drogen, plastemüll, schmelzende stecker und der wundersame öl-ofen

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Gestern abend gehen wir noch ins karnack ein bier, bzw. eine cola trinken. Es sind erstaunliche menschen versammelt. Vier japanische touristen, die ganz offensichtlich gelesen haben, dass man hier bier trinken kann, sind die einzigen heterosexuellen gäste. Ansonsten aufgebrezelte tunten und irakische männer, die ebendiese entgeistert angucken und anmachen. Dazwischen damaszener halbwelt, denn ein bier trinken zu gehen ist in etwa das, was es wäre, sich in berlin in einer fixerstube einen schuss zu setzen. Man genießt damit hier eine ausnehmend schlechte reputation! Wir bleiben nicht lange, begegnen aber doch einigen herren, die wir die letzten wochen schon haben kennenlernen dürfen.

Bringe Rafik zum Bus, der zu seiner Schwester nach Homs fährt. Es ist mir ein rätsel, warum hier an allen mit der beförderung von personen zusammenhängenden orten (hier insbes. Busbahnhöfe) immer eine heillose hektik herrscht. Kaum kommt man mit einem koffer oder rucksack zum busbahnhof, stürmen mindestens 12 menschen auf einen zu, wollen einem ein taxi oder sonstige verkehrsmittel anbieten, einen in busse locken, die zu destinationen fahren, zu denen man gar nicht wollte und es muss immer alles ganz schnell und ganz hektisch gehen, als ob es für die nächsten monate der letzte bus sei. Dabei fahren die alle 30 oder 60 minuten und sehr geordnet und man könnte ruhig dort einsteigen, sich setzen und fahren – aber da hat man die rechnung ohne den araber gemacht. Ich würde das ja verstehen, wenn es – wie damals in ägypten – dazu führen würde, dass einem viel geld für unnotiges aus der tasche gezogen wird (zum beispiel eine 20 minütige und sündhaft teure kameltour zu einer 200 meter entfernt dastehenden pyramide, die auch zu fuß zu erreichen ist), aber nichtmal das: sie wollen einen nicht betrügen, einem nix aus der tasche ziehen, einen nicht in die irre führen. Es scheint so eine art schlüsselreiz zu sein: bus=hektik.

Habe dann einen blumenstrauß gekauft und mich dabei wieder gewundert, wie man aus schönen blumen was schreckliches machen kann. Man sieht entzückende blumen in gelb und weiß und stellt sich einen sommerlich-sonnigen strauß vor und dann kommt der „florist“ und macht mit schleierkraut, plastikschleifen, dekopappe und glitzerspray einen scheußlichen friedhofsstrauß daraus. Zuhause muss man all den plastemüll erstmal entsorgen (der eine halbe gelbe tonne füllen würde) und versuchen zu retten, was nicht zu retten ist.

Zuhause merke ich auch, dass meine heizung den stecker zum schmelzen gebracht und die stromversorgung lahmgelegt hat. Das kabel wird sehr heiß (also so heiß, dass ich mir die finger verbrannt habe und eben das plastik des steckers nun in geschmolzenen fäden von der steckdose herabhängt). Zum glück funktioniert aber sowohl die steckdose noch, als auch die heizung. Ich muss mir nur wohl einen anderen stecker besorgen.

Zum glück läuft der wundersame öl-ofen. Das geht so: Im klo ist ein zweiter wasserhahn, aus dem öl kommt, das in einem tank auf dem dach lagert. Das öl kann man für 38 cent den liter nachkaufen. Der preis unterliegt keinerlei marktschwankungen, was den zeitpunkt des einkaufes irrelevant macht. Syrische familien bekommen die ersten 1000 liter zu 22 cent den liter –in den genuss der subventionierten ware werde ich also nicht kommen. Dieses öl füllt man mit einer kanne in eine öffnung oberhalb des ofens. Dann dreht man ein kleines rädchen auf rot und wartet eine minute bis sich das öl den weg in die brennkammer gebahnt hat. Danach wirft man ein brennendes streichholz oder ein brennendes taschentuch hinein und siehe da: das feuer erlischt nicht, denn von nun an brennt das öl. Regulieren kann man den ofen wohl auch, ich weiß aber nicht, wie genau. Immerhin habe ich es dadurch immer mollig warm und ich habe schon lange die romantische vorstellung, mir mein teewasser auf einem im zimmer stehenden ofen zu erhitzen. So sitze ich, selbst wenn es abends mal etwas kühler wird, bei kräutertee und keksen neben einem warmen ofen, Der ofen leistet mir gute dienste, denn damaskus ist zwar normalerweise eine sonnige und helle, aber eben keine warme stadt. im sommer kommen ja gerade desshalb die touristen aus den golfstaaten hierher, da es angenehme 38 bis 40 grad kühl ist und nicht, wie bei ihnen 56 grad heiß. Im winter ist es auch manchmal furchtbar kalt, trotz der sonne, die meistens scheint.

11:25 22.02.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

isam almatlub

isam almatlub, in deutschland geboren und aufgewachsen, lebte und arbeitete ein halbes jahr lang in damaskus, um die sprache seiner eltern zu lernen. er schreibt über den alltag in der syrischen metropole.
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