mann-männliche liebeslieder und zuverlässige autovermietungen

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Geweckt werde ich von einem lauten knall. Im ofen ist etwas passiert, aber ich weiß nicht was. Als ich rafik anrufe, erklärt der mir, dass das wohl vom wind kommt. Der drückt den rauch in den ofen zurück und dann geht mit wucht eine klappe zu. Durch drücken eines mit „scharaq“ beschrifteten knopfes kann ich einen kleinen ventilator in betrieb setzen, der den rauch dann also gegen den winddruck nach außen befördert. Noch eine gute stunde stinkt es bei mir ziemlich nach rauch und öl und überall sind so kleine schwanze rußpartikelchen. Aber ich habe wieder etwas gelernt und wieder einmal bin ich – während ich mit dem ölkännchen herumplätschere – dankbar für die gaszentralheizung in deutschland. Ansonsten ein sonniger und kühler tag, den ich zur hälfte mit rafik im park verbringe: saft trinken, sandwich essen und halt so rumsitzen. Dass kann man hier ja besonders gut. Ich glaube fast, dass die halbe nation nix anderes tut. Wenn man so durch die straßen geht, sieht man unheimlich viele unproduktive sitz-jobs. Das bewachen von was auch immer scheint eine der hauptbeschäftigungen zu sein. Und wenn mal drei leute arbeiten, heißt das auch: einer arbeitet vor sich hin, die anderen zwei gucken zu und rauchen.

Heute einen kleinen einkaufsbummel durch die altstadt gemacht. Dabei ist mir aufgefallen, wie aufgeschickst die inzwischen ist. in der gesamten via recta (wo der saulus zum paulus geworden ist) sind inzwischen alle läden mit pittoresken holztüren versehen, die fußwege wurden neu gestaltet und es haben extrem edel aussehende restaurants aufgemacht. Zum glück kann man dennoch ungestört stöbern ohne angesprochen zu werden (nur einmal hello my friend – good price). Diesbezüglich also noch heile welt, ansonsten, wenn das so weitergeht mit der beirutisierung und der pittoreskisierung, dann wird damaskus doch irgendwann ein historisches disneyland. Immerhin kaufe ich eine cd mit irakischen sängern, auf denen – laut rafik – viele homoerotische lieder sind, die ich aber noch nicht verstehe. Im irak würde sowieso eine nicht geringe anzahl der sänger mann-männlich liebeslieder singen. Das ist ja ein im westen vollkommen unbekanntes genre. Arabisch fällt heute aus, da mein lehrer im stress ist, denn er fährt übermorgen einige tage nach karmischli in seine heimat.

Auch ich werde mit meinem freund ali einige tage damaskus verlassen und zu seiner familie nach latakia fahren. Mit einem mietwagen! es gibt jetzt nämlich eine autovermietung, die einem für 21 euro am tag einen chinesischen kleinwagen (mit vollversicherung) zur verfügung stellt (budged). Bisher waren die gebühren doppelt so hoch und die versicherungsdeckungssumme war nur 50%, was im falle eines unfalls ein ganz schönes risiko ist. Zudem war ich noch nicht in latakia und ali kennt es gut, könnte mir das zeigen und 2 tage nur arabisch sprechen (oder stammeln) ist ja auch eine art intensivkurs.

Bei der autovermietung klappt tatsächlich alles. Das auto ist reseriert, der preis wie abgesprochen, zwei fahrer kein problem, versicherung inclusive, es soll vollgetankt sein und morgen früh zur abholung bereitstehen. Dann kann es ja losgehen. Kläre mit ali noch die modalitäten der reise, denn so zauberhaft ich es fände, seiner familie vorgestellt zu werden, weiß ich auch, dass es nach ein oder zwei tagen sehr anstrengend sein kann in einer arabischen familie zu gast zu sein, zumal mein arabisch rudimentär ist. er wohnt dort wohl eine halbe stunde vom meer entfernt und wir hätten damit eine gute ausrede, nicht nur bei der familie, sondern nach einigen tagen in einem der „chalet“ genannten kleinen häuser am meer, die man unkompliziert mieten kann, zu übernachten. Ich glaube, dass ich das eindeutig präferieren werde. Da wir also morgen fahren werden, gibt es nun wieder einige tage keine blogs – danach aber dann wieder einen kleinen reisebericht. Diemal vom meer!

14:18 08.03.2010
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Geschrieben von

isam almatlub

isam almatlub, in deutschland geboren und aufgewachsen, lebte und arbeitete ein halbes jahr lang in damaskus, um die sprache seiner eltern zu lernen. er schreibt über den alltag in der syrischen metropole.
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