"Die Einsamkeit Israels" - Eine Rezension

Antideutsche Propaganda Stephan Grigats Buch „Die Einsamkeit Israels – Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung“, ist der Versuch, Israels Politik zu rechtfertigen.
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Von Mythos zu Mythos

Gleich im ersten Teil des Buches präsentiert Grigat eine bewusst verkürzte, oft unzureichend und teils gar nicht belegte Version der politischen und historischen Dimension des „Nahostkonflikts“. Er gibt den üblichen zionistischen Narrativ wieder, wonach die Yishuv-Führung von Anfang an bemüht gewesen sei, Frieden und mehr noch, den PalästinenserInnen einen eigenen Staat zu gewähren, hätten sie den jüdischen Staat nicht bekämpft. Völlig ausgeblendet wird bei diesem längst widerlegten Narrativ das ideologische und praktisch umgesetzte Motiv des Zionismus, einen explizit jüdischen Staat zu schaffen, in der die Demographie als auch das Fundament des Staates jüdisch sein soll – Völlig unabhängig davon, welche Politik die Geschicke des Staates bestimmen würde. So verwundert es kaum, dass vom „linken“ Ministerpräsidenten David Ben Gurion bis zum rechten, revisionistischen Zionisten Zeev Jabotinsky Einigkeit darüber bestand, die Massenflucht der arabischen Bevölkerung zu forcieren, um, wie Grigat es sagen würde, einen „lebensfähigen jüdischen Staat“ zu schaffen. Der allseits gepriesene, erste Ministerpräsident David Ben Gurion, äußerte sich schon Ende der 1930er, als die Yishuv-Führung einem Teilungsplan des Gebietes zustimmte, dass innerhalb eines geteilten „Erez Israel“[1] es keine „…Lösung der „jüdischen Frage“…“ geben kann und weiter, dass ein solcher Staat eine „…Etappe auf dem Weg zur Verwirklichung größerer zionistischer Vorhaben sein [könnte].“ Zweifellos, galt dieselbe Haltung auch für 1948. Simha Flapan, ein bedeutender jüdischer Historiker, resümiert, es habe sich bei Ben Gurions Zustimmungen zur Teilung Palästinas nur um taktische Manöver gehandelt. An der Massenflucht trugen maßgeblich zionistische Milizen die Irgund und die Hagana, die Vorgängerorganisation der israelischen Armee, bei. Grigat relativiert ihre Verbrechen jedoch, indem er die noch schmerzlichen Erfahrungen des Holocausts und die angeblich drohende, neuerliche Vernichtung der JüdInnen, der dieses Mal durch die PalästinenserInnen durchgeführt werden würde, als Hauptmotiv für die Verbrechen der Milizen hernimmt. Er emotionalisiert und legitimiert die israelischen Verbrechen also durch den Missbrauch von Auschwitz – Eine Konstante, die der antideutschen Ideologie eigen ist. Kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Grigat der Chefideologe dieser angeblich linken, studentischen Szene ist. eigen ist. Grigat geht alsbald dazu über, die Vertreibung der PalästinenserInnen zu verklären: Er stützt sich auf die grundsätzliche Haltung des berühmten israelischen Historikers Benny Morris, laut dem die Vertreibung „kriegsbedingt, nicht planmäßig“ erfolgte. Spätestens hier entlarvt sich Grigat vollends in seiner ganzen stümperhaften Perfidie: Er behauptet, die Hagana hätte die Araber in Haifa zum Bleiben aufgefordert. Er unterschlägt aber, dass die Stadt durch massiven Mörserbeschuss immer mehr entvölkert wurde, und sowohl Irgun als auch die Hagana die arabische Bevölkerung massakrierten, bis letzten Endes die arabische Führung sich entschloss, ins Exil zu gehen, obwohl einige israelische Beamte sie dazu drängten zu bleiben. Der entscheidende Faktor, wie Benny Morris auf Seite 90 seines Buches „The Birth of the Palestinian Refugee Problem 1947-1949“ feststellt , jenes Buch auf das Grigat selbst eingangs positiv Bezug nimmt !, straft Grigats Behauptungen Lügen. Weitaus bemerkenswerter ist folgende Stelle: Auf Seite 14 seines Buches führt Grigat die Seiten 62ff aus dem genannten Buch von Benny Morris als Quelle an und behauptet auf Seite 18 „…ein Drittel aller PalästinenserInnen [ist] durch „…die Propaganda der angreifenden arabischen Staaten…“ geflüchtet. Auf Seite 66 in Benny Morris‘ Buch aber steht explizit, dass es keinen Hinweis darauf gäbe. Entweder liest Grigat also seine eigenen Quellen nicht oder er zitiert selektiv. Bezeichnend für einen Lehrbeauftragten der Uni Wien.

Der Rest des Kapitals ist eine reine Verzerrung der übrigen Konfliktgeschehnisse. Besonders in diesem Kapitel sticht heraus, dass Stephan Grigat keinerlei Interesse an einer gerechten Lösung hat, da jedwede Lösung die nicht der israelischen Expansion dienlich ist, für Grigat von einem expliziten oder strukturellen Antisemitismus herrührt.So ist sich Grigat nicht zu blöd im Hinblick auf einen palästinensischen Staat die Frage zu stellen „…warum die Welt ausgerechnet durch eine weitere Staatsgründung besser werden sollte…“ (S.43). Dies ist jedoch nur der Gipfel, der Grigatschen Ignoranz. Seine Ignoranz richtet sich aber insbesondere gegenüber der realen Lage und dem Völkerrecht,wie folgt an zwei Stellen sichtbar ist: Er meint, das Westjordanland sei juristisch gesehen „umstrittenes Gebiet“. Dies gilt höchstens für die Urteile des israelischen Gerichtshofs, laut internationalem Völkerrecht aber gilt sie als besetztes Gebiet. Noch dreister ist die Behauptung, der israelischen Regierung wäre es während dem Friedensprozess der 90er Jahre um eine „…dauerhafte Befriedung…“ des Konflikts gegangen. Tatsache ist, dass nach beiden Verhandlungen in Oslo der Grundstein für eine massive Erweiterung illegaler Siedlungsbauten im Westjordanland gelegt wurde. Es wurden große Summen und Anreize durch die rechte Likud-Regierung 1996 kreiert, wodurch die Infrastruktur des illegalen Siedlungsbaus noch weiter expandierte und zusätzlich die Gebiete, die, wie Grigat im Buch schreibt, unter palästinensischer Verwaltung standen, voneinander isoliert und das Westjordanland im gesamten kantonisiert worden ist. Davon liest man bei Grigat nichts. Wer hätte es gedacht.

Die „naiven“ Linken, apologetische Ideologiekritik und Antisemitismus als Kampfbegriff

Im 2. Kapitel präsentiert Grigat die Geschichte der radikalen Linken in Israel. Hier benutzt er offensichtlich die einschlägige Literatur, die zu dem Thema erschienen ist. Er konzentriert sich hierbei vor allem darum, den frühen KommunistInnen der PKP sowie den verschiedenen arabischen Aufständen gegen die jüdischen ImmigrantInnen in Palästina. Er verabsäumt es wiederum, die Aufstände und den instrumentalisierten Antisemitismus in einen gröberen Kontext zu stellen, nämlich in den Kontext des frühen arabisch-jüdischen Konflikts. Interessanter ist hierbei die Kritik, die er an der gesamten radikalen und antizionistischen Linken in Israel vorzuwerfen hat. Sie würden, so Grigat, durch ihre Blauäugigkeit die gesamte Existenz des Staates Israel auf den Spiel setzen, weil sie durch ihre Ablehnung dessen, was israelische Politik und die Ideologie dahinter ist, dem antisemitischen Mob nur Legitimierungen geben. Grigat begründet dies, durch die Behauptung, Israel sei ein emanzipatorisches Projekt gegen die negativen „…Mechanismen nationaler Vergesellschaftung.“ und spätestens nach Auschwitz partikular in dieser Welt. Diese Partikularität und die Negation jeglicher nationaler Vergesellschaftungen ist für Grigat das revolutionäre Fundament Israels, folglich, ist jegliche Kritik sowohl was das Fundament als auch was die konkrete Politik, die durch dieses „revolutionäre Fundament“ erfolgt, nichts anders als Antisemitismus. Mit dieser etatistischen, zionisierten Antisemitismus-Definition, die übrigens auf jeden Nationalstaat in der modernen Welt projizierbar ist, knüpft das dritte und wohl trivialste Kapitel seines Buches an. Deutsche Linke wie der Verleger Jakob Augstein seien genauso Antisemiten wie Neonazis wie Jobbik oder Intellektuelle wie Judith Butler. Aber Grigat geht noch weiter, wenn er gemäß seiner diffusen, postmodernen Ideologiekritik all jenen, die sich gegen Antisemitsmus-Vorwürfe wehren unterstellt, sie täten dies nur aus „verfolgender Unschuld“ heraus. Dies ist nur folgerichtig, wenn man sein gleichsam diffuses wie absolutistisches Antisemitismus-Konzept für richtig hält.

Virtuelle und reelle Gefahren

Im finalen Kapitel versucht er die nukleare Zerstörungssehnsucht und den „eliminatorischen Antisemitismus“ des Iran darzulegen. Das Beweismaterial ist hier dünn gesät. Dies stört ihn bei seinem Unterfangen, den Iran zur tickenden, genozidalen Zeitbombe zu stilisieren jedoch kein Stück. Seine Masche um dies zu beweisen ist denkbar einfach: Er bringt Zitate von iranischen Politikern und verkauft sie für bare Münze. Denselben Trick bringt das israelische Establishment vor jedem Krieg in Gaza, mit dem Verweis auf die „Hamas-Charta“ oder irgendwelchen billigen Hamas-Propagandavideos, die höchstens effektvoll sind. Tatsache ist, dass aus militärischer und politischer Sicht weder der Iran noch die Hamas in der Lage noch willens sind, Israel zu „vernichten“, geschweige denn einen Holocaust 2.0 zu begehen. Tatsache ist aber auch, dass es keinerlei substantiellen Beweise für ein militärisches Atomwaffenprogramm des Iran gibt. Grigat bedient sich dieser virtuellen Gefahren aber, um sein Hypothesenkonstrukt zu verteidigen. Besonders fragwürdig wird der „eliminatorisch-antisemitische“ Charakter des Iran, wenn man bedenkt, dass dort 10.000 JüdInnen leben und es eine ganze Reihe jüdischer Einrichtungen im Iran gibt, die nicht vor der Vernichtung stehen. Sein ideologischer und rhetorischer Versuch, den Iran zum neuen Nazi-Deutschland und nicht aggressive Politik ihm gegenüber als „Appeasement“ zu bezeichnen, ist reine Polemik. Natürlich, hat Grigat mit der grundsätzlichen Analyse des Iran als eine islamische, reaktionäre Diktatur Recht. Aber daraus die oben genannten Schlussfolgerungen zu ziehen und die iranische Propaganda der praktisch-politischen Realität des Iran vorzuziehen, ist absurd. Dieser verbohrte und vor allem faktisch falsche Standpunkt, nimmt für Grigat eine große Bedeutung ein, da er der Mitinitiator von „Stop the Bomb“ ist. Eine Initiative, die seit Jahren ironischerweise einen militärischen Erstschlag gegen den Iran und scharfe Sanktionen fordert, unabhängig davon, was aus der Zivilbevölkerung und der brüchigen Stabilität im Nahen Osten werden würde. Ganz im Sinne der kriegsbefürwortenden Neokonservativen der USA also, die ähnlich wie Grigat argumentierend den Irak-Krieg rechtfertigten.

Ernüchterndes Resümee

Stephan Grigat hat mit diesem Buch die zionistische Apologetik durch die antideutsche Ideologiekritik erweitert. Er fetischisiert Israel positiv zum „kollekiven Juden“ und bedient sich exzessiv des Geschichtsrevisionismus. Wo all dies nicht greift, benutzt er den Trick, den jeder drittklassige Anwalt drauf hat: Wenn du einen Fall nicht gewinnen kannst, lenke vom Thema ab und hoffe, dass es keinem auffällt. Das ist das Erfolgsrezept Grigats, der ständig durch Antisemitismus-Vorwürfe und andere Nebelgranaten vom konkreten Inhalt ins Gedankliche abstrahiert, um so einen auf Fakten basierenden Diskurs zu verunmöglichen.

21:00 01.03.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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