strom + wasser heinz ratz tour der 1000 brücken 2011

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Der moralische Triathlon Teil 3: „Die Tour der 1000 Brücken“

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960 km Laufen, 850 km Schwimmen und 7000 km Radfahren – der “moralische Triathlon” des Liedermachers Heinz Ratz geht in die dritte und entscheidende Etappe.

Was zunächst nach einem sportlichen Rekordversuch der Superlative klingt, hat einen durchaus ernsten und politischen Hintergrund: denn Ratz läuft und schwimmt und radelt nicht nur, er gibt während seiner Touren jeden Abend Konzerte, sammelt Spenden und thematisiert Wahrheiten, die gerne hinter die blankpolierten Fassaden der Gesellschaft weggedrückt werden. Ob es Obdachlosigkeit, Artenschutz oder wie jetzt: einen menschlichen und gerechten Umgang mit Flüchtlingen betrifft: die allabendlichen Konzerte und der sportliche Rahmen dienen in jedem Fall einem Aufrütteln, Stellungnehmen und einer konkreten Unterstützung für Natur und Mensch.

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Das für Ratz wichtigste Thema beginnt er in enger Zusammenarbeit mit Pro Asyl und den deutschen Flüchtlingsräten in seiner “Tour der tausend Brücken”: das Miteinander von Kulturen und Religionen, ein respektvoller und menschenwürdiger Umgang mit Notleidenden und Flüchtlingen anderen Nationen und ein klares Nein zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Ratz, der als Kind selbst den Nahostkonflikt und später den peruanischen Bürgerkrieg miterleben mußte, will nicht nur die Flüchtlingslager besuchen und deren Bewohner einladen, abends gemeinsam mit seiner Band “Strom & Wasser” zu musizieren, er baut auch auf den Rückhalt vieler Kollegen, die bereits seine beiden anderen Triathlon-Etappen unterstützten: Konstantin Wecker war dabei, Götz Widmann, Stoppok, aber auch die Kabarettisten Bodo Wartke, Gerburg Jahnke, Jochen Malzheimer und viele mehr!

LIED VON DER ELBE

Sie war nun fort,
seit zwanzigtausend Jahren,
bedeckt von Schlamm,
Muscheln in den Haaren.
Eine uralte Göttin
feiert ihr comeback,
die Stirn versteinert,
die Lippen ohne Zweck.

Sie teilt das Wasser
und sie teilt die Wellen.
Selbstmördergrab.
Lagerfeuerstellen.
Sie will ja nichts als
ihren Garten wiedersehen
und zwischen Bär und
Adler gehen.

Zwölf Fuß hoch und in
Quallenfarben.
Die haut aus Schutt,
Algen oder Narben.
Der Gang einer Spinne,
traurig und allein.
Sie fand ihre Welt
begraben unter Stein.

Das Leben der Menschen -
was hatte sie davon?
Sie sah nur den Wahnsinn
aus Eisen und Beton.
Sie sah nur die Häuser,
Die Autos und das Licht -
aber Bären oder Adler nicht.

Sie hob die Hand -
die Stadt soll bluten.
Ich will hier alles überfluten!
Die alte Göttin zerriss mit Macht
die Regenwolken in einer Nacht.

Für Stein und Eisen
soll das genügen,
aber mehr noch brauch ich
für die Lügen
aus Neonlichtern und Papier -
ich rufe die anderen Flüsse zu mir.

Ich hasse die Stadt,
Ich hasse die Stadt,
Ich hasse die Stadt -
und die Stadt muss weg!

Moldau und Mulde und Saale
bringen Wasser.
Havel und Eger und Elster
bringen Dreck.
Moldau und Mulde und Saale
bringen Wasser -
Ich hasse die Stadt.
Und die Stadt muss weg!

Welt aus Wasser,
Schwimmende Tische.
Friede für Schwäne,
Enten und Fische.
Menschen vertrieben,
Städte zerstört.
Nichts, was die alte Elbe
noch hört.

Sie geht zurück,
sich wieder schlafen legen.
Bedeckt von Schutt,
Ruinen und Regen.
Für ein-zwei Jahre oder mehr.

www.strom-wasser.de/

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09:00 17.01.2011
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Geschrieben von

indyjane

etwas ist immer
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