ordnungsgemäße fehlauskünfte und fremde vergnügungs-planeten

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Das Hotel in latakia hatte zwar mehr komfort als die kellerzellen der zuvor besichtigten burgen (wenn auch nur unwesentlich), war aber ganz und gar nicht der burner. Latakia überhaupt hat ein problem mit hotels. Es gibt glaube ich keine guten und bezahlbaren. Die meisten menschen hier mieten diese „chalet“ genannten ferienwohnungen in der touristenzone im norden der stadt, was uns jedoch für die kurze zeit zu aufwändig erschien, da man nicht nur einen kontrakt schließen muss, sondern auch dinge wie bettwäsche und handtücher selbst mitzubringen hat und keinerlei frühstück erhält. So hatten wir ein „suite“ genanntes, unpraktisch geschnittenes zimmer, in das vom dach der wassertank tropfte und in dessen mikroskopisch kleinem bad (ohne duschgelegenheit) die klospülung nicht funktionierte. Dafür drang permanent zigarettenqualm von nebenan und der odeur der abluft des fischrestaurants von unterhalb ein. Wer so ein zimmer „suite“ nennt, dem ist entweder ein übersetzungsfehler unterlaufen (und er wollte es abstellkammer taufen) oder er hat schlicht einen knall. Immerhin war es direkt gegenüber der hafenanlagen gelegen und hatte einen schönen blick aufs wasser und die an der hafenpromenade flanierende homosexuellen-gemeinde der stadt. Dort gab es dann abends noch gelegenheit etwas arabisch zu praktizieren (die sprache meine ich! – das ist keine bisher unbekannte spielart wie französisch oder griechisch, nein!).

Der letzte tag unseres trips stand dann ganz im zeichen der Autofahrt. Das war zwar nicht so geplant, hat sich aber so ergeben. Eines unserer ziele, die qala marqab (ebenfalls eine kreuzritterburg – ja, eine perverse tour!) lag an einer kleinen straße, die angeblich weiter zu einem unserer nächsten ziele führen sollte, das aber nicht tat. Wir haben auf jeden fall den weg nicht gefunden und sind nach mehreren stunden fahrt im prinzip dort wieder herausgekommen, wo wir am morgen losgefahren sind. Das lag natürlich auch daran, dass einem ein syrer auf die frage nach dem weg nicht ordnungsgemäß mit „da habe ich keine ahnung“ antworten kann, sondern einen aus purer freundlichkeit in irgendeine richtung schickt. Der nächte den man fragt, schickt einen dann wieder zurück, der dritte in eine neue richtung und so weiter. Jede wegbeschreibung wird mit so genauen details ausgeschmückt, dass man den eindruck gewinnt, derjenige wisse wovon er spricht und kenne den weg. Aber weit gefehlt! Kurz bevor wir uns aus verzweiflung von einer der zahlreichen burgen in den tod stürzen wollten, finden wir dann doch noch ein gutes restaurant (in safita) und danach auch den weg zur autobahn. Auf einer autobahnraststätte an der wir unsere von den strapazen der fahrt ermüdeten leiber laben wollen, geraten wir mitten in den trubel eines lunaparks. Eine autobahnraststätte als vergnügungspark! Schiffsschaukel mit gesang und animation, autoscooter (wo man schon mal vorwegnehmen kann, wie rasant man gleich fahren wird) und tretboot-teich. Erstaunt und müde steht man im trubel und fragt sich, ob man sich eventuell im planeten geirrt hat.

14:41 19.06.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

isam almatlub

isam almatlub, in deutschland geboren und aufgewachsen, lebte und arbeitete ein halbes jahr lang in damaskus, um die sprache seiner eltern zu lernen. er schreibt über den alltag in der syrischen metropole.
Schreiber 0 Leser 1
Avatar

Kommentare 2

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community