The LibDems' Demise

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Ach, die LibDems.

Würde Jean-Jacques Rousseau heute noch leben und könnte er — was zugegebenermaßen unwahrscheinlich ist — seine Wahlstimme im Vereinigten Königreich abgeben, dann würde er ohne jeden Zweifel die LibDems wählen. Und ebenso ohne jeden Zweifel würden die seine Stimme ganz dringend benötigen, um den schlicht: sagenhaften Wählerschwund wett zu machen.

Denn wenn sogar die Konservativen ihr Mitleid entdecken und der stellvertretende Chefredakteur des Telegraph — nicht unbedingt das Sturmgeschütz der Sozialliberalen — dazu aufruft, Nick Clegg und die Seinen zu unterstützen, dann kann man sicher sein, daß man ganz, ganz unten angekommen ist.

»Ganz unten«, da sieht es für die LibDems so aus (zu den nachfolgenden Punkten empfehle ich die wie immer sehr brauchbare Übersicht im Guardian):

  • Die von den Liberaldemokraten immer gewollte und sogar zur ersten und obersten Bedingung einer Koalition mit den Tories erhobene Änderung des englischen MehrheitswahlrechtsAlternative vote referendum 2011«), über die heute ein Volksentscheid durchgeführt wurde, ist nach derzeitigem Stand der Dinge kolossal gescheitert.
  • Bei den Kommunalwahlen, die in etwa einem Drittel der Städte und Gemeinden ebenfalls heute stattfanden, mußten die LibDems schwere Verluste hinnehmen, unter anderem in ihren bisherigen Hochburgen Sheffield und Manchester (wo sie künftig nicht einmal mehr im Stadtrat vertreten sein dürften). Die Tories konnten ihre Mandate weitgehend halten, während Labour stark gewann, aber nach wie vor weit hinter den Konservativen rangiert.
  • Bei den Wahlen zur Welsh Assembly (eine Art Landtag bei allerdings im Vergleich mit deutschen Länderregierungen sehr eingeschränkten Gesetzgebungsmöglichkeiten, de facto eine Art oberste Regionalverwaltungsbehörde) haben die Liberalen zwar leicht verloren, werden aber, wie es aussieht, künftig zusammen mit Labour regieren können, die die absolute Mehrheit der Mandate nur knapp verfehlte.
  • Zu den ebenfalls heute stattfindenden Schottischen Parlamentswahlen ist nicht mehr viel zu sagen — es genügt ein Blick auf den Grünanteil dieser Karte. Grün, das sind nicht die Grünen, sondern das ist die Scottish National Party, die nach diesem wahrlich erdrutschartigen Wahlsieg (Zweidrittelmehrheit!) angekündigt hat, demnächst ein Referendum über die schottische Sezession durchzuführen. Klingt lustig, ist es aber nicht — ich will mich aber im Rahmen dieser kurzen Notiz nicht damit aufhalten.

Resümee:

Die Konservativen konnten cum grano salis halten, was sie hatten; Labour hat insgesamt leicht gewonnen; die LibDems haben insgesamt mal gewaltig, mal aber auch ganz gewaltig verloren; Regionalparteien haben entweder leicht verloren (Plaid in Wales) oder grandios abgeräumt (SNP in Schottland).

Wer sich für buntes Kartenwerk zum Thema interessiert, findet sie übrigens diesmal nicht beim fancy-coolen Guardian , sondern beim highbrow-stiff-upper-lip-en Telegraph: AV Referendum, Local Elections, Scottish Parliament, Welsh Assembly.

Cheerio, Sophie me gal!

20:53 06.05.2011
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Geschrieben von

j-ap

I hear the fountains of ignorance purl bountiful in Blisstopia these days ...
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