein immer und zugleich auch immer anders inspiriertes Aufeinanderprallungen ein.

Droste, als Wahlleipziger häufiger Gast in der lebendigen Kneipen- und Kleinkunstszene von Halle, ätzt gewohnt gallig über "die Hitlerwiederaufbereitungsanlage Guido Knopp" und Wortschöpfungen wie "Sparadies". Die beiden Musikanten neben ihm würzen die beißenden Attacken mit ungewöhnlichen Interpretationen von Ornette Colemans "Folk Tale" und Donaldsons "Making Whoopee". Petrowsky imponiert dabei wie immer mit einem in Noten sprechenden Saxophon, Brüning hat immer noch dieses Rauchige, das jeden Moment in glockenhelles Klingen umschlagen kann.

Der Star hier ist allerdings dennoch der selbsternannte "missratene Sohn aus dem Westen". Vordergründig ist alles blanke Wucht und wilde Wortbalgerei, was der Verfasser des "Wörterbuchs des Gutmenschen" in seinen Traktaten verkündet. Doch wer genau hinhört, wie Droste Sprachmelodien baut, Doppeldeutigkeiten ausbeutet und der Alltagssprache an die Sinnwurzel geht, erkennt in seinem Umgang mit Sprache kaum zufällige Ähnlichkeiten zum Spiel mit dem Material Musik, wie es die beiden Alt-Jazzer Luten Petrowsky und Uschi Brüning im blinden Verständnis perfektionieren.

konsum.buschfunk.com/meine-ostdeutschen-adoptiveltern-und-ihr-missratener-sohn-aus-dem-westen.html

08:58 06.07.2011
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Geschrieben von

indyjane

etwas ist immer
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