alkoholisierte streithähne, chinesische busse und parkscheinautomaten

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Gestern abend vor dem omajad-hotel, in dem ja immer dieser berühmte z-club stattfindet (eine sehr angesagte disco), war ein mordsgetöse. massen strömten wild gestikulierend und schreiend heraus und es war gar nicht zu erkennen, wo da wer gegen wen schrie, denn es gab mindestens 6 streithähne, die aber alle an wechselnden fronten in verschiedenen koalitionen beschäftigt schienen. zwischendurch die versuche – ebenso ungeschickt wie laut – die streithähne zu beschwichtigen. mehrere kreischende frauen (leichtbekleidet und langhaarig – also reich) verkomplettierten das bild, das ich mir eine zeitlang angeschaut habe. dort im hotel wird ja alkohol ausgeschenkt und man konnte also sehr deutlich die schlimmen folgen dieser droge erkennen. in deutschland gibt es so was ja alle tage, aber hier habe ich so was noch nicht gesehen. eine plötzliche wendung nahm das ganze, als ein weißer opel astra kombi vorfuhr. die vier männer von der geheimpolizei waren noch nicht ausgestiegen, da hatte sich die ganze szenerie in luft aufgelöst! und die herren polizisten hätten wohl auch nichts mehr mitbekommen, wenn nicht ein fetter wüterich just in dem moment brüllend aus dem hotel gestürmt gekommen wäre. damit ging das schauspiel in eine neue runde, denn sofort waren die sich eben zerstreuenden massen wieder zusammengekommen. aber die lage beruhigte sich schnell. was nun genau gegenstand des streits war, kann ich nichtmal vermuten, denn außer einigen schlimmen schimpfwörtern habe ich nichts verstanden.

In damaskus gibt es ja seit einem guten jahr nun auch ein modernes busnetz mit nummern! Mittelgroße, grüne, chinesische, moderne busse mit digitalanzeige und gelben plastikschalensitzen, die schon für kleine chinesen knapp bemessen sind. allerdings gibt es keinen plan welcher bus wohin fährt und auch keine fahrpläne – wäre ja auch zu schön! ja, die globalisierte gleichmacherei muss auch eine grenze haben! hier ist sie noch zu spüren! besonders toll: man hat die roten kleinen „Stopp“-knöpfe vergessen und muss seinen haltewunsch durch den ganzen bus zum fahrer brüllen. Zudem gibt es nur einen ticketentwertungsapparat beim fahrer, was dazu führt, dass wenn man hinten in einen vollen bus einsteigt, man andere fahrgäste bitten muss, das ticket zum entwerter zu befördern (und wieder zurück). Apart! Ich hatte bisher auch wenig gelegenheit diese busse zu benutzen, denn ich komme mit den klassischen mikro-bussen überall hin oder gehe eben zu fuß, wenn die voll sein sollten. Überhaupt achtet man seit geraumer zeit mehr auf verkehrsdinge. Die lustigen weißen balken auf der straße (nein, nicht die zebrastreifen – die werden natürlich weiterhin ignoriert, das kommt erst im fortgeschrittenenkurs), also die lustigen balken, die anzeigen, wo man als auto vor einer roten ampel zu halten hat, sind erst seit ca. 2 jahren da.

Dass man tatsächlich vor einer roten ampel hält ist auch recht neu und wird gewissenhaft von polizisten (gibt es ja genug) überwacht. im taxi muss man sich jetzt vorne anschnallen und alle machen das auch! auch wenn eigentlich die iraker den ruf haben, die deutschen arabiens zu sein (von wegen deutsche tugenden und so’n schmonz), ich finde die syrer könnten den award ebenso einstreichen. allerdings muss man sagen, dass dieses neue gesetz auch mit erheblichen strafen droht. 2000 lira, wenn man sich nicht anschnallt, das sind 30 euro – hier ein viertel monatslohn! also wenn sie was machen, dann richtig. Und: es gibt für falschparker jetzt die aus amsterdam bekannte gelbe kralle! und: parkscheinbautomaten. ein unicum, habe zuvor noch nie so was hier gesehen. immerhin: jeder parkscheinautomat wird von einem städtischen mitarbeiter betreut, denn der automat ist in 99% der fälle kaputt und dann verkauft der mitarbeiter die parktickets, im fall des letzten verbliebenen prozents (wenn der automat also geht) kann der fahrer den automaten natürlich nicht bedienen und benötigt die hilfe des mitarbeiters. es ist alles so wunderbar eingerichtet auf dieser welt!

16:51 09.01.2010
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Geschrieben von

isam almatlub

isam almatlub, in deutschland geboren und aufgewachsen, lebte und arbeitete ein halbes jahr lang in damaskus, um die sprache seiner eltern zu lernen. er schreibt über den alltag in der syrischen metropole.
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