schicke uniformen, rattenplagen und die unergründlichen wege der post

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Gehe nach dem arabischkurs mit lisa und elke noch einen sandwich essen (zwei teilnehmerinnen des sprachkurses). Im "sale-sucre", diesem französischen schuppen. Die beiden sind klasse. Da sie nicht mehr studieren, sondern schon fertig sind, merkt man im gegensatz zu anderen kursteilnehmern auch eine gewisse reife. Wir werden am sonnabend noch mal zusammen zum essen gehen. Allerdings hätte ich den sandwich nicht nur ohne tomaten, sondern auch ohne maionäse nehmen sollen, denn kurz darauf grummelt mein magen. Die beiden haben gruppendynamische details aus dem arabischkurs verraten an denen ich glücklicherweise nicht teilhaben muss, da ich nicht am bab touma wohne (dem christlichen viertel, in dem fast alle sprachstudenten untergebracht werden). Ansonsten war der kurs heute ok, muss mir aber im anschluss einen anderen kurs suchen und habe angekündigt ab nächste woche in die gruppe darunter wechseln zu wollen (vor allem wegen des lehrers, ich weiß noch nicht, ob ich das so direkt sagen soll oder es mir meine gute kinderstube verbietet und ich andere gründe vorschiebe). Gehe dann ins internetcafe und kaufe im i-tunes-musicstore ein paar neue lieder. Das klappt ganz gut, wenn man etwas geduld aufbringt...

Seit kurzem wurden hier die verkehrspolizei-uniformen aufgeschickst. Die alten beigen uniformen sind verschwunden. Nun haben die polizisten dunkelgraue hosen und schnieke weiße oberhemden mit leuchtend gelben schulterklappen an und ganz große graue uniformmützen auf. Die mützen sehen aus, wie die alten sowjetischen oder die neuen hamburger polizeimützen. Der rest aber ist schick. Nur leider bemängelt man den waschaufwand. Denn die alten staubbeigen uniformen konnten auch mal zwei oder drei tage getragen werden, die neuen hemden müssen jeden tag gewaschen und gebügelt werden. Aber schnieke sehen sie aus! Allerdings hat es wohl noch nicht bei allen für eine neue jacke gereicht. Viele tragen weiterhin ihre alten verschlissenen lederjacken gegen die (ja auch hier im winder oftmals vorherrschende kälte). Einige aber haben schon tolle filz-jacken. Ebenfalls grau! Grau in grau – für einen verkehrspolizisten eine tolle farbe in der er garantiert nicht gesehen wird!

Damaskus leidet offenbar unter einer rattenplage. Im park huschen mehr ratten herum als menschen da sind. Und die katzen scheinen die ja nicht zu essen, sonst gäbe es nicht so viele, denn auch die katzen sind überall. Ich meine die sind ganz friedlich und laufen auch immer gleich weg, aber es sind schon verdammt viele. In deutschland sieht man ja ab und zu mal eine, wenn es regnet, aber hier kann man deutlich mehr sehen. darum scheint sich aber niemand zu kümmern. Dafür hat die regierung ein anderes wichtiges thema für sich entdeckt: die bustarife. Sie wurden gesenkt. Wenn man jetzt eine kurze strecke fährt, zahlt man statt 10 nur noch 5 lira. Daraufhin haben die busfahrer gestreikt, ich kann mir auch gar nicht vorstellen, wie man von dem geld benzin, geschweige denn mal einen neuen bus soll kaufen können soll. 5 lira sind 7 cent! Dafür kann man nun durch die halbe stadt fahren. Da die busfahrer offenbar keine 5 lira-stücke als wechselgeld mehr haben (wollen) geben sie nun kaugummis als wechselgeld. Das gibt es hier manchmal. Wenn die an der kasse keine 5 lira haben, bekommt man nen keks oder kaugummi statt der 5 lira. Spannend wäre, bei der nächsten fahrt mit dem kaugummi bezahlen zu wollen...

Ich habe auch den mann wieder gesehen, der mir einen brief angekündigt hatte. Es scheint ihn zu geben und ich habe verstanden, dass ich morgen um zehn uhr an meinen brief kommen soll. Er sei angeblich dann in dem laden, vor dem wir neulich noch die leute gefragt hatten, die aber von nix wussten. Naja, die wege des herrn sind schon unergründlich, die der syrischen post scheinen noch unergründlicher zu sein.

14:54 14.01.2010
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Geschrieben von

isam almatlub

isam almatlub, in deutschland geboren und aufgewachsen, lebte und arbeitete ein halbes jahr lang in damaskus, um die sprache seiner eltern zu lernen. er schreibt über den alltag in der syrischen metropole.
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