innerscope

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RE: Die westliche Doppelmoral… | 16.01.2012 | 11:46

Danke für den Beitrag!

Ein Lichtblick im kollektiven Größenwahn der vorgeblichen, moralischen Überlegenheit des Westens, die kontinuierlich medial propagiert werden muss, um den Jahrhunderte lang _für uns_ gewinnbringenden Raubbau an Natur und menschlicher Arbeitsleistung weiterhin frei von Schuldgefühlen betreiben zu können. Nach wie vor herrscht ein imperialistischer Geist, der im Gewandt moderner Zivilisation unser Gewissen beruhigt und unsere Taschen füllt - aber von dem Vorwurf einer faschistoiden Tendenz (!) kann sich diese Haltung nicht freisprechen.

Die denkbar grausamste, menschliche Katastrophe, die unsere Großeltern zuliessen oder gar unterstützten, kann ohne bittere Einblicke ins Seelenleben nicht ausreichend erklärt und damit wirksam aufgearbeitet werden. Wieviel brauner Geist noch immer weht, kann an der Spitze des Eisberges erahnt werden, die in letzter Zeit in den Medien sichtbar wird. Es sind tiefergehende Betrachtungen nötig, um diese erschreckend weit verbreitete Menschenfeindlichkeit begründen zu können.

Die Pathologie von destruktivem Machtstreben ist heute wissenschaftlich untermauert - Stichworte maligner Narzissmus, Empathielosigkeit, Bestätigungsfehler, auf Seite der 'Ohnmächtigen' der sog. autoritäre Charakter, der nicht ohne Grund allzu selten beleuchtet wird. Das zugrundeliegende Motiv der Angst verhindert schmerzhafte Selbsterkenntnis, gegenseitig bestätigende Weltbilder sind so konstruiert, dass sie als Verdrängungsmechanismus funktionieren. Im bequemen Gut-Böse-Schema können so die eigenen Defizite auf Andere projiziert werden. Dass diese Individualpsychologie den Gesellschaftscharakter (vgl. Wikipedia E. Fromm) prägt und deren Haltung gegenüber anderen Gruppen formt, liegt auf der Hand.

Ohne Herzens- und Charakterbildung werden wir die aktuellen Krisen nicht überwinden. Eine an der Verwertbarkeit menschlicher Tätigkeit orientierte Pädagogik, die den Geist der Ausbeutung schon früh einimpft, verhindert vor allem eines: Bildung im Sinne der Menschwerdung, des Humanismus. Ein nicht unerhebliches Motiv für den Machterhalt, um die 'Hypothese von der unabänderbaren Schlechtigkeit des Menschen' als demagogisches Instrument und Basis von Feindbildkonstruktionen aufrechterhalten zu können.

Einstein nannte den Nationalismus die 'Kinderkrankheit der Menschheit'. Demnach liegt das eigentliche Wachstumspotential der Menschheit im emotionalen, seelischen und spirituellen Bereich. Aus dieser Perspektive ist 'der Westen' trotz aller rationalen Exzellenz eine Gruppe von Entwicklungsländern. Begreifen wir unsere Macht über alles Leben nicht als Verantwortung, unseren Geist nicht als gemeinsames Werkzeug, sondern als Waffe im Konkurrenzkampf, unseren materiellen Reichtum auf Kosten Anderer nicht als seelische Armut, gibt es weder Wachstum noch Fortschritt.

"Das Vorurteil des Hasses ist deshalb so unverrückbar, weil es dem Subjekt gestattet, schlecht zu sein und sich dabei für gut zu halten." (M. Horkheimer 1961)