Wir schwatzen aneinander ran

Sprache Grammatik ist schwierig und in Kombination mit dem Erlernen zweier Fremdsprachen wirft das eine existentielle Frage auf: Wofür brauchen wir eigentlich Sprache?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

"Mamaaa - wofür brauchen wir eigenlich Sprache?" fragt die Große entnervt beim Grammatik-Lernen. Für ihren kleinen Bruder ist der Fall ganz klar "Zum Meckern, ist doch logisch".

Also, zum Meckern bestimmt nicht. Wer als Kind die Peanuts genauso gern gesehen hat wie ich, wird sich erinnern: Erwachsene kamen vor, aber nur im Ton. Kein Bild, keine Worte, nur ein nerviges "Wawawawawa" Zum Meckern reicht der Tonfall.

Um Informationen auszutauschen. Bestimmt, nur dafür bräuchte man nicht soviel Sprache. Ich will es offen sagen: Es gibt Tage, da rede ich viel (das sind die meisten), es gibt Tage, da rede ich wenig (kommt nicht so oft vor), es gibt Tage, da rede ich sehr viel (da arbeite ich) und es gibt Tage, da rede ich sehr wenig (wenn ich krank bin). Aber an all diesen Tage verwende ich nur einen sehr kleinen Teil meiner Wörter, um Informationen zu vermitteln (Arbeitstage zählen nicht, da unterrichte ich).

Die meiste Zeit schwatze ich - und da bin ich in guter Gesellschaft. Nach meiner - zugegeben subjektiven - Beobachtung dient der größte Teil der gesprochenen Sprache nicht der Information (über das Meckern können wir diskutieren). Ein nicht unerheblicher Teil wird für magischen Aberglauben- Stoßgebete, Verwünschungen und Flüche - verwendet, aber der größte Teil ist, nun ja Geschwätz.

Wir reden über Dinge, die wir schon wissen "hast Du auch gelesen ...?" oder über offensichtliches - das Wetter. Und selbst, wenn es etwas Neues gibt, so ist es oft der Aufhänger für ein Gespräch über die altbekannten Ansichten und Meinungen. Warum aber tun wir das?

Ich vermute, dass es dabei um Kontakt geht, um Selbstvergewisserung. Wir reden, um uns einander zu vergewissern, um sicher zu gehen, dass wir uns noch gut wollen, dass wir sicher sind oder auch nicht, dass wir (noch) dazu gehören, ... Ignoranz ist das Schlimmste, was wir einander antun können.

Sprache hat zuerst eine soziale Funktion. Information kommt später und Informieren funktioniert immer da richtig gut, wo die Chemie stimmt.

"Wir brauchen Sprache" so der Schluß "weil wir ja nicht mit jedem kuscheln können." Nun ja

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Ismene

Kein Mensch ist freiwillig schlecht.Aber es sind schon viele ganz komisch unterwegs.antigone@weibsvolk.org
Ismene

Kommentare 25