Dresden hat gezeigt: Links und Rechts sind doch verschieden

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Nazis und Linke sind verschieden, grundverschieden. Obwohl in Schäubles "Verfassungsschutz"-Berichten immer wieder der Eindruck erweckt wird, es handele sich um ein und dasselbe mit unterschiedlichen Vorzeichen, handelt doch die Polizei und die Verwaltung in einem anderen ganz anderen Sinne. Was das heißt, konnte am Wochenende in Dresden erlebt werden.
Als ich, nach schikanöser Behandlung durch die Polizei auf der Bahnfahrt, am Dresdener Hauptbahnhof ankam, war der Unterschied zwischen links und rechts schon deutlich zu spüren. Wurden die Fahrgäste in unserem Zug, welche mehrheitlich aus Antifa-AktivistInnen bestanden, sofort nach dem Ausstieg am Weitergehen gehindert - viele waren es an diesem Tag ohnehin schon gewohnt: in Berlin von uniformierten Schlägern auf den Bahnhöfen zusammengeschlagen, auf dem Umsteigebahnhof über eine Stunde festgehalten, da die Uniformträger den Naonazis Vorragang beim Besteigen des Anschlusszuges gaben, schließlich sollten diese pünktlich und ohne große Belästigung zu ihrem Trauermarsch an "deutsche Opfer" kommen sollten - bot sich mir in der Bahnhofshalle des Dresdner Hauptbahnhofs ein ganz anderes Bild, was die rechte Seit betrifft. Überhaupt konnte ich den Bahnsteig nur verlassen, da ich mir ein "bürgerliches" Erscheinungsbild angewöhnt habe und auf Pöbeleien von Uniformschlägern grundsätzlich mit einem "Seit wann duzen wir uns?" antworte. Den Unterschied zwischen links und rechts, den Schäuble, seine Hauptamtlichen und IMs normalerweise unter den Tisch fallen lassen, konnte man dank der vorbildlichen Arbeit deutscher Uniformträger in Dresden erleben. Wer mal wissen wollte, wie sich rechte Mainstreamkultur außerhalb vergessener ostdeutscher Elendskäffer anfühlt, der hätte den Dresdner Hauptbahnhof am 14. Februar sehen müssen. Es war nicht möglich, in eines der Restaurants zu gehen, einen Kaffee zu trinken, durch die Halle zu wandeln oder einfach auf einen Zug zu warten, ohne sich in einer Horde von rechten Höhlenmenschen zu befinden. Die latente Gefahr, die üblicherweise von diesen Schwachmaten ausgeht, war schier unerträglich. Der Unterschied zwischen rechts und links, den deutsche Uniformträger konsequent beachten, verbot es aber, eben selbige Uniformträger auch nur ansatzweise in der Nähe der Neonazis zu postieren. Die permanente Bedrohung der "Normalreisenden", wie sich die Staatsmacht an diesem Tag ausdrückte, war kein Grund für diese, die saubere Trennung zwischen Links und Rechts aufzugeben. Für politische Korrektheit dürfen dann die "Normalreisenden" auch mal etwas Angst in Kauf nehmen, gerne aber auch einfach eine drückende Blase, weil leider Ronny aus Luckenwalde, Maik aus Pirna oder Sandro aus Sebnitz gerade sämtliche Klos blockieren.
Aber auch das Ordnungsamt Dresden, das für seine unfassbare Trennungsschärfe zwischen rechts und links bekannt ist, sorgt für politische Korrektheit. Die Anmeldung der Antifa-Demo "no pasarán" wurde kurzerhand verboten, schließlich haben sich nach der Antifa-Anmeldung auch die Nazis für den selben Startpunkt ihrer Demoroute gemeldet und wenn die Rechten kommen, dann müssen alle anderen weichen. Gelebte Unterschiede.Auch in der Dresdner Innenstadt zeigte sich die immense politische Bildung der Uniformträger. Konnte Rechts ungehindert durch die Innenstadt laufen, in den Seitenstraßen ein paar volksfeindliche Journalisten zusammenschlagen oder auch die AnwohnerInnen bedrohen, das alles mit einem Minimalaufgebot an Uniformträgern, die den Weg nach vorn freimachten, so wurde - wiederum politisch korrekt - Links aufgrund der Andersartigkeit auch entsprechend anders behandelt. Festgehalten, schikaniert, beleidigt, zusammengeschlagen und ansonsten das gesamte Programm, was sich die üblicherweise geistig minderbemittelten, aber politisch korrekten, "Beamten" in ihrer Laufbahn so antrainiert hatten. Die besonders genau auf der scharfen Trennung von Links und Rechts bestehenden bayrischen Uniformträger waren hier die eifrigsten. Links bedankte sich für diesen Höhepunkt an politische Korrektheit am Ende mit dem Entglasen bzw. Umstürzen einiger Bayrischer Uniformträger-Transporter. Wolfgang Schäuble sollte sich ein Beispiel an der Arbeit seiner uniformierten Staatsmacht nehmen. Wenn er den Text des nächsten Verfassungsschutzberichtes in Auftrag gibt, dann möge er sich doch daran erinnern, dass zwischen Links und Rechts ein erheblicher Unterschied besteht. Auch könnten linke Organisationen ein paar mehr V-Leute gebrauchen. Bisher kamen ja nur rechte Parteien und Gruppen in diesen Genuss. Mehr Staatsknete und ein paar mehr fähige MitstreiterInnen kann aber auch die Linke ganz gut gebrauchen.
23:37 15.02.2009
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Geschrieben von

J W

Historiker
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