Mission Wingdings

Software Sie wollte immer nur helfen, nervte aber tierisch: Clippy, die Büroklammer aus Microsofts Office-Paket. Mit einem Werbespot will der Konzern nun Sympathien zurückgewinnen

Bedrohliche Musik, die Kamera fliegt über New York. In einem Headquarter brüten ernste Männer in Anzügen über einem Problem. Man glaubt sich in einem Actionfilm, gleich müsste Nicolas Cage kommen und die Welt retten, vor einer Flutwelle, oder dem Angriff aus dem All. Verwirrend nur die eingeblendeten Schriftzüge: Times New Roman, Helvetica, Courier New. Kein großes Kino also, aber ein ungewöhnlicher Werbespot zur Einführung von Microsoft Office 2010, das im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll.

Die ist mindestens so spannend wie Mission Impossible, will Microsoft uns wohl damit sagen. Auf Informationen zum Programm wird deshalb beherzt verzichtet, wäre zu langweilig gewesen. Microsoft Office 2010 „The Movie“ spielt mit Spionage-Thriller-Klischees – und parodiert nebenbei einige Microsoft-Eigenheiten. So ist der Hauptdarsteller des Clips traumatisiert: bei seinem letzten Auftrag, Office 2007, hat er seinen Partner verloren: den Office Assistent Clippy. Clippy, die augenbrauenwackelnde Büroklammer aus dem Textverarbeitungsprogramm Word, die uns ständig unterstellte, wir hätten die Absicht einen Brief zu schreiben. In der letzten Office Version tauchte sie tatsächlich nicht mehr auf.

Mit Trauerszenen an Clippys Grab beweist der Trailer nun, dass Microsoft eine gewisse Selbstironie besitzt. Schließlich soll die Klammer den meisten Nutzern verhasst gewesen sein, sie fanden Clippy nervig, altklug und wenig hilfreich, deshalb musste er wohl weg. Nur der James Bond Verschnitt in dem Werbefilm trauert „You‘ve got to let go“ rät ihm sein Chef - denn die böse Agentin, die Clippy laut dem Film getötet hat, schmiedet schon neue finstere Pläne. Es geht um eine Geheimschrift, mit der alle, die sie nutzen, ausspioniert werden können. Weltweit. Ein Seitenhieb auf den Datensammler Google vielleicht, dessen Software inzwischen droht, Microsoft das Geschäft zu verderben. Von Office 2010 wird es deshalb auch eine freie Sparversion im Internet geben.

Microsoft-Angestellte als gute Agenten, die außerdem ziemlich cool sind. Klar, hier wird Imagepflege betrieben, aber immerhin mit Humor. Und vielleicht ist es ja eine verschlüsselte Ankündigung vom Comeback der nervigsten Büroklammer der Welt. Schließlich wollte Clippy ja immer nur helfen.

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