Randnotiz: Theorie vs. Praxis

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Nachdem im Verlaufe dieser Diskussion die Frage auftauchte, was Praxis sei und welche praktischen Folgerungen aus der Theorie zu ziehen wären, drei Stichworte in Thesenform dazu.

(1) Der herrschenden Praxis darf nicht die exklusive Definitionsmacht überlassen bleiben, was Praxis sein kann. Das, was solcherart praktisch sein kann, ists stets Reproduktion von Herrschaft, deshalb kann sich die Theorie der Befreiung nicht auf die Praxis der Tat verlassen. »Die universale Unterdrückungstendenz geht gegen den Gedanken als solchen« (Adorno). So verstanden ist Weiterdenken stets Nichtresignieren an der Wirklichkeit.

(2) Praxis, die auf Legalität aus ist, wird, wenn schon nicht zwangsläufig, so doch in der Tendenz dazu neigen, Funktionen der policeyen zu exekutieren und damit, ganz im Sinne der herrschenden Praxis, zum Instrument der Selbstanpassung. Deren Ergebnis ist nicht das Bessere, sondern Konformität.

(3) Staatsfreundliche Praxis wird langfristig selbst zu einer mittelbaren Staatsfunktion, auch und gerade dann, wenn sie ursprünglich als Eindämmung eben jener Staatsfunktionen gedacht gewesen sein mag.

Das alles ist noch nicht fertig und noch nicht zuende gedacht, sondern nur, wie schon der Titel sagt: Notiert. Hoffentlich zu weiterer Veranlassung.

17:26 11.07.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

j-ap

I hear the fountains of ignorance purl bountiful in Blisstopia these days ...
Schreiber 0 Leser 1
Avatar

Kommentare 2