Mitleid brauchen wir nicht

Anderssein Ihr Eltern all der wundervollen Kinder, die alles immer mühelos auf die Reihe kriegen - oder jedenfalls zu kriegen scheinen ...
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Danke, dass Ihr Euch für unsere Kinder interessiert. Ihr solltet vielleicht ein paar Dinge wissen:

Wir wissen, dass unsere Kinder anders sind. Einigen seht Ihr es an, wie Tobi, der Trisomie 21 hat, andern nicht, wie Lara, die unter der Asperger-Syndrom leidet oder Marc mit ADHS. Ihr Andersein ist anstrengend, dennoch sind sie wundervoll und eine echte Bereicherung.

Sie werden wohl nie ein perfektes Largo geigen. Macht uns nichts aus. Wir glauben Euch, dass Eure Kinder schon mit vier ihren Namen schreiben konnten. Wir sind froh, dass unsere es schaffen, allein zu essen oder sich anzuziehen.

Bevor Ihr über uns (und unsere Kinder) urteilt, solltet Ihr wissen, dass wir nicht fahrlässig handeln.

Wir wissen, dass Cola Koffein enthält. Wisst Ihr, dass unsere Kinder darauf anders reagieren als Eure?

Natürlich ist uns klar, dass Philipp in der Klasse stört. _Wir wissen, dass er das nicht aus Bosheit tut, sondern weil er nicht anders kann.

Wir verstehen unsere Kinder oft nicht, wir lieben sie. Wir geben ihnen keine Pillen damit sie funktionieren, sondern damit sie eine Chance haben.

Wir wissen auch nicht, was ein Gewitter im Kopf ist, aber wir wissen, dass es das gibt. Unser Kind erlebt das täglich.

Wir arbeiten hart an uns und mit unseren Kindern, damit diese in dieser Welt einigermaßen zurecht kommen.

Wir haben mehr Zeit in bei Kinderpsychiatern, Ergortherapeuten, Psychologen, Elternkursen und Schulleitern verbracht als Eure Kinder im Klavierunterricht.

Viele Eurer Gedanken würden wir gern aufnehmen, kämen sie nicht wie Rat-"Schläge" daher. Wir kämen sicher eher ins Gespräch, hätten wir nicht immer das Gefühl, unsere Kinder wären die Folie, auf der Eure Kinder so wunderbar dastehen. Das tut uns nicht gut und Euch auch nicht.

Wir wissen, was Ihr über uns redet - irgendjemand erzählt es immer weiter.

Das wollte ich einfach nur mal loswerden und ich meine nicht all die wundervollen Eltern, die uns unterstützen durch viele einfache Gesten und Worte.

Ein besonderer Dank an all die Omas, die unsere Kinder mit großem Wohlwollen betrachten, ohne sie je genau zu kennen. Wir spüren Euer Wohlwollen und es gibt uns Kraft!!!

Dieser Blog ist Miriam gewidmet und ihrer Familie, die sich für ein Kind mit Behinderung bewusst entschieden haben. Ihnen gilt mein Respekt.

20:53 06.08.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ismene

Kein Mensch ist freiwillig schlecht.Aber es sind schon viele ganz komisch unterwegs.antigone@weibsvolk.org
Ismene

Kommentare 27