irakischer wahlkampf in der syrischen hauptstadt und tolle spots im tv

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Heute ist ja wohl die wahl im irak. Die hat man hier die letzte zeit auch deutlich gemerkt. Überall in der stadt stehen zahlreiche wahlplakate für die wahl im irak. So viele iraker sind nach syrien geflüchtet, dass es sich zu lohnen scheint, hier einen irakischen wahlkampf zu führen. Vorher schon waren mir die irakischen fahnen in jeramania und anderen vierteln aufgefallen, in denen viele iraker wohnen. Aber plakate gibt es in der ganzen stadt. Dabei steht in der syria today, dass weniger als 10% aller ins ausland geflüchteten iraker an der wahl teilnehmen wollen, weil es sich zumeist um diejenigen handele, die an der wahl 2005 teilgenommen, dann aber gesehen hätten, dass sich die situation nicht besserte und sich jetzt enttäuscht von der politik abwendeten. Ihre illusions- oder hoffnungslosigkeit war sicher auch einer ihrer fluchtgründe. Nun, immerhin scheint es sich zu lohnen, hier extra für sie wahlplakate anzumieten.

Im ferseher (vielmehr dem satelliten-decoder) versuche ich die 497 sender zu ordnen, die mir durch einen ungeschickten tastendruck durcheinandergeraten sind. Neben den ca. 200 sendern in denen ein alter mann vor einem buch (vermutlich dem koran) sitzt und in die kamera redet (mal ruhig und beschwörend, mal in rage und aufbrausend), entdecke ich mindestens 7 neue kurdische sender (deren konzept ich nicht immer verstehe) und ebenso viele andere irakische sender auf denen auch eindringlich für die wahl geworben wird. Ein besonders schöner spot wandelt in einer animation die abgegeben stimmen aus der wahlurne in kleine güldene sternchen um, die sich auf den weg durchs land machen und zauberkräften gleich vormals zerstörte häuser aufbauen, verschmutzte landschaften reinigen, vertrocknete parks in ein blumenmeer verwandeln und verlassene viertel auferstehen lassen.

Meistens aber wird gesungen. In gruppen, mit irakischen fahnen und immer steht eine wahlurne vorne in der mitte, in welche zettel geworfen werden (wohl die abgegeben stimmen). Plakativer geht nicht. Schön ist die geste nach dem wurf der stimme in die urne: wie ein sportler nach einem verdienten sieg, werden beide arme (die hände zu fäusten geballt) in die luft gereckt. Ansonsten finde ich meine präferierten sender (al jazeera international und euronews) nicht wieder. Dw world, der deutsche auslandssender geht ja gar nicht! Entweder bringen sie reportagen über mittelfränkische weingüter oder die news von vorgestern in der fünfundvierzigsten wiederholung!

Ich werde, wenn ich nach deutschland zurückgekehrt sein werde, mich jeden tag vor meiner gaszentralheizung niederwerfen. Nicht, dass ich dem ofen nicht auch etwas romantisches abgewinnen könnte. Aber gestern abend war es wider sehr windig, mit dem ergebnis, dass es im ofen zweimal laut geknallt hat. Ich weiß inzwischen, dass das nicht gefährlich, sondern einer klappe zuzuschreiben ist, die verhindern soll, dass der rauch durch den wind wieder zurück in den ofen gedrückt wird. Wenn es aber so knallt, puffen in dem moment aus dem ofen eine menge kleinster rußpartikelchen in den wohnraum, die sich dann im laufe der nächsten stunden auf allem niederlassen und dort einen schönen schwarzen schmier ergeben. Es sind kleine schwarze pünktchen, die aussehen wie dunkler staub. Wenn man sie versucht wegzuwischen macht man nur alles noch viel schlimmer. Wenn ich ein dichter wäre, würde ich ein „lob der zentralheizung“ schreiben. Warum gibt es so was eigentlich noch nicht?

19:24 07.03.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

isam almatlub

isam almatlub, in deutschland geboren und aufgewachsen, lebte und arbeitete ein halbes jahr lang in damaskus, um die sprache seiner eltern zu lernen. er schreibt über den alltag in der syrischen metropole.
Schreiber 0 Leser 1
Avatar

Kommentare 1

Avatar
sachichma | Community