Früchte des Zorns reloaded?!

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ich habe aktuell das Buch von John Steinbeck Früchte des Zorns gelesen.
Kurz zur Geschichte und dann die erschreckende Aktualität des Buches.

Das Buch handelt von einer Farmer Familie in den USA / Oklahoma, die zu
den Zeiten der 30 Jahre leben. In Amerika macht sich die Industrialisierung
bemerkbar und die unerbittliche Ausbreitung der Banken mit Ihrem Kapital,
die alles und jeden kaufen, um Ihren Gewinn zu maximieren.

Die Farmerfamilie Joad, die Hauptakteure des Buches, leben seit Generationen
auf Ihrer Farm und bewirtschaften Tiere und Ackerland. Sie können davon leben,
sowohl finanziell als auch Naturell. Doch es kommt in diesem Land zu
einer langanhaltende Dürre und das Land liegt brach . Das Geld geht aus
und die Familie hungert, der einzige Ausweg ist die Bank die Geld verleiht,
als Gegenleistung bekommt die Bank das Land überschrieben. Die Familie
ist somit nicht mehr Eigentümer, sondern Pächter ihres eigenen Landes.
Die Bank entscheidet wie das Land bestellt wird. Das Land wird mit Baumwolle
bepflanzt, da es gut wächst und zu diesem Zeitpunkt in Unmengen benötigt wird,
nicht von den Farmern sondern von dem großen Kapitalist der die Baumwolle
mit Maximum weiter verkaufen kann. Durch die weiter voranschreitende Industrialisierung,
das Einsetzen von Traktoren und schwerem Gerät, wird die Arbeitskraft drastisch
reduziert, es wird nur ein Bruchteil der Arbeiter benötigt.

Die Farmer werden genötigt, da auf ihrem Land keine Arbeit mehr anfällt,
auszuziehen und woanders Arbeit zu suchen. Der Trick der Eigentümer,
also der Banken: Sie produzieren Handzettel und locken damit die Farmer
und Familien in das gelobte Land Kalifornien, das scheinbar voller Sonnenschein
ist und an allen Ecken Arbeit als Pfirsch-Pflücker vorhanden ist, die angeblich
gut bis sehr gut bezahlt wird. Die Familie schöpft Hoffnung, verkauft
ihr Hab und Gut viel zu billig und kauft sich davon einen uralten LKW.
Händler, die die Chance nutzen, kaufen natürlich das Hab und Gut
zu Spott-Preisen bzw. Verkaufen defekte und schon fast kaputte LKW
für überteuerte Preis. Den Familie bleibt nichts anderes übrig als zu
kaufen bzw. zu verkaufen.

Die ganze Familie zieht nach Süden in "das gelobte Land". In
Kalifornien angekommen, erwarten sie natürlich tausende von Familien die
alle das gleiche Glück suchen. Die Konflikte entstehen durch die
Massen an hungrigen Familien, die alle essen wollen und Geld verdienen
möchten und natürlich durch die einheimischen Kalifornier, die um Ihren
Wohlstand fürchten, da sich Diebstähle und Krawalle häufen, außerdem
werden die Löhne gedrückt, da die Okies (kalifornisches Schimpfwort für
die verzweifelten Farmer aus Oklahoma) für billigere Löhne arbeiten.
Die Farmer werden gezwungen für Hungerlöhne zu arbeiten,
für Geld das gerade reicht für das tägliche Essen. Arbeiter die nicht
für diesen Mini-Lohn arbeiten wollen, werden rausgeworfen, weil
tausende Familien vor den Toren warten und arbeiten wollen/müssen.

Nochmal hier die Zusammenfassung mit anderen Worten:
de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BCchte_des_Zorns

Jetzt zum eigentlichen Blog!
Ich werde ein wenig überspitzen und dramatisieren, da ich zum Denken
bzw. diskutieren anregen möchte.

Nach dieser Beschreibung dieses Buches, das in den 40 Jahren (des
letzten Jahrhunderts) veröffentlicht wurde; gibt es keine vergleichbaren
Parallelen zu der heutigen Zeit?
Die Arbeitnehmer werden ausgebeutet, müssen für einen Hungerlohn
arbeiten und wenn die Arbeitskraft ausgelutscht ist, steht der neue an
der Tür und bittet um Arbeit. Das perverse an der heutigen Zeit, das sie
genau so brutal ist, aber moderner geführt wird. Trotzdem ist das
Prinzip genau das gleiche, außer das das große "Kapital" sich auf den
deutschen Sozialstaat verlassen kann. Die "sozial" Schwachen werden
aufgefangen und mit ALG II ruhig gestellt, damit keiner aufbegehrt. Wir
haben aus der alten Zeit gelernt, wir haben die Armen nicht gestärkt,
sondern nur die Methoden geändert.
Die Arbeitskraft wird nicht geschätzt und gerecht entlohnt, wir befinden
uns in einer Zeit, in der der Kapitalismus wieder auf dem höchsten
Niveau ausbeutet. Der Mensch muss funktionieren, wie ein Toaster und
wenn er nicht mehr funktioniert wird er ausgetauscht. Dem Arbeiter,
damit meine ich Menschen die handwerklich arbeiten, ob es der Metzger,
die Verkäuferin bei Aldi/Schlecker oder der Dachdecker ist, bleibt keine
Chance zu kündigen oder besseren Lohn zu verlangen, weil dann der
perverse und moderne Sklavenhandel einsetzt. Zeitarbeitsfirmen beschäftigen
Leuten in Massen und verlangen die gleiche Arbeitsleistung, wie ein vollwertiger
"Festangestellter". Aushilfen, für manche Firmen ein Segen, für manchen
Mitarbeiter Fluch, macht die gleiche Arbeit und wird günstiger bezahlt.

Und sind unsere "Oakies" nicht unsere Rumänen, das "Pack" aus dem Osten, die europäischen "Zigeuner", die "ziehenden Gauner", die gaunern, um zu überleben? Werden dort nicht für den "reichen" bzw. für die "Reichen" aus dem Westen zu billigst Löhnen Möbel für IKEA hergestellt? Und werden gerade sie aus Frankreich zurück "deportiert", als gelte das Schengener Abkommen nur für Westeuropa?

Warum lernen wir nicht aus der Geschichte? Warum leben wir in einer so
Modernen aber primitiven Zeit? Wir leben auf der einen Seite in einem
sehr hohen Wohlstandniveau, aber auf die Kosten des "kleinen Mannes".

Die Politik steht jetzt schon machtlos vor dem auseinander driften im
eigenen Land und in Europa, das Gleichgewicht kippt. Das Land bzw.
der Kontinent ist zerrüttet, man kann es mit der damaligen
preußischen Zeit unter Bismarck vergleichen. Damals war das Land
innerlich zerstritten, aber nach außen wirkten und waren die Reichen in Preußen stark
(ca. 70 % der Bevölkerung hatte nichts zu fressen und zu sagen). Preußen spielte
europäische Feuerwehr und "Friedensstifter", was wir heute ebenfalls wieder
machen, wir die Nachfolger Preußens, Deutschland.

Wir versuchen das große Europa zusammen zu halten und vergessen
auf was unser Wohlstand ruht. Das Vermächtnis und die Arbeitskraft aus
einer längst überholten Zeit die zwar funktioniert hat aber auf tönernen Füßen
gestanden hat! Sollten wir diese Zeit erst wieder aufleben lassen um uns auf die
Ursprünge besinnen zu können?

17:48 16.05.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

isegrim

"mfg, mit freundlichen Grüßen! Die Welt liegt uns zu Füßen denn wir stehen drauf" (Die fantastischen Vier, mfg, 1999)
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