Ivica Marjanovic

"In den grundlegenden Fragen muss man naiv sein. Und ich bin der Meinung, dass die Probleme der Welt und der Menschheit ohne Idealismus nicht zu lösen sind. Gleichwohl glaube ich, dass man zugleich realistisch und pragmatisch sein sollte." (Helmut Schmidt)
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RE: Abnehmende Soli-Kurve | 11.12.2009 | 08:22

Zitat aus dem Artikel: "...90 Prozent der Bevölkerung eine große Wut über die Folgen der Krise. Die ist es auch, die den Heitmeyer und seinem Team Sorgen bereitet. Und zwar vor allem deshalb, weil die Menschen ihre Wut nicht „politisiert“. Statt an Demonstrationen teilzunehmen oder zu politischen Veranstaltungen zu gehen, sind die Leute mehrheitlich eher desorientiert und beteiligen sich auch weniger an Wahlen. Das Vertrauen in die Politiker schwindet und die Mehrheit fühlt sich hilflos und unzufrieden."

Kein Wunder. Die Politik kehrt zum Business as usual zurück, kaum dass es kleinste Anzeichen einer Stabilisierung gibt. Josef Ackermann wird es offensichtlich schaffen, notwendige Regulierungen im Bankenwesen und der Finanzmarktordnung zu verhindern. Schäuble muss im nächsten Jahr 100 Milliarden EUR Neuverschuldung machen, will aber bei den geplanten Steuergeschenken bleiben, während unsere Studenten und Schüler mal wieder gegen Bildungsnotstand demonstrieren und Mütter Hartz IV beantragen müssen, um zu Hause zu bleiben, weil sie keinen Krippenplatz bekommen.

Jetzt müssen die Polarisierer und Politisierer ans Werk. Jetzt ist die Gelegenheit für eine noch nie da gewesene Politisierung. Gerade aus der Ohnmacht und hilflosen Wut kann viel gewonnen werden. Ich weiss von Ansätzen mancher Gewerkschaften. Man solidarisiert sich mit Nichtregierungsorganisationen wie attac, u.a. um sich dem schwarz-gelben Zeitgeist entgegen zu stellen, aber auch, um die Verursacher der Krise nicht davon kommen zu lassen und entsprechende Reformen zu fordern.

Die SPD sollte sich einmal überlegen, ob sie nicht in diese Bresche schlagen sollte, um ihre Re-Sozialdemokratisierung endlich öffentlich an zu gehen.

Wir sind in einer Zeit, in der der nicht-utopische zivilisatorische Fortschritt der Sozialdemokratie wieder grosse Chancen hat, seine Anziehungskraft und Stärke unter Beweis zu stellen.

Die SPD macht derzeit nichts daraus.

Übrigens setze ich Sozialdemokratie nicht mit SPD gleich, sondern mit folgenden Werten:

Solidarität der Starken mit den Schwachen, der Glücklicheren mit den weniger glücklichen.
Gegen Machtmissbrauch und Unterdrückung.
Für Menschenwürde. Für Gerechtigkeit und Freiheit, etc.

Dank sozialdemokratischen Einflusses hat die Menschheit Fortschritte gemacht. Das wird auch diesmal geschehen.

Viele Grüsse
Ivica