Die Würde der Abhängigkeit

Arbeit am Ausdruck Der amerikanische Soziologe Richard Sennett sieht den Sozialstaat als Kulturprojekt
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Das ist so unpersönlich. Für die bist du doch nur eine Nummer. So oder ähnlich lauten immer die Entsetzensrufe, wenn jemand vom Sozial- oder vom Arbeitsamt zurück kommt und seinem Zorn über die Verfahren der Bürokratie freien Lauf lässt. Soziale Hilfe gilt nicht mehr als blind waltende Gerechtigkeit, ohne Ansehen der Person und ihrer Nasenspitze. Sondern als Missachtung des Individuums. Ob sich das ändern wird, wenn es statt Ämtern künftig "Kompetenz"-Zentren gibt?

Respekt im Zeitalter der Ungleichheit. Der Titel des neuen Buches von Richard Sennett mutet auf den ersten Blick wie eine Neuauflage der seltsam klanglos versickerten Kommunitarismus-Debatte der neunziger Jahre. Das Individuum soll mit seinen sozialen Tugenden das ersetzen, was bi