Hedonistische Nachhaltigkeit mit Müllerverbrennungsanlage ?

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Ist es nun ein weiterer Meilenstein der Durch-ästhetisierung der Lebenswelten oder ein interessanter Entwurf? Ich bin skeptisch.

Ein deutsch-dänisches "Team" schafft eine Vision einer Müllverbrennungsanlage und vermarktet dies erneut mit der Begrifflichkeit von Hedonistischer Nachhaltigkeit.

Der Vorschlag zum aktuellen Szenario stammt von einem deutsch-dänischen Team aus BIG Bjarke Ingels Group, realities:united sowie den Landschaftsarchitekten TOPOTEK 1 zusammen mit ihrem jungen Büroableger MAN MADE LAND. Das Quartett hat vergangene Woche mit seinem Entwurf für die Neugestaltung einer Abfalldeponie in Kopenhagen das internationale Wettbewerbsverfahren gewonnen, wie gestern im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt wurde.

Die neue Anlage soll in eine schon vorhandene Infrastruktur aus Freizeitnutzungen eingebunden werden. Das Dach des Kraftwerks soll mit einem 31.000 Quadratmeter großen Skigebiet unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade für Kopenhagener und Besucher dienen – ein besonderes Freizeitangebot. „Hedonistische Nachhaltigkeit“ nennen die Architekten ihr Entwurfskonzept.

Das Gebäude soll sich durch die vertikale grüne Fassade von weitem in einen Berg verwandeln. Ein Wegesystem im angeschlossenen Park verbindet eine Gebäudeseite mit dem benachbarten Wohngebiet. Ein weitere Besonderheit ist der von realities:united entwickelte Schornstein: Wie die dicke Raupe mit der Wasserpfeife aus Alice im Wunderland pafft dieser Rauchringe in den Kopenhagener Himmel – die Größe soll dabei den Energieverbrauch verbildlichen. realities:united transformieren so das dreckige Image der Industrieschornsteine in ein positives Zeichen zukünftiger Nachhaltigkeit.

http://www.baunetz.de/img/36085447_3a2376d93b.jpeg

Der Däne Bjarke Ingels hatte bereits 2009 unter dem Titel "Yes is More" ein "Manifest für hedonistische Nachhaltigkeit" veröffentlicht, in dem er das ökologische Gewissen verspottet, das nur von Verzicht spricht.
Damals hatte Ingels eine Alpenwiese entworfen, die er in Hamburg in der Elbe verankern möchte. Auf einer Schräge plätschert ein Bach, in der blühenden Wiese sind Steckdosen für Computer versteckt, darunter befindet sich eine Freilichtbühne. Das ist natürlich nicht so ökologisch wie ein Betonwürfel mit Thermopanescheiben, aber dafür so einladend, dass Besucher nachhaltig gute Laune mitnehmen.

http://www.detail.de/media_detail/images/3/576_500_283.jpg

mehr unter:

www.big.dk/

10:55 27.01.2011
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Geschrieben von

indyjane

etwas ist immer
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