Es ist doch wohl der Gipfel mit den Gipfeln

Mehr als ein Gipfel. Ganze Städte werden zu Hochsicherheitstrakten erklärt. Wäre ein Kreuzfahrtschiff auf dem Meer nicht der geeignetere Tagungsort? Und wer zahlt die politische Zeche?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Der nächste G-7-Gipfel auf Schloss Elmau in Bayern wird laut offiziell zugänglichen Quellen mit gut 130 Millionen Euro veranschlagt, jetzt für Lübeck reden die Behörden von Einsatzkosten von gut 5 Millionen Euro. Welche gewaltigen Summen vom Steuerzahler aufgebracht werden müssen und hier ohne Diskussionen mühelos über die Bühne gehen, lässt sich an der geplanten Infrastrukturabgabe (Maut) leicht veranschaulichen. Denn diese Einnahmen belaufen sich auf die Summe, die der Gipfel in Bayern allein kostet.

Aber für einen Gipfel ist uns nichts zu teuer. Gut 20.000 Sicherheitskräfte werden für ein ungestörtes Treffen und dem Schutz vor aufmüpfigen Bürgern sorgen. Was dabei herauskommt, außer einem netten Treffen mit anderen politischen Wichtigtuern, bekommt das ,,gemeine Volk“ allerdings nicht mit. Soll es auch nicht.

Wir werfen einen Blick in die Vergangenheit und könnten uns ein Beispiel daran nehmen, wie man in der katholischen Kirche eine Zeitlang mit dem Problem umging, als sich die Kardinäle teilweise über Wochen und Monate nicht auf einen neuen Papst einigen konnten. Seinerzeit war man rigoros und mauerte hin und wieder die Zugänge bis auf ein kleines Loch für die Versorgung mit kargen Nahrungsmitteln zu und ließ die Beteiligten erst nach erfolgreicher Wahl wieder an die Öffentlichkeit. Alten Chroniken nach soll diese Vorgehensweise Entscheidungen erheblich beschleunigt haben.

Auch heutzutage könnten wir die Kosten also vermutlich senken, würden wir ähnlich verfahren.

Man nehme einen ausgemusterten Kreuzfahrer, verfrachte die gesamte G7-Gesellschaft unter ausschließlicher Mitgabe von Einsatzrationen der Armeen aller beteiligten Teilnehmer auf das Schiff und fahre 200 Meilen auf den offenen Atlantik. Die Vorteile liegen auf der Hand: die ,,Gipfler“ stören die breite Öffentlichkeit nicht, Polizisten können ihren normalen Aufgaben nachgehen und die horrenden Summen für derartige Veranstaltungen hielten sich in engen Grenzen. Und nicht zuletzt: Vielleicht käme dann bei Treffen der Verantwortlichen endlich mal etwas mehr heraus als immer die gleichen stereotypen Fotoshootings von den klassischen Anzug- oder Drei-Knopf-Trägern, die tagsüber ihre Arbeit nicht bewerkstelligt bekommen, deshalb nächtelang in irgendwelchen Veranstaltungsräumen abhängen und mitten in den frühen Morgenstunden mit großen Limousinen den Veranstaltungsort wieder verlassen.

Dennoch haben diese ,,geschlossenen Veranstaltungen“ eine höchst brisante Seite: Denn wir Bürger haben keinen Einfluss auf das, was dort beschlossen wird. Wir bleiben, wie immer, hilflos außen vor. Warum haben wir aus unserer Geschichte eigentlich noch immer nichts gelernt? Kein Volk hat jemals freiwillig in einer Volksabstimmung anderen Völkern den Krieg erklärt. Völker zetteln keine Kriege an. Das machen Regierungen ganz allein. Und das machen sie ganz sicher auch auf Gipfeln.

20:37 12.04.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

initiative146

Die Initiative 146 wirbt für eine Verfassung in Deutschland und hat dazu bereits einen ausformulierten Verfassungsvorschlag ins Netz gestellt.
Schreiber 0 Leser 2
Avatar

Kommentare 4

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community