Skurrile Geschichten

Bill Murray Der Journalist Gavin Edwards hat den skurrilen Geschichten rund um Bill Murray ein Buch gewidmet. Dass Anekdoten allein aber nicht genug sind, wird schnell deutlich
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Skurrile Geschichten
Der Witz der Anekdoten rund um Bill Murray schafft es aus dem echten Leben nicht ins Buch

Foto: Jonathan Ferrey/Getty Images

Bill Murray wirft alte Damen beim Golfspielen in den Sand, Bill Murray klingelt bei seinem Agenten als Pizzabote verkleidet, Bill Murray singt Karaoke mit Wildfremden, Bill Murray stellt sich bei einer Party in die Küche und macht den Abwasch. Um Bill Murray ranken sich so viele Legenden, dass das Urban Dictionary ihm einen eigenen Eintrag gewidmet hat (eigentlich sogar mehrere: Beim ersten von zwölf Treffern, wenn man „Bill Murray“ sucht, erfährt man: „Best fucking guy ever“. Aber auch „Bill Murray Story“, worum es in diesem Buch gehen soll, hat eine eigene Definition).

Der Teufel steckt im Detail und auf das Detail hat es Bill Murray abgesehen. Der urbanen Legende zufolge begleitet er seine verrückten Aktionen mit dem Satz: „Das glaubt Ihnen keiner.“ Und in der Tat weiß man bei vielen der kursierenden Geschichten nicht, wie viel Wahrheitsgehalt darin steckt. Macht aber nichts, denn witzig sind die meisten. Das dachte sich auch der Journalist Gavin Edwards, der offensichtlich ein riesiger Fan von Bill Murray ist, und begann, ebendiese Geschichten zu sammeln. „Meeting Bill Murray“ heißt das Buch, in dem verschiedene Anekdoten, von Privatmenschen wie anderen Stars, gesammelt sind. Und damit fangen die Probleme an: Feine Situationskomik lässt sich schlecht schriftlich festhalten. Gavin Edwards bleibt seiner journalistischen Bildung treu und notiert genau, wer wann was erlebte. Die vielen Namen, vor allem (aber nicht nur) die der Unbekannten, dazu mehr oder weniger genaue Angaben zur Uhrzeit, und, am schlimmsten, die wörtliche Wiedergabe der Aussagen seiner Interviewpartner mit allen Füllwörtern, Einwürfen und umgangssprachlichen Formulierungen, verhindern leider, dass sich der Witz der erzählten Geschichten auch auf den Leser überträgt. Wie gesagt, Situationskomik lässt sich kaum nacherzählen. Aber sie szenisch wiederzugeben hätte vielleicht geholfen.

Was bei dem Buch leider gar nicht geholfen hat, ist die saloppe, genau genommen schlechte Übersetzung, die vor schiefen Satzkonstruktionen, unnötigen Anglizismen und der unerschöpflichen Verwendung von Füllwörtern (samt einem merkwürdigen Gebrauch des Wörtchens „denn“) strotzt. Für den deutschen Leser kommt erschwerend hinzu, dass Murray großer Fan der Chicago Cubs ist, Baseball ein entsprechend wichtiges Thema ist und die Übersetzung nicht dazu beiträgt, einem die Spielregeln dieses Sports näherzubringen. Auch inhaltlich folgt Edwards zwar zehn Kapiteln, Bill Murrays „Tao“, eine Dramaturgie fehlt aber dennoch. Er reiht Anekdote an Anekdote. Weniger ist manchmal mehr, und so hätte es dem Buch nicht geschadet, hätte Edwards stark ausgesiebt und nicht jedes Geschichtchen erwähnt. Dass er selbst nicht daran glaubt, dass die kuriosen Stories ein ganzes Buch tragen, offenbaren die Schilderungen von Murrays gesammelten Filmauftritten am Ende, die über hundert (!) Seiten umfassen.

Trotzdem macht „Meeting Bill Murray“ mitunter auch Spaß. Wer sich diese Anekdoten visualisiert und sich die typisch stoische Miene Bill Murrays dazu vorstellt (die er – als Beispiel unter tausenden – auf dem Filmplakat von „Lost in Translation“ aufsetzt), der kommt dem Witz der beschriebenen Situationen langsam auf die Spur. Das Buch gibt zudem Einblicke in das Leben eines verschrobenen Schauspielers und mit ihm in die amerikanische Filmgeschichte der 1970er bis heute. Es werden allerdings, da Gavin Edwards akribisch dokumentarisch arbeitet, so viele Namen aus den Bereichen amerikanische Comedy und Sport genannt, dass es mitunter schwierig ist, dem zu folgen. Wer in diesen Themengebieten Zuhause ist, zieht bestimmt mehr aus dem Buch. Am Ende bleiben für „Meeting Bill Murray“ zwei kleine, klar definierte Zielgruppen: Bill-Murray-Fans zum einen, und zum anderen, von Edwards bestimmt nicht intendiert, Autoren und Drehbuchautoren, die in diesem Buch für witzige und skurrile Szenen Inspiration finden.

Meeting Bill Murray Gavin Edwards Eichborn 2017, 368 S., 18,00 €

23:09 23.05.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Isabella Caldart

Journalistin. Lektorin. Bloggerin. Flaneur.
Schreiber 0 Leser 0
Isabella Caldart

Kommentare