Vom Glück zu leben

Sommer Es gibt Sachen, die sind für Geld nicht zu haben und kosten auch nichts. Man muss es nur machen.
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Ich hatte eine anstrengende Zeit, ein weitreichende Entscheidung war zu treffen, eine Führungsherausfordung zu meistern, ein kompliziertes System anzupassen. Wochenlang war ich beschäftigt mit möglichen Folgen und Alternativen.

Gestern Nachmittag, der Lorenz brezelt von einem Himmel, der so blau scheint, wie man ihn auf Fotos nie hinkriegt, die Kinder gut versorgt, der nächste Termin erst um sieben, warum also nicht rasch ein paar Kräuter sammeln. Gesagt - getan. Körbchen geschnappt und rauf auf den Berg hinter'm Haus, der Schloßberg heißt. Oben angekommen bin ich schweißnaß und völlig aus der Puste. Warum bin ich eigentlich hier so raufgerannt?

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Erst mal verschnaufen und dann - was für ein Land! Ich finde es immer schön hier, aber jetzt nach dem langen Regen sind die Trockenmatten noch saftig grün. Die langen Gräser wiegen im Wind, dass es von weitem ein bisschen aussieht wie silbriges Wasser. Die Wiesen sind bunt von Blumen, Salbei, Thymian, Minze, unzählige Kleearten von weiß bis tief magenta, Scharfgarbe, Mohn, Wegerich, Mageritten und noch vieles mehr blüht hier oben. Sogar Orchideen, deren Namen ich aber nicht kenne. Zeit der Fülle

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Es summt und brummelt, der Wind weht und egal wohin ich schaue, kein Haus, keine Straße und - Donnerstagnachmittag - kein Mensch. Der Blick geht bis zu den Vogesen, die ein wenig im Dunst verschwimmen. Bienen, Hummel, drollige kleine und große Käfer, Zitronenfalter und Bläulinge ... einfach nur da sein und staunen.

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Als ich mich auf den Heimweg mache, ziehe ich die Schuhe aus - die Zecken können mich heute mal - denn barfuß laufen, hat mal ein Freund gesagt, sei als ob man die Erde mit den Füßen anfasst. Damit hat er Recht.Was hat mich nur die ganze Zeit so beschäftigt, dass mir der Blick für soviel Schönheit abhanden gekommen ist? Egal, die Entscheidungen sind getroffen, alles weitere wird sich zeigen, nicht heute, nicht morgen, vielleicht nicht einmal dieses Jahr. Jetzt und hier ist es gut.

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In solchen Momenten ist das Leben einfach nur prachtvoll.

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Geschrieben von

Ismene

Kein Mensch ist freiwillig schlecht.Aber es sind schon viele ganz komisch unterwegs.antigone@weibsvolk.org
Ismene

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