Was ist denn bei der taz los?

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Was da heute in der taz stand, musste ich schon mehrmals lesen, bevor ich es mit einem Schlucken als tatsächlich akzeptiert habe: Unter dem Titel "Pilgerfahrt nach Auschwitz" hat sich Iris Hefetz in die Nachwehen der Finkelstein-Debatte eingebracht. Hefetz gehört der Gruppe "jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost" an, die sich mit antizionistischen und antiisraelischen Stellungnahmen hervortut, immer unter dem Postulat, dass ihre Protagonistinnen und Protagonisten jüdisch und damit jeder Kritik erhaben seien. Aktionen der Gruppe waren unter anderem eine Boykott-Kampagne gegen israelische Lebensmittel. Die Aktion, bei der sich die Gruppe 2007 vor einem Berliner Kaufhaus postierte, löste entsprechende Assoziationen aus.

Nun also wieder eine Wortmeldung. Hefetz fordert nichts anderes als die Historisierung des Holocaust ein und macht sich mehr oder minder über die Erinnerungskultur in Israel und vor allem Deutschland lustig. Da wird tatsächlich von einer "Holocaust-Religion" und einem "Shoa-Kult" gesprochen. Die Rezeption ist entsprechend. Naziplattformen und irre netzaktive Antisemiten haben bereits wohlwollend auf den Artikel verwiesen. Was für ein Triumph: Endlich mal ganz offen und frei über den Holocaust sprechen. Und dann noch mit expliziter Erlaubnis einer Frau, die sich penetrant als Jüdin in der Öffentlichkeit darstellt. Die können schließlich keine antisemitischen Gedanken hegen. Auch die Kommentarspalte bei der taz ähnelt in Teilen schon der von Naziportalen wie Altermedia. Ein Kommentator namens "Moritz" kommt in der typischen Attitüde des deutschen Spießers daher. Selbst unfähig sich zu äußern, klatscht der an das Warten auf das Handeln der Obrigkeit gewohnte Deutsche Beifall: "Sie sprechen bzw. schreiben das auf, was viele Menschen in der Bundesrepublik denken.Machen Sie weiter so!" Eine wahre Tribunin, die endlich ausspricht, was das Volk denkt. Und "Olaf Meyer" findet den Artikel "klasse" und sowieso: "Es wird Zeit den Schuldkult abzulegen"

Zum kotzen.

19:32 09.03.2010
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Geschrieben von

J W

Historiker
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