Mein Mann, die Gianna und ich (3)

Erste Fahrversuche und ein kleines Abenteuer
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Wenn jemand etwas Neues hat, dann will er es auch benutzen. Normalerweise. Ich hatte zwar alles, was ich brauchte, aber ...

Nun ja, so recht hab ich mich nicht getraut. Es war wie mit achtzehn mit dem Autoführerschein (falls sich außer mir sonst noch soweit zurück erinnern kann): Anfahren war die Herausforderung, nur dass man mit dem Mopped umkippen kann...

Aber der Mann hat nicht locker gelassen - wir sind gefahren. Er voraus - ich hinterher. Danke, Liebster, für deine Geduld! Das heißt konkret, dass er die Gegend gesehen hat und zwar so, wie das sonst ja beim Fahren nie geht. "Schatz, da stehen ja Häuser!" Während ich mit der Strecke kämpfte "Scheißeeee, Kurve, mach langsaaaam".

So hat es sich angefühlt, ich bin um die Kurve mehr gestanden als gefahren. Kerzengerade natürlich.

Und mit einem Male ging's. Ich konnte tatsächlich um Kurven fahren, ohne umzufallen. Einmal bin ich sogar alleine los. Leider war ich da im Anfahren noch nicht so gut und dann war Gianna beleidigt und wollte nicht mehr anspringen...

Der Durchbruch kam, als ich dringend zur Bank musste und das Auto nicht ansprang. Na gut, ich hab. ja den Führerschein gekriegt, weil ich es eigentlich kann und tatsächlich - es ging. Seitdem bin ich im näheren Umkreis gern auch mal auf zwei Rädern unterwegs und das mit zunehmend Spaß inne Backen!

Nun fand aber mein Mann, ich müsse mal Kurven fahren lernen und das ginge am besten in den nahegelegenen Vogesen. Wo er Recht hat... Also, gepackt und los. Und weil man nicht einfach hirnlos durch die Gegend gondelt, haben wir natürlich auch das ein oder andere Kulturgut besucht, am Anfang des ersten Tages.

Dann ging's ans Kurvenfahren. Das waren nun Straßen, die kein Mensch benutzt (vielleicht lag es ja auch an der Zeit). Und während von meinem Mann nichts mehr zu sehen war (er würde auf mich warten, wenn wir abbiegen mussten), genoss ich die Gegend, schlich um nicht allzu enge Kurven und konnte nicht verstehen, was bitte so toll daran sein soll, da mit einem Affenzahn durchzubregeln. Da sieht man ja nix von der ganzen Gegend! Schöner als im Auto war es natürlich schon, aber - jedenfalls für mich - auch viel langsamer. Und weil ich ganz allein war und mich kein bisschen gehetzt fühlte, ging's auch mit den Kurven besser. Langsam zwar, aber entspannt. Es fing an, richtig Spaß zu machen.

Gegen Abend dann - die Unterkunft zur Nacht schon fest im Blick - wollten wir nur noch über einen Buckel. Dass die Leute beim Vorbeifahren komisch geguckt haben, hat mich nicht weiter besorgt. Auch dass die Straße immer schlechter wurde, fand ich noch nicht besorgniserregend. Als dann das erste Gras in der Mitte auftauchte, wurde ich stuzig und schließlich verschwand der Asphalt ganz, es wurde richtig schwierig. Gianna ist nun kein Stöckelschühchen, aber eben auch kein Wanderstiefel und der Weg forderte uns alles ab.

Oben angekommen haben wir beide festgestellt: das übersteigt unsere Grenzen. Gianna stellte ab und gut. Mit sehr viel Mühe und gutem Zureden sind wir dann den Weg doch wieder zurückgekommen bis ans Hotel. Noch rasch was gegessen und dann ab ins Bett. Die Decke fiel noch, da schlief ich schon.

Am nächsten Tag dann wollte Gianna gar nicht mehr. Punkt. Nee, sie mag jetzt nicht mehr und überhaupt... Wir mussten den Hänger holen und statt einer Woche Vogesen, waren mehrere Operationen am offenen Moppedherzen fällig. Gianna bekam Doris' Motor und läuft seither wie am Schnürchen... Gut, dass wir noch ein zweites Mopped hatten. Giannas Motor wurde über den Winter, der ja lang genug war, wieder hergerichtet und eine Neuauflage der Tour geplant...

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Geschrieben von

Ismene

Kein Mensch ist freiwillig schlecht.Aber es sind schon viele ganz komisch unterwegs.antigone@weibsvolk.org
Ismene

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